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Kami Garcia & Margaret Stohl – Sixteen Moons

Liebe noch vor dem ersten Blick …
 
Schon bevor Ethan sie zum ersten Mal gesehen hat, hat sie ihn in seinen Träumen verfolgt: Lena, die Neue an Ethans Schule. Lena, das Mädchen mit dem schwarzen Haar und den grünen Augen. Lena, die in Ravenwood wohnt, der verrufenen alten Plantage, von der sich alle in Gatlin fernhalten – alle außer Ethan. Lena, in die Ethan sich unsterblich verliebt. Doch Lena umgibt ein Fluch, den sie mit aller Kraft geheim zu halten versucht: Sie ist eine Caster, sie entstammt einer Familie von Hexen, und an ihrem sechzehnten Geburtstag soll sie berufen werden. Dann wird sich entscheiden, ob Lena eine helle oder eine dunkle Hexe wird …
Ethan aber weiß: Auch ihm bleibt keine Wahl – ihm ist vorherbestimmt, Lena für immer zu lieben. Aber wird er bei ihr bleiben können, gleich, welcher Seite sie künftig angehört?

   Titel: Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe
   Autor: Kami Garcia & Margaret Stohl
   Format/Seiten: Gebunden mit Schutzumschlag, 544 Seiten
   Herausgeber: cbj
   Erschienen: 09. August 2010
   ISBN: 978-3-570-13828-1
   Preis: € 18,95 [D] | € 19,50 [A] | CHF 27,50
   Teil einer Reihe?  
     Seventeen Moons – Eine unheilvolle Liebe
     Eighteen Moons – Eine grenzenlose Liebe

Rezension

Der Roman ist in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Ethan geschrieben. Der erste Pluspunkt für diesen Roman, man hört mich bestimmt selbst durch den Bildschirm jubilieren. Ein männlicher Erzähler in einem solchen Genre – dass ich das noch erleben darf. Das Erwachsenwerden gemixt mit der Begegnung mit dem Übernatürlichen – davon haben wir aus der Perspektive von pubertierenden, manchmal mehr und manchmal weniger oberflächlichen weiblichen Charakteren schließlich schon zu Genüge gelesen. Nun erfahren wir also, was so alles in einem junger Mann vorgeht. Oder zumindest, was die Autorinnen über die Gefühlswelt eines jungen Mannes vermuten.
Ethans Gedankengänge sind gradlinig und schnörkellos. Wenn er vor einem Problem steht, dann lamentiert er nicht erst einmal rum, sondern macht sich sofort daran, das Problem zu lösen. Ethan ist zwar im Vergleich zu den anderen männlichen Charakteren fast zu gewöhnlich, um mehr als der nette junge Mann von nebenan zu sein und aufzufallen, aber gerade das macht ihn so sympathisch und auch athentisch. Meiner Meinung nach merkt man beim Lesen auch eindeutig, dass es sich um einen männlichen Hauptcharakter handelt – und zwar nicht, weil er fremden Röcken hinterher giert und sich wie ein Gockel beim Hahnekampf benimmt, sondern weil es einfach mal ohne die meist typisch weibliche Emotionalität geht.
Für diesen Part ist nämlich Lena zuständig. So ist das Wetter in ihrer unmittelbaren Umgebung von ihrem Gefühlszustand abhängig (oho man stelle sich dies mal im eigenen echten Leben vor). Da geht durch eine Winböe auch schon mal ein Fenster zu Bruch oder ein Dach wird abgedeckt. Nette Idee, obwohl mich Lenas Charakter sonst wenig überzeugen konnte. Sie ist manchmal leider nicht mehr als das launische, leicht hysterische Mädchen.
Dafür kann man den Nebencharakteren fast gänzlich nur Gutes abgewinnen. Heraus steht unter anderem Ethans „Hausmutter“ Amma, die mit ihrem Voodoo-Tick begeistern kann und auf eine ruppig-tadelnde Art liebenswürdig ist. Genauso sympathisch findet man Ethans leicht chaotischen besten Freund Link oder Ethans Tanten Mercy, Prue und Grace. Die rüstigen Rentnerinnen sind immer wieder für einen Lacher gut. Mein absolutes Lieblingskapitel geht auf ihre Kappe („Verloren und Wiedergefunden“, S. 323). Auch wenn es für die Handlung so gut wie keine Bedeutung hat, ist das Kapitel derart vollgestopft mit Sitationskomik, dass man nicht anders kann und einfach lachen muss.
Diese Komik, in manchen Fällen auch ironische Sichtweise von Ethan, macht die Qualität des Romanes aus. Die Süddeutsche Zeitung schrieb im Dezember 2010 dazu:“Für das Genre ungewöhnlich erscheint die Sprache dialogreich, voller treffender Situationsschilderungen und Ironie.“ Dem kann ich nur zustimmen. Unter diesem Aspekt ist das Buch unheimlich gut gelungen.
 
Weniger gut gelungen finde ich hingegen die Handlung als solches (und dies ist wirklich sehr sehr schade). Mir fiel es von Anfang an schwer zu sagen, worum es inhaltlich eigentlich geht. Zwar schwebt über allem irgendwie der 16. Geburtstag von Lena, an dem sich entscheiden soll, ob sie gut oder böse wird. Aber die Handlung steuert nicht geradlinig darauf zu, sondern macht immer wieder Ausreißer zur Seite und dabei fragt man sich, inwiefern dies nun relevant ist.
Das Auftauchen von Lenas Cousine Ridley ist zwar amüsant und sorgt für allerlei Wirbel (bei der Männerwelt). Es trägt auch sicherlich dazu bei, dass Lena noch mehr Angst davor hat, genau wie sie auch eine dunkle Hexe zu werden. Aber eine wirklich tragende Rolle kommt ihr nicht zu. Wichtige Fragen bleiben hingegen unbeantwortet. Was hat es mit dem Verhalten von Ethans Vaters auf sich, der vollkommen aus dem Leben zurückgezogen hat, seit seine Frau gestorben ist? Warum sieht Ethan aus, wie sein Vorfahre, ein junger Kriegsdeserteur, der eine Liebesbeziehung mit Lenas Vorfahrin hatte? Kommen daher vielleicht Ethans Träume von Lena oder gibt es einen anderen Grund?
Höchstwahrscheinlich wird man die ein oder andere Antwort in den Folgeromanen erfahren, für eine Einführung in eine Geschichte wirft mir „Sixteen Moons“ jedoch viel zu viele Fragen auf. Hinzu kommt leider das enttäuschende Finale. Auch hier zeigen sich die Autorinnen konsequent inkonsequent was die Handlung angeht. Nicht nur, dass Serafine noch eine weitere, jedoch vollkommen sinnlose Folge von Lenas Entscheidung für Licht oder Dunkel aus dem Hut zaubert (egal, wie Lena sich entscheidet, es endet schlimm), nein die ganze Spannung verpufft in einem Schwall heißer Luft, getreu dem Motto „Apokalypse vertagt, geht alle nach Hause“.
Ein wenig unglaubwürdig wirkt zudem, dass Ethan Lenas Zauberkräfte so mir nichts dir nichts als vollkommen normal akzeptiert. Die Tatsache, dass Ethans „Kindermädchen“ Amma unbeirrbar an das Übernatürliche glaubt und in Gatlin irgendwie alles möglich zu sein scheint, hat bestimmt einen großen Anteil. Man könnte Ethan zu Gute halten, dass er ja schon seit einiger Zeit über seine Träume mit ihr verbunden ist und ihm klar sein sollte, dass sie irgendetwas Übernatürliches umgibt. Aber trotzdem ging es mir persönlich ein bisschen zu reibungslos. Dafür lassen sich die Autorinnen mit der Liebesgeschichte zwischen Ethan und Lena genügend Zeit. Liest man den Klappentext, schwahnt einem Böses. Nicht schon wieder bereits dutzend Mal gelesenes Liebesgesäusel a la „Oh wir sind auf ewig und immer füreinander bestimmt“. Aber genau dies ist bei „Sixteen Moons“ nicht der Fall, der deutsche Titel ist hier einfach irreführend. Ethan und Lena finden langsam zueinander, sind am Anfang eher befreundet denn verliebt. Aber vielleicht ist auch dieser Eindruck der (männlichen) Erzählperspektive geschuldet. Dies hat mich dann wieder entschädigt. Wenn man den übernatürlichen Aspekt als nettes Beiwerk sieht und die ein oder andere logische und inhaltliche Schwäche verzeit, wird man sich sicherlich gut unterhalten fühlen.

Man darf gespannt sein, ob die Verfilmung die Schwächen des Romans ausräumen kann, ohne sich zu weit von der Vorlage zu entfernen. Am 4. April läuft „Beautiful Creatures“ (der englische Originaltitel des Romans) in den deutschen Kinos an.

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