Books, Der Hobbit

Ein Hobbit kommt selten allein

Bei der Fülle an Ausgaben, die zum Kinostart des „Hobbit“ ihren Weg in die Buchhandlungen gefunden haben, mag man ein wenig so dreischaun wie Bilbo, als die Zwerge ihm in der Verfilmung vor die Füße purzeln. Oder ihm gleich eine ganze Vertragslitanei an Reisebedingungen unterbreiten.
Gebunden oder Taschenbuch, illustriert oder nicht, Scherf- oder Krege-Übersetzung – nur einige Entscheidungen, die der Käufer zu treffen hat. Lohnt sich eine Neuanschaffung überhaupt oder reicht die gute, alte Kinderbuchausgabe, die sich bereits im Regal befindet? Welche Ausgabe sollten Neueinsteiger wählen? Ein kleiner Überblick über die aktuellen Ausgaben soll ein wenig Entscheidungshilfe geben.
 
Vorneweg erst einmal einige Worte zur Publikationsgeschichte des „Hobbit“. Das Kinderbuch erschien unter dem Titel „The Hobbit or There and Back Again“ erstmals 1937 in englischer Sprache. Nach dem Erfolg des „Herrn der Ringe“ nahm Tolkien bis 1966 Änderungen am Ursprungstext vor, um von Mittelerde und dessen Geschichten ein homogeneres Bild zu zeichnen. Der „Hobbit“ wurde insgesamt erwachsener.
 
Während die erste deutsche Publikation 1938 daran scheiterte, dass Tolkien den vom deutschen Verlag geforderten Ariernachweis verweigerte, erschien die erste deutsche Ausgabe 1957 unter dem Titel „Kleiner Hobbit und der große Zauberer“ in einer Übersetzung durch Walter Scherf beim Paulus Verlag Recklinghausen. Diese Übersetzung bezieht sich auf den kindlichere Ursprungstext und wurde 1974 unter dem Titel „Der Kleine Hobbit“ erstmals als Taschenbuch im dtv Verlag veröffentlicht. Aktuell wird dieser Text von dtv vertrieben.
 
1997 veröffentlichte KlettCotta erstmals den von Tolkien überarbeiteten Text von 1966 unter „Der Hobbit oder Hin und Zurück“. Übersetzer war Wolfgang Krege, der sich schon für die (zugegebenermaßen nicht gerade unumstrittene) Neuübersetzung des „Herrn der Ringe“ verantwortlich zeigte. Alle Ausgaben von KlettCotta beinhalten die 16 Lieder in ungekürzter Form, Tolkiens Karten (den Weg der Reisegruppe und Thror’s Karte vom Erebor) und ein Kapitel über die Zwergenrunen.
 
Da ich die Krege-Übersetzung bisher nur stichprobenartig in den Buchhandlungen lesen konnte, folgt ein detaillierter Vergleich der beiden Übersetzungen zu späterem Zeitpunkt. Meinen ersten Eindruck, dass die Krege-Übersetzung besser sei als die Scherf-Übersetzung, musste ich nach dem Lesen des ersten Kapitels ein wenig revidieren. Dazu aber dann mehr, wenn ich zu Ende gelesen habe.

dtv-Ausgaben in der Scherf-Übersetzung

Klett-Cotta-Ausgaben in der Krege-Übersetzung


„Ich habe bereits eine Hobbit-Ausgabe im Regal stehen.“

Je nach dem, wie groß das Interesse am Tolkien-Universum ist, bietet sich die Anschaffung einer Ausgabe in anderer Übersetzung an. Für mich war beispielsweise klar, dass ich nachdem ich ja nur die „Kinderversion“ von Scherf kannte, auf jeden Fall auch die Krege-Übersetzung lesen wollte.


(1997) (1999) (2000er)

Besitzt man bereits eine dieser dtv-Ausgaben und möchte die Krege-Übersetzung nicht lesen, so reicht diese Ausgabe vollkommen aus. Besitzt man eine Standardausgabe von Klett-Cotta, so sind bebilderte oder mit Anmerkungen versehene Ausgaben durchaus trotzdem interessant. Möchte man die Scherf-Übersetzung zusätzlich lesen, empfehle ich neben der Standard-Ausgabe die Mini-Taschenbuch-Ausgabe, weil sie schick aussieht und durch die besondere Aufmachung einen netten Zusatzwert hat.


„Ich lege Wert auf Illustrationen.“

Folgende Ausgaben enthalten Illustrationen. Die dtv Ausgabe (1) die Kinder-Zeichnungen von Klaus Ensikat, die Klett Cotta-Ausgaben Zeichnungen von Alan Lee (2), unterschiedlichste Zeichnungen internationaler Ausgaben, Cover und Zeichnungen Tolkiens (3) oder Abdrucke der 5 farbigen Aquarellzeichnungen für die Erstausgabe des Hobbit (4).
Unter dieser Auswahl ist die Ausgabe mit den Zeichnungen von Alan Lee (für das erwachsene Publikum) am meisten zu empfehlen und als gebundenes Buch für knapp 23 Euro recht erschwinglich.


„Ich will ALLES über den Hobbit wissen!“

Die Klett-Cotta-Ausgaben erklären im Zusatztext „Über Runen“ wie die Zwerge ihre Schrift verwenden. Wer darüber hinaus weitere und umfangreiche Hintergrundinfos möchte, ist mit dem „Großen Hobbit-Buch“ sehr gut beraten. Unter selbst ernannten Mittelerde-Experten wird man so immer eine interessante Annekdote parat haben.


„Ich bin Hobbitneuling und schäme mich dessen ganz arg.“

Für Neueinsteiger ist die wichtigste Frage die nach der Übersetzung. Hat man die Krege-Übersetzung des „Herrn der Ringe“ gelesen und fand sie gut, wird man mit der Klett-Cotta-Original-Filmausgabe (Taschenbuch) oder der Standard-Ausgabe (Gebunden, teurer) gut beraten sein. Möchte man eine kindlichere Version der Geschichte, sollte man zur Standard-Ausgabe von dtv greifen. Sie ist von allen Hobbit-Ausgabe mit knapp 8 Euro auch die günstigste und für mich die klare Kaufempfehlung, wenn man sich nicht sehr intensiv mit der Thematik beschäftigen möchte und das Buch nur gelesen haben will, weil man auch den Film gesehen hat.


„Ich suche nach einer Ausgabe für Kinder und Jugendliche.“

Kindern empfehle ich die Ausgabe von dtv junior, da sie auch Bilder enthält. Jugendliche haben sicherlich mehr Gefallen an der Standard-Ausgabe von dtv. Fanden sie den „Herrn der Ringe“ vom Schreibstil her schon gut, sollten sie die Krege-Übersetzung von Klett-Cotta lesen.


„Ich will nicht zu viel Geld ausgeben bzw. möglichst viel für mein Geld bekommen.“

Am günstigsten ist die Standard-Ausgabe von dtv (€ 7,95). Wer die Krege-Übersetzung möchte muss für die günstigste Ausgabe fast das Doppelte zahlen (Standard mit Filmcover € 14,95). Klett-Cotta liegt mit 15 Euro für ein Taschenbuch von knapp 400 Seiten schon eher im oberen Preisbereich, während alle dtv-Ausgaben nicht mehr als 10 Euro kosten.
Am meisten Leistung für sein Geld bekommt man mit dem „Großen Hobbit-Buch“. Für 30 Euro kann man ganz tief in das Tolkien-Universum eintauchen und sich intensiv mit den Hintergründen und Ursprüngen der Geschichte beschäftigen.


„Ich fand den Film so toll!“

Tja, eine Filmausgabe mit Bildern gibt es nicht, allerdings eine Klett-Cotta-Ausgabe mit dem Filmposter als Cover. Wer sich darüber hinaus weiter mit dem Film befassen möchte, kann aus einer großen Auswahl an Begleitbüchern wählen.

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2 thoughts on “Ein Hobbit kommt selten allein”

  1. Also ich habe die schlichte dtv Taschenbuch Version von 1999 und bin vollkommen zufrieden damit. Mein Vater kaufte sich die gebundene Version mit dem Filmposter und der einzige Unterschied, ist der Zeilenabstand. ^^
    Und ich kann und will nicht glauben, dass der zweite Teil erst im Dezember in die Kinos kommt! -.-

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    1. Wir haben im Freundeskreis erstaunlicherweise auch jeder eine andere Ausgabe vom „Hobbit“. Ich finde die Ausgabenflut ein wenig übertrieben, bin aber mit meinem „Großen Hobbit-Buch“ auch sehr zufrieden. Enthält tolle Informationen und schöne Bilder.

      Ja, das Warten wird lang. Aber sicherlich gibts wieder das ein oder andere Produktions-Video zum Verkürzen.

      Danke für deinen Kommentar 🙂

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