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Kerstin Gier – Rubinrot

„Manchmal ist es ein echtes Kreuz in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16-jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. UNd ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!“

   Titel: Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten
   Autor: Kerstin Gier
   Format/Seiten: Gebunden mit Schutzumschlag, 352 Seiten
   Herausgeber: Arena Verlag
   Erschienen: 06. Januar 2009
   ISBN: 978-3-401-06334-8
   Preis: € 15,99 [DE]

   Teil einer Reihe?  Liebe geht durch alle Zeiten: Rubinrot (I),
    Saphirblau (II), Smaragdgrün (III)

 

Inhalt
 
Die jugendliche Gwendolyn Shephard kämpft mit den Tücken einer typisch englischen Schülerin – nervige Mitschüler, Schuluniformen, Lehrer anhimmeln. Und damit, dass sie aus einer Familie stammt, die in jeder Generation einen Zeitreisenden hervorbringt und Gwens Cousine Charlotte für die nächste Gen-Trägerin hält.
Als dann jedoch Gwen selbst in der Zeit springt, tritt Vergangenes wieder ans Licht und wirft seinen Schatten auf Gegenwart und Zukunft. Tante Maddy hat eine äußerst beunruhigende Vision, während der Bund der Zeitreisenden ebenso wenig angetan ist, wie Charlottes „Zeitreisepartner“ Gideon de Villiers, der – überflüssigerweise zu erwähnen – sämtliche Mädchenherzen höher schlagen lässt, von Gwen zu Beginn allerdings schändlichst verabscheut wird.
Ein Besuch beim Begründer des Zeitreiseordens, einem mysteriösen Grafen mit (nicht ganz so netten)magischen Fähigkeiten, endet mit einem Anschlag auf das Leben der beiden Jugendlichen, dem sie jedoch entkommen können. Da Gwen einen der Attentäter mit einem Degen durchbohrt, wie „beim Schneiden einer Torte“ (S. 267).
Als dann noch die Zeitreisenden aus der vorherigen Generation, Lucy Montrose und Paul de Villiers, den Weg der beiden kreuzen und offenbar wird, dass sie den Orden einst um deren größten Schatz betrogen, sieht sich Gwen zwischen den Fronten: Der Graf, der Orden und Gideon auf der einen Seite und auf der anderen – Gwens leibliche Eltern.
Aber zum Romanfinale wird erst einmal heftig geknutscht. Im Beichtstuhl. Tz tz tz, die Anglikaner…

Rezension 
 
So da ist ja mal wieder alles dabei. Interpubertäres Verhalten (Schule und Co.), Liebesgesäusel mit Startschwierigkeiten („Du! Blöder! Angeber!“ (S. 183) – „Idiotenbabysitter!“ (S. 186)), ein Kind, das seine wahre Abstammung nicht kennt. Ich habe übrigens kein schlechtes Gewissen, darüber zu schreiben, dass Gwen nicht die Tochter ihrer Eltern ist, da dies schon im Prolog verraten wird und man diesen Wink durchaus erkennt, wenn man alle seine Sinne bei sich hat.
Nebenbei haben wir dann noch ein wenig Zeitgespringe, das mir nach den ersten Erklärungsversuchen schon Kopfschmerzen und Verwirrung bereitet hat.  

  • Jeder Zeitreisende ist einem Edelstein zu geordnet (es tun sich ganz furchtbare Erinnerungen an die letzte literarische Begegnung mit gewissen „schwarzen Juwelen“ auf)
  •  

  • Jeder Zeitreisende ist gleichzeitig auch eine Tonart und ein Horoskop-Transzendent – ehm ja puh…häää?
  •  

  • Zum Zeitreise braucht man Blutstropfen (????????!), die komplette Sammlung aller 12 Zeitreisenden eröffnet: „Das Geheimnis ist das Geheimnis ist das Geheimnis“ […] Mum wischte sich die Lachtränen aus den Augenwinkeln. „Tut mir leid. […] Eigentlich würde ich lieber weinen, ehrlich.“ (S. 185) Die gute Frau Shepherd spricht mir aus der Seele. Auch wenn mich als Leser ein gewisser Mr. George davon überzeugen will: „Ich verstehe es nicht, aber es macht Sinn.“ (S. 274) Glückwunsch!
  •  

    Nun ja, also was auch immer das ganze soll, halten wir fest, dass es wichtig ist. Um das Geheimnis zu entschlüsseln und an alle Blutstropfen zu gelangen, müssen Gwen und Gideon in der Zeit springen. Und zwar so unkoordiniert, dass einem beim Lesen schwindelig wird und zumindest ich den Faden, darüber wer wann wo wen besucht hat, ziemlich schnell verloren habe. Da lobe ich mir doch die Stravaganza-Reihe von Mary Hoffman (auch bei Arena erschienen), bei der es zwar auch mehrere Charaktere mit der Zeitreisefähigkeit gibt. Sie reisen aber immer nur an ein und denselben Ort und die Zeit vergeht stringent, wenn auch um 500 Jahre (zu Zeiten der Renaissance) versetzt. Die Romane spielen übrigens ebenso in London, der Stadtteil findet witzigerweise auch in der Edelstein-Reihe Erwähnung (Islington, S. 169). In der britischen Hauptstadt scheint ein zeitreisefreundliches Klima zu herrschen. Vielleicht erklärt ist dies ja auch, wie die Auflösung des Cliffhangers der 2. Sherlock-Staffel aussehen soll – doch ich schweife ab. Zurück zum eigentlichen Thema. 
    Der Text ist in der Ich-Perspektive aus Sicht von Gwendolyn geschrieben. Der Schreibstil ist durch Hauptsätze mit Dreieraufzählungen, Hauptsatz-Nebensatz-Konstruktionen und vereinzelten Gedankeneinwürfe der Protagonistin charakterisiert. Die Ausdrucksweise ist eher kindlich bis frühjugendlich, was angesichts von Gwens Alter fast ein wenig unangemessen erscheint. Die Gedankengänge im Fließtext sind einer 16-jährigen durchaus angemessen, in fast allem, was sie jedoch in wörtlicher Rede von sich gibt, klingt sie unfreiwillig dümmlich. Das ist schade für den Charakter, eigentlich könnte man ihn mögen.  
    Einige Höhepunkte geistiger Umnachtung: 

  • „Und – kann man ihre Visionen ernst nehmen?“ […] „Es passt irgendwie immer. Möchtest du auch Handcreme?“ – „Glaubst du denn daran? Ich meine nicht an Handcreme, sondern an Tante Maddys Visionen?“
    AUTSCHN! Im weiteren Verlauf dieses höchst … nun ja dieses Gesprächs versucht Gwen ihrer Mutter zu beichten, dass sie in der Zeit gereist ist. Und tut es dann nicht, weil…ja man weiß es nicht so ganz genau. Es kommen manchmal Momente beim Lesen, in denen man nicht weiß, wen man bei den Schultern packen und durchschütteln will. Den Autor oder doch den (zumeist weiblichen) Protagonisten. Gwen, du doofe Kuh, Reden wirkt manchmal Wunder und verhindert böses Chaos! Als Autor kann man diesen Spannungs- und Konfliktmoment allerdings auch unmöglich aus der Hand geben. Lässt man seine Protagonisten lieber wie die Deppen dastehen. Ich wende mich kopfschüttelnd ab.
  •  

  • Gwen hat ein Problem damit, dass sie jetzt keine Zeit mehr haben wird, sich mit ihrer Freundin Leslie DVDs anzuschauen. Bedauernswertes Mädchen, wirklich. Hat sie doch aus den Filmen bereits so viel gelernt. Dass Männer mit halblangen Haaren sexy aussehen konnten (Ritter aus Leidenschaft) oder dass Marie Antoinette mit 14 schon verheiratet war (Kirsten Dunst sei dank ; S. 179).
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  • Gwen muss sich eine lateinische Parole merken. Aus „Qua redit nescitis“ wird dann „Quark edit bisquitis“. Es entlockte mir ein eher mitleidiges Lächeln.
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  • Gwen kann immer noch nicht fassen, dass sie gerade einen Mann mit einem Degen durchbohrt hat. „Ich dachte, man müsste spüren, wenn man auf eine Rippe trifft. […] Ich dachte nicht, dass es ein Gefühl ist wie … beim Schneiden einer Torte. Wieso hat der Mann keine Knochen?“ – „Er hatte mit Sicherheit welche.“ (S. 267)
    Abgesehen davon, dass ich jetzt vermutlich bei jedem Geburtstag in hysterisches Lachen ausbrechen werden, wenn der Kuchen angeschnitten wird…Mann, Gideon ist echt ein cleverer Junge! Den würde ich auch sofort vernaschen. Im Beichtstuhl…tschuldigung.
  •  

    Inhaltlich spielt sich die Handlung innerhalb weniger Tage ab, ich erspare uns an dieser Stelle, wie unrealistisch es ist, dass die beiden Protagonisten sich wieder einmal derart schnell aneinanderwerfen. Ein bisschen weniger Erzähltempo hätte an dieser Stelle gut getan, war aber scheinbar nötig, um darüber hinwegzutäuschen, wie wenig Handlung in diesem Buch vorhanden ist.
    Gwen springt in der Zeit, Gwen trifft den Grafen, Gwen trifft ihre Eltern, Buch zu Ende. Da hätte ich mir schon ein wenig mehr „Aktion“ gewünscht. Einziger Spannungspunkt bleibt das Attentat auf Gwen und Gideon im Hyde Park. Sicherlich bracht man beim ersten Band einer Reihe immer einen gewissen Raum, um in die Handlung einzuführen, muss Hintergrundinformationen geben, die Beziehung der Charaktere beleuchten. Dies misslingt beim Zeitreisethema jedoch erst einmal.
    Da hatte ich auch in Anbetracht der Tatsache, dass – man verzeihe mir den erneuten Vergleich – der erste Stravaganza-Band „Stadt der Masken“ genauso viele Seiten hat wie „Rubinrot“, schon ein wenig mehr erwartet.
    Höchstwahrscheinlich erschließt sich in den Folgebänden alles, allerdings weiß ich nicht, ob ich mich darauf einlassen will. Allein, ob die Tatsache, dass Gwen Geister sehen kann, noch eine Bedeutung hat und woher diese Gabe kommt, interessiert mich doch. 
    Das Cover finde ich wenig ansprechend, ist aber wohl auf die Zielgruppe der ab 12-jährigen ausgerichtet. Das Cover der Filmausgabe gefällt mir persönlich besser, auch wenn Gwen ein wenig dreinschaut wie Barbie und mich Farbgebung und Aufmachung an „Die Tribute von Panem“ erinnern. Die Ausgabe ist Teil der Gesamtveröffentlichung aller drei Bände im Schuber, der ähnlich wie die Buchcover gestaltet ist.  
    Abschließend ist also festzuhalten: Viel verschenktes Potenzial im Romantext, ich bin aber gespannt, was die Verfilmung daraus macht und auf jeden Fall froh, das Buch vorher gelesen zu haben, auch wenn ich vom Film selbst zugegebenermaßen auch nicht die Welt erwarte. Der Trailer stellt aber zumindest eine schöne Verbindung zwischen Gwen/Gideon und Lucy/Paul her, da Gwens Eltern im Romantext des Öfteren „Bereit?“ – „Wenn du es bist!“ austauschen und dies im Film wohl auf Gwen und Gideon übertragen wird. Wir werden es im März 2013 sehen.

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