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Aimée Carter – Das göttliche Mädchen

Du kannst das Leben deiner Mutter retten – wenn du als Wintermädchen bestehst!
 Sie sind nach Eden gekommen, weil es der Wunsch ihrer sterbenskranken Mutter ist. Hier lernt Kate den attraktiven und stillen Henry kennen. Seit der ersten Begegnung fühlt sie sich auf unerklärliche Weise zu ihm hingezogen. Er sieht so gut aus und scheint gleichzeitig so … unendlich traurig zu sein.
Bald erfährt Kate, warum: Er ist Hades, der Gott der Unterwelt! Und er macht ihr ein unglaubliches Angebot: Er wird ihre Mutter heilen, wenn Kate sieben Prüfungen besteht und sein geliebtes Wintermädchen wird. Aber ob ihre Seele für ein Winterleben stark genug ist? Bisher haben alle ihr Scheitern mit dem Tod bezahlt.

   Titel: Das göttliche Mädchen
   Autor: Aimée Carter
   Format/Seiten: Taschenbuch, 304 Seiten
   Herausgeber: mira Taschenbuch
   Erschienen: 10. Mai 2012
   ISBN: 978-3-86278-326-7
   Preis: 9,99 EUR [D] | 10,30 EUR [AT] | 14,90 sFr [CH]

   Teil einer Reihe?  
    Die unsterbliche Braut (II), The Goddess Inheritance [III/ENG]
   
 

Rezension

Irgendwie weiß man da gar nicht, wo man anfangen soll. Zuallererst erinnert mich die Bezeichnung „Wintermädchen“ im Beschreibungstext an die „Wicked Lovely“-Reihe von Melissa Marr. Den Auftaktroman „Gegen das Sommerlicht“ habe ich einmal angefangen, dann aber wieder zur Seite gelegt, weil er mich zu sehr an die „Iron Fey“-Reihe erinnert hat. Mein erster Gedanke nach dem Lesen des Klappentextes war also „Mensch, fällt euch allen denn nichts Neues mehr ein?“. Kein besonders guter Start. Auch wenn mein Eindruck zu den Parallelen der drei Reihen schnell aus dem Weg geräumt waren und das Thema des „Göttlichen Mädchens“ offensichtlich ein anderes ist, ließ die Begeisterung dennoch weiter auf sich warten.
 
Der Schreibstil ist wieder einmal sehr umgangssprachlich (a la „Ich ließ mich in den Schnee plumsen“, „Ich besah meine Klamotten im Kleiderschrank“). Ein Phänomen, das mir zusehens auf die Nerven geht. Wenn ich Umgangssprache lesen will, dann klick ich mich durch YouTube-Kommentare. Ich kann verstehen, dass sich der Trend zu Formulierungen, die dem tatsächlich gesprochenen Wort ähnlich sind, immer mehr durchsetzt. Man sieht sich auf diese Art vermeintlich authentischer und näher am Zielpublikum (will meinen weibliche Leserschaft). Mein Fall ist es jedoch nicht. Ich finde es in mancher Situation schon Zumutung genug, dem gesprochenen Wort ZUHÖREN zu müssen.
 
Zweiter großer Kritikpunkt sind die Charaktere. Sie besitzen allesamt keinerlei Tiefgang. Henry ist ein weinerlicher Emo-Verschnitt, ein ganz ganz einsamer, gutaussehender Mann, vom Leben und seiner großen Liebe verraten, hach wirklich tragisch. So wie er verhält sich niemand, der seit tausenden von Jahren existiert. So jemand hat LEBENSerfahrung oder als Gott der Unterwelt wenigstens TODESerfahrung.
Kate ist entgegen eigener Aussage eben doch „irgendein dämlicher hormongesteuerter Teenager“ (S. 197), der sich dem geheimnisvollen Fremden so schnell an den Hals wirft, das man gar nicht hinterherkommt. Aber wer jetzt wenigstens auf heiße Leidenschaft hofft, ist auf dem Holzweg. Man spielt Karten…und kuschelt…und küsst sich wie man das eben so von verschüchterten Teenagern erwartet. Allerdings nicht vom Herrn der Unterwelt.
Es gibt einige Stellen im Roman, die schon fast obligatorisch an Twilight erinnern wollen, auch wenn dieser Vergleich sich langsam abnutzt. Schließlich ist Twilight nicht das Maß aller Dinge, scheint aber mancher Autor wohl so zu sehen.
So überkommen Henry plötzlich Skrupel, Kate unsterblich zu machen, weil sie „nicht gelebt hat“ (S. 262). Na, kommt uns das bekannt vor. Ich hab drauf gewartet, dass sie im nächsten Satz „Los, beiß mich endlich“ sagt…
 
Wer sich für griechische Mythologie interessiert und denkt, dass man sich das Buch vielleicht dadurch retten kann, dass hier orginell mit der griechischen Mythenwelt gespielt wird – leider auch Fehlanzeige. Am Ende des Romanes gibt es eine Liste, in denen die Götter und ihre irdischen Entsprechungen namentlich zugeordnet werden. Würde diese Auflistung fehlen, könnte man nicht feststellen, wer wer sein soll, weil die Attribute und charakterlichen Eigenschaften der Götter beim Lesen überhaupt nicht erkennbar wurden. Wenn man schon ein Buch schreibt, in dem die griechische Götterwelt eine elementare Rolle spielt, dann kann man da doch mal aus dem Vollen schöpfen. Artemis, die mit Kate ein wenig Bogenschießen übt. Oder Aphrodite, die um Kates Kleiderschrank und -auswahl kümmert. So muss man sich als Leser damit begnügen, dass Henrys Hund Cerberos heißt (und natürlich hat er keine drei Köpfe, sondern nur einen ;)) und vor Henrys Häuschen ein wenig angsteinflößender Styx vor sich hinplätschert (nach Charon mit seinem Boot sucht man auch vergeblich).
 
Dass „Das göttliche Mädchen“ die Leserschaft sehr polarisiert, kann man beim Stöbern auf den verschiedensten Bücherblogs deutlich erkennen. Selten herrscht derart große Uneinigkeit über die Qualität eines Romans. Ein Zeichen dafür, dass sich eben jeder seine eigene Meinung bildet. Ich gönne jenen, die das Buch mögen, ihre Lesefreude auch gerne. Mir persönlich sagt dieser Roman nur einfach – gar nichts.

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3 thoughts on “Aimée Carter – Das göttliche Mädchen”

  1. Ich glaub was Fantasy und ähnliches angeht solltest du nicht mehr das lesen was ich mag XD Das endete bisher irgendwie nie gut 😉
    Allerdings muss ich dir recht geben, dass man die Eigenschaften der zugeschriebenen Götter im Buch nicht bemerkt und man am Ende ohne diese Liste nicht gewusst hätte wer wen darstellen soll. Mal abgesehen davon das ich es vermutlich nicht gewusst hätte, wenn es anders gewesen wäre, ist das für Leute die sich damit auskennen natürlich weniger toll ^^

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    1. Das ist ja auch kein Fantasy im engeren Sinne, sondern geht eher in die Richtung Romantisches kombiniert mit Übernatürlichem oder Mythologischem. Ich könnte jetzt sagen, „The Iron Fey“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch funktionieren kann, aber da würdest du mir ja auch widerspechen xD
      Es gibt ja durchaus Bücher, die uns beiden gefallen, wenn auch nicht unbedingt aus diesem Genre. Es besteht Hoffnung!

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