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Tod eines Geschichtenerzählers

„Das kleine Gespenst“, „Die kleine Hexe“ oder „Krabat“: Otfried Preußlers Geschichten zählen seit Jahrzehnten zu den treuen Begleitern in vielen Kinderzimmern. Am Montag verstarb der Autor im Alter von 89 Jahren. Erst im letzten Jahr feierte sein „Räuber Hotzenplotz“ 50. Geburtstag, zahlreiche Verfilmungen erweckten die Bücher des Geschichtenerzählers zum Leben.

1923 im nordböhmischen Reichenberg (Liberec) geboren, beginnt er bereits mit 12 Jahren Geschichten aufzuschreiben. Unterstützt wurde er dabei durch die Erzählungen seiner Großmutter und das Zusammentragen von böhmischen Sagen durch seinen Vater. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, entschied Preußler sich für die pädagogische Laufbahn. Zuerst als Volkshochschullehrer, später als Rektor gelang es ihm immer wieder die Kinder durch seine Erzählungen und erfundenen Geschichten zu begeistern. Nebenberuflich schrieb er für den Kinderhörfunk und veröffentlichte 1956 sein erstes Kinderbuch: „Der kleine Wassermann“. Es folgten insgesamt 32 weitere Bücher, von denen „Krabat“ Preußler am meisten Nerven kostete. Immer wieder unterbrach er die Arbeit, gab sie sogar ganz auf und brachte das Werk dann doch zu Ende. Sein Lohn war der deutsche und der europäische Buchpreis. „Krabat“ wurde insgesamt in 31 Sprachen übersetzt und ist noch heute ein Welterfolg. Preußlers Werke erreichten eine deutschsprachige Gesamtauflage von über 15,2 Millionen Exemplaren. In 55 Sprachen übersetzt wurden sie weltweit rund 50 Millionen Mal verkauft.
Seine Bücher wurden ebenso erfolgreich (teilweise sogar mehrmals) verfilmt. Zu den bekanntesten Verfilmungen zählen die Fernsehserie „Kater Mikesch“, „Der Räuber Hotzenplotz“ aus 2006 und „Krabat“ aus 2008. Für Oktober 2013 ist eine Neuverfilmung vom „Kleinen Gespenst“ geplant – die Otfried Preußler nun nicht mehr erleben wird.

Nicht selten wurde kontrovers über den Einfluss von Preußlers Geschichten auf die Entwicklung von Kindern diskutiert. Streng katholische Eltern warfen der „Kleinen Hexe“ vor, dass sie den Okkultismus fördere. Eltern, die den Zeugen Jehovas angehörten, erstritten gar vor Gericht, dass ihr Sohn nicht an dem schulischen Kinobesuch von „Krabat“ teilnehmen musste. Und nur wenige Tage vor Preußlers Tod entbrannte eine heiße Diskussion darüber, welche Wortwahl in Kinderbüchern angemessen sei. Anlass dafür war das Vorhaben Ausdrücke wie „Neger“ oder „Schuhe wichsen“ durch angemessenere Formulierungen zu ersetzen (so bereits geschehen bei „Pipi Langstrumpf“). Kindern sollten vor derlei rassistischen bzw. verfänglichen Wörter geschützt werden, da sie nicht mehr zeitgemäß seien. Nicht nur durch dieses Thema wird Preußler in nächster Zeit sicherlich präsent bleiben. Über seine Zeit in der russischen Kriegsgefangenschaft hat er ausführlich geschrieben, jedoch nie etwas veröffentlicht. Laut eigener Aussage, solle dies – wenn überhaupt – erst nach seinem Tod geschehen. Preußler sah sich zu Lebzeiten stets als jemand, der für Kinder schreibe. Und diesen wird er auch stets durch seine phantastischen Geschichten in Erinnerung bleiben.

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