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„Schneewittchen muss sterben“…

…und der Zuschauer auch. Vor Langeweile.


„Schneewittchen muss schlafen“: Als Zuschauer hätte man es ihr gern gleichgetan.

Aus Quotensicht kann sich das ZDF mit der Verfilmung des Bestsellers „Schneewittchen muss sterben“ von Nele Neuhaus durchaus zufrieden zeigen. Mit 6,76 Millionen Zuschauer und einem Maktanteil von 19,7 Prozent war der Montagsfilm die meistgesehendste Sendung des Tages. Inhaltlich dürfe sich jedoch nicht nur bei den Lesern des Romans die befürchtete Enttäuschung einstellen.

Einem Trend folgend, handelt es sich um eine Verfilmung nach Motiven des Romans. Will heißen, man übernimmt den Großteil der Charaktere und auch die Handlung vollzieht sich im Glücksfall in erkennbarer Ähnlichkeit. Die verwendeten Motive bei der ZDF-Verfilmung bleiben überschaubar. Im Großen und Ganzen trifft man den Rahmen der Romanvorlage zwar, aber von einer angemessenen Verfilmung zu sprechen, wäre zu viel des Guten. Nun ist diese Vorgehensweise nicht grundlegend verwerflich und durchaus verständlich. Dass man den Inhalt des Romantextes nicht in 90 Minuten darstellen kann, wird jeder bestätigen, der „Schneewittchen muss sterben“ gelesen hat. Dass dem ZDF das Risiko, einen Zweilteiler aus dem vorliegenden Stoff zu produzieren, zu hoch war, ist nachvollziehbar, wenn man sich die Quote betrachtet im Nachhinein jedoch unbegründet. Hat die Verfilmung denn auch etwas zu bieten, wenn man sich von der Vorstellung trennt, dass es sich um die Umsetzung eines Romanes handelt? Leider an dieser Stelle ein klares „Nein“.

Die Handlung plätschert ohne jegliches Spannungsmoment dahin. Wo ist die verschworene Dorfgemeinschaft, die den Mörder unbedingt wieder loswerden will. Wo ist die heftige Reaktion der Altenhainer auf dessen Rückkehr? Wo wird er ausgrenzt und verprügelt, wo wird sein Haus mit Schmähschriften beschmiert? Wo versucht Tobias wahren Täter zu finden, um seine Unschuld zu beweisen und „Vergeltung“ für seine Zeit im Gefängnis zu üben? Darum geht es schon mal nicht. Es geht auch nicht darum, das Verschwinden von Schneewittchen alias Stefanie Scheeberger endlich aufzuklären, obwohl dies dann ebenso wie Amelies Verschwinden nebenbei innerhalb weniger Minuten auch noch erledigt wird. Worum es denn nun wirklich geht, das habe ich leider nicht herausfinden können. Vielleicht hätte man sich bei der Auswahl der „Motive“ des Romans auf eine der drei Schwerpunkte beschränken sollen, um diese dafür dann aber auch dramaturgisch ordentlich umzusetzen.
Nicht einmal zum Ermitler-Duo, das hier immerhin eingeführt werden und dem Zuschauer auch für weitere Verfilmungen noch im Gedächtnis bleiben soll, kann das Langeweile-Desaster retten. Fast alibihalber wird ein Blick in das ach so verkorkste Privatleben der von Bodensteins geworfen (pubertierende Kinder – zu Hülf!), während Pia Kichhoff mit einem konstruiert wirkenden Vergangenheitstrauma zu kämpfen hat.
Vollendet wird die Katastrophe dann noch durch die hölzerne und gestelzte Schauspielerei der gesamten Besetzung. Ich möchte dies nicht allein den Darstellern zuschreiben, schließlich gibt es da ja jemanden hinter der Kamera, der sagt, wie’s denn gespielt werden soll. Florian Bartholomäi sieht man in seiner Doppelrolle als Lars und Thiess Terlinden zwar an, wer der unterkühlte Geschäftsmann und wer der zurückgebliebene Sohn ist, aber gut ist die abgegebene Vorstellung deshalb trotzdem nicht.

Hoffen wir, dass die Verflimung von „Eine unbeliebte Frau“ besser wird. Schlechter kann man es ja eigentlich nicht mehr machen.

Zur Rezension von „Schneewittchen muss sterben“ von Nele Neuhaus

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