Books, Challenges

Buchverfilmungs-Challenge # 1

Kommen wir heute zum ersten Teil der Buchverfilmungschallenge. Im Programm: Das Franchise, das „The next big thing after Twilight“ ist, ein mehr oder minder romantischer Weltuntergang und ein bisschen amerikanisches Kulturgut, von Tim Burton sehr frei interpretiert.

Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele


Vorlage – Hörbuch/Roman

Großes Bestreben ist es ja immer, vor der eigentlichen Verfilmung die Vorlage gelesen zu haben. Im Falle der „Tribute“ hab ich mich dafür entschieden, das Ganze mal über das Hörbuch zu versuchen. Dass Hörbücher meistens gekürzt sind, ist kein großes Geheimnis. Nach dem Schauen des Films, habe ich mich dann doch dazu entschieden auch die Bücher zu lesen. Eine existenzielle Szene fehlte im Hörbuch nämlich: Die Trainingssequenz und die Bewertung der Tribute. Ich kann mich erinnern, wie im Kino saß und mir dachte „Also, wenn Katniss jemals mit Pfeil und Bogen den Apfel aus dem Maul eines Spanferkels geschossen hat, würde ich mich sicherlich erinnern.“ Ich hatte diese sehr unterhaltsame Szene schon dem Übermut der Filmemacher zugeschrieben, doch dann von jemanden, der das Buch gelesen hatte, darauf hingewiesen, dass sich dies im Roman tatsächlich so findet.
Die Verfilmung selbst bewegt sich sehr nah an der Roman-Vorlage, auch wenn es natürlich einige Unterschiede gibt. So erfährt man im Buch nichts über den Aufstand, der in Rues Distrikt nach ihrem Tod ausbricht. Dies liegt allerdings an der Perspektive, die im Film universell ist. Im Gegensatz dazu beschränkt sich das Wissen des Lesers auf das, was Katniss in der Arena erlebt.
Die Liebesbeziehung zwischen Katniss und Peeta erscheint im Film etwas undurchsichtiger als im Buch. Man weiß nicht so genau, welche tatsächlichen Gefühle beide nun haben und was nur gespielt war, um Sponsoren zu gewinnen. Aber auch dies ist wieder der Perspektive geschuldet, da Katniss im Buch viel deutlicher verraten kann, was sie denkt und fühlt.
In der Verfilmung spielt die Spotttölpelbrosche eine andere Rolle als im Roman. Die Tochter des Bürgermeisters, von der Katniss die Brosche erhält, taucht im Film nicht auf, was ich durchaus nachvollziehen kann, da sie nur eine minimale Rolle spielt. Stattdessen ist die Brosche zuerst ein Geschenk von Katniss an ihre kleine Schwester Prue. Als Katniss in die Arena muss, gibt Prue sie ihr widerrum als Glückbringer mit. Dies gibt der Beziehung der beiden einen schönen Ausdruck. Hat mir sehr gut gefallen. Da kann man dann auch das Fehlen von Madge verschmerzen.
Im Film erfährt man nicht, dass die Mutationen gegen Ende der Spiele in Wahrheit die bereits verstorbenen Tribute sind, die man wiederbelebt und gentechnisch verändert hat. Damit kommen wir zu den Zugeständnissen, die man an die Altersfreigabe des Films machen musste. Nimmt man das Buch und seine Beschreibungen von den Geschenissen in der Arena, so strotz es vor Gewalt und den Perversitäten des Kapitols. Ich bin mir auch nach wie vor nicht sicher, ob ich die „Tribute“-Reihe tatsächlich als Jugendbuch bezeichnen würde. Ich musste an der ein oder anderen Stelle schon schlucken und mich fragen, wie jüngere Leser wohl mit diesen Szenen umgehen. Für die Filmemacher galt es den Spagat zwischen der Romantreue und einer einigermaßen „Verharmlosung“ im Film zu meistern, nicht zuletzt auch, um die Produktionsfirma möglichst viel Geld scheffeln zu lassen. Dieser Spagat ist gelungen, denn der Film bagatellisiert nicht, ist aber nicht allzu blutig geraten. So wird (glücklicherweise) darauf verzichtet, die Amputation von Peetas Bein zu zeigen. Vielleicht hätte man es wenigstes thematisieren können, vielleicht verweist man stattdessen in der nächsten Verfilmung darauf.
Doch es ist manchmal ja gerade nicht das Blutige, was aufwühlt. Die Szene, in der Katniss sich statt Prue freiwillig als Tribut meldet, oder Rues Tod jagen mir bei der bloße Erinnerung immer noch einen üblen Schauer über den Rücken. Im Hinblick auf diese eher emotionale Intensität des Films, empfand ich es fast als angenehm, dass man den Mutationen am Ende eben kein Gesicht gegeben hat. Bereits beim Lesen bzw. Hören konnte ich mir ohnehin nur sehr schlecht vorstellen, wie dies auszusehen hat.

Fazit

Die Verfilmung des ersten Tribute-Romans gehört zu den originalgetreusten der letzten Zeit. Die Brutalität des Romans ist im Film angemessen gemildert, die emotionale Belastung hingegen kaum. In diesem Zusammenhang muss sich jeder im Klaren darüber sein, dass es hier nicht um Unterhaltung (sprich Amüsieren) geht, sondern dass die „Tribute“ wirklich schwere Kost sind. Und die ist vielleicht nicht immer für Kinder und Jugendliche geeignet, auch wenn die FSK den Film ab 12 Jahren freigegeben hat.


Jesus liebt mich


Vorlage – Mehr oder weniger der Roman

Just in case – zu Beginn eine aufs Wesentliche beschränkte Inhaltsangabe: Marie ist gerade vor ihrer eigenen Hochzeit geflüchtet und läuft Joshua in die Arme. Der junge, gut aussehende Mann stellt sich als Jesus heraus, der aus dem Himmel ausgebüchst ist, um vor der Apokalypse (nächsten Dienstag) noch einmal unter den Menschen zu wandeln. Die beiden verlieben sich, das Ende der Welt ist in Gefahr, und nebenbei hats der Teufel auch noch auf Joshuas Leben abgesehen, um endlich die Herrschaft über das Universum an sich reißen zu können. An dieser Stelle sei gesagt, wer das Buch liest, wird feststellen, dass es um noch ganz andere Dinge geht 😉
Romanverfilmungen geschehen manchmal frei, sehr frei – oder frei von jeder Gemeinsamkeit mit der Vorlage. Um von vornherein zu vermeiden, dass Misstimmung aufkommt, hat man den tollen Begriff „Nach Motiven“ etabliert. Im Rahmen dieser Zauberformel nimmt man sich das Recht heraus, die literarischen Rosinen herauszupicken und diese in einem filmischen Gebäck zu verarbeiten, das am Ende – wie es einem Hefeteig zu eigen ist – zu großen Teilen aus (heißer) Luft besteht. Zugute halten muss man dem Film „Jesus liebt mich“, dass er dies wenigstens offen zugibt und gar nicht erst eine angemessene Verfilmung des Romans von David Safier sein möchte.
Dass die Verfilmung nicht an die Genialität des Romans anzuknüpfen weiß, habe ich bereits erwartet. Dies ist meiner Meinung nach auch gar nicht möglich, da der Unterhaltungswert in Safiers einzigartigem Wortwitz liegt und in seiner Fähigkeit, übertrieben Lachhaftes und hererweichend Tragisches in Einklang zu bringen. Dass Emma Thompson als Gott und George Clooney als Teufel im Film mitwirken, wäre einem biblischen Wunder gleichgekommen und ist somit auch keine Überraschung. Damit fällt aber von vornherein schon einmal einer der Running Gags aus dem Roman flach. Die Darstellung des Teufels gelingt noch relativ gut. Die Rolle, die man Gott im Film angedacht hat, ist hingegen albern und verstaubt stereotypisch. Warum ist Gott keine Frau? Das hat man sich schließlich in Dogma schon vor vielen Jahren getraut.
Wenn man sich anschaut, was der Film von der Vorlage übrig gelassen hat, merkt man auch, dass den Roman so viel mehr ausmacht die „Liebesgeschichte“ zwischen Marie und Joshua. Dort ist Maries Schwester, die zur Handlung zwar nicht viel beiträgt, aber eine der wichtigsten Figur im Roman ist. Durch sie stellt Safier die Theodize-Frage. Der Roman ist eben nicht nur eine Blödelklamotte, sondern gibt eben durch genau solche Figuren wie Marie auch philisophische Denkanstöße. Dies alles geht im Film leider vollkommen verloren.
Er beschränkt sich darauf, zu unterhalten und für den ein oder anderen Lacher zu sorgen. Und selbst diese Lacher sind eher kurzweilig und unoriginell. Zwischenzeitlich driftet die Verfilmung auch ein wenig zu sehr in die Romanzenrichtung ab, obwohl die Unterwasserszene zur Musik von „Time After Time“ herrlich kitschig ist und man ein Tränchen der Rührung verdrücken möchte. Darauf folgt dann jedoch das größtes Ärgernis des Films – dass Marie und Joshua tatsächlich miteinander schlafen (Gott sei Dank – es wird wenigstens nicht gezeigt!). Im Buch ist es gerade wichtig, dass die beiden NICHT miteinander schlafen, da ihre Liebe nicht körperlich ist. Es geht viel mehr um das Gefühl des Füreinanderdaseins, um die Liebe, die auch das Zusammenleben der Menschen untereinander besser machen würde. Damit wird mal ganz nebenbei auch die eigentliche Message des Romans in den Boden gestampft.

Fazit

„Jesus liebt mich“ ist zwar kein schlechter Film, aber er ist auch nicht überragend gut. Auf keinen Fall aber ist er eine angemessene Verfilmung der Vorlage, sondern ein Film, der sich einer sehr überschaubaren Zahl an Motive bedient. Zumindest die Frauenwelt kann sich darüber allerdings mit dem höllisch guten Aussehen von Florian David Fitz hinwegtrösten.


Sleepy Hollow

Vorlage – Kurzgeschichte von Washington Irving

Hier brauch man nicht lange um den heißen Brei herumreden. Die einzigen Gemeinsamkeiten zwischen Tim Burtons Verfilmung und der Kurzgeschichte ist, dass es einen kopfloser Reiter gibt und die Hauptfiguren die von Irving ausgedachten Namen tragen. Darüber hinaus nimmt sich der ja nicht gerade konventionelle Regisseur alle filmischen Freiheiten – zum Glück, denn was man mit der Kurzgeschichte selbst anfangen soll, entzieht sich meiner Erkenntnis.

So existiert der kopflose Reiter (gerne auch „der Hesse“ genannt) im Gegensatz zur Kurzgeschichte tatsächlich als spukendes Ungetüm, nicht nur als makabrer Scherz eines Dorfmöchtegerns.

Ichabod Cranes Charakter entspricht so ziemlich dem Gegenteil seines literarischen Namensgebers. Zwar sind die beiden ähnlich sozial inkompetent, Tim Burton macht aus dem schüchternen Schulmeister jedoch einen zwischen Genie und Wahnsinn schwankenden Kriminologen, dem man 4 Jahre vor dem ersten „Fluch der Karibik“-Film schon den berühmten Priaten Sparrow ansieht. Dass Crane bei Iriving eher konservativ und abergläubisch ist, juckt Burton wenig. Bei ihm ist Crane der Freigeist und Skeptiker, der erst ein paar Köpfe rollen sehen muss, um an die Existenz des „Hessen“ zu glauben.

Im Film wird der kopflose Reiter als Instrument in einem Streit um Ländereien missbraucht. Man könnte einen Bogen zur Kurzgeschichte schlagen, wenn man davon ausgeht, dass Brom, Cranes Konkurrent um die Hand von Katrina Van Tassel, es nicht nur auf die Schöne Farmerstochter selbst, sondern auch auf ihre Ländereien abgesehen hat. Aber dazu lehnt man sich schon sehr weit aus dem Fenster.

Fazit
Kurzgeschichte und Film haben fast keine Gemeinsamkeiten. Kurzgeschichte: langweilig und Zeitverschwendung. Film: übertriebener Einsatz von Kunstblut, aber trotzdem herrlichste Unterhaltung durch Johnny Depps Verschrobenheit und die Tatsache, dass der Film sich selbst nicht ernst nimmt.

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