Cinema, Review

Kinoreview: Rubinrot

„Rubinrot“ ist die deutsche Verfilmung des gleichnamigen Romans von Kerstin Gier. Zur Rezension gehts hier lang.

Ich muss zugeben, dass ich von der Verfilmung des Romans nicht viel erwartet habe. Nicht zuletzt, wiel ich den Roman selbst…naja, wenn ihr die Rezension gelesen habt, dürftet ihr wissen, was ich davon halte. Umso positiver überrascht war ich, als ich den Film dann im Kino gesehen habe (im Kinosaal bis auf einen einzigen jungen Mittzwanziger nur Mädels und junge Frauen – dafür kannte der Herr sich mit dem Inhalt der Bücher besser aus, als seine Freundin – mysteriös^^). Zwar sieht man dem Film nicht nur wegen der Besetzung an, dass er deutsch ist. Ich kann nicht genau beschreiben, woran es liegt – Kostüme, Kameraperspektive, Bildschnitt -, aber die Machart ist einfach nicht vergleichbar mit internationalen Produktionen des gleichen Genres. Das tut der Qualität aber Gott sei Dank keinen Abbruch. Sieht man Veronika Ferres ab, die in deutschen Produktionen einfach viel zu überpräsent ist, ist die Rollenbesetzung gut gelungen. Kostja Uhlmann als Barockgeist James ist herrlich, man hätte sich mehr Screentime von ihm gewünscht. Ebenso überzeugen konnten Josephine Preuß und Florian Bartholomai als Gwendolyns Eltern, auch wenn ihre Auftritte sehr knapp gehalten waren. Bartholomai versöhnte mich in „Rubinrot“ mit seiner verbesserungswürdigen Leistung in der ZDF-Produktion „Schneewittchen muss sterben“. Josephine Preuß ist allein schon wegen der Ähnlichkeit zu Maria Ehrich (Gwendolyn) passend besetzt. Nicht umsonst spielten sie schon einmal Mutter und Tochter – im ZDF-Mehrteiler „Das Adlon – Eine Familiensaga“, allerdings in genau umgekehrter Konstellation. Mancher mag vielleicht ein wenig vorbelastet sein, da Josephine Preuß zu sehr mit ihrer Rolle in „Türkisch für Anfänger“ behaftet ist. Da ich die Serie nicht schaue, machte mir das keine Probleme. Mir ging es eher mit Uwe Kockisch (Falk de Villiers) so – er ist und bleibt einfach Comissario Brunetti.

Hinter diesen bekannten Namen brauchen sich die beiden Hauptdarsteller Maria Ehrich und Jannis Niewöhner jedoch nicht zu verstecken. Gerade dadurch, dass sie relativ unverbraucht sind, geben sie dem Film einen frischen Wind. Nicht nur, dass die beiden ihre eigenen Rollen gut ausfüllen können, sie harmonieren auch wundervoll miteinander. Die Kabbeleien zwischen Gwen und Gideon sind im Film so, wie ich sie mir im Buch gewünscht hätte. Einfach zuckersüß und zum Knuddeln. Und dass Jannis das Zeug zum Mädchenschwarm hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Wäre ich 10 Jahre jünger, würde ein Poster von ihm über meinem Bett hängen xD

Kommen wir nun zur inhaltlichen Umsetzung der Vorlage. Hier wurde ordentlich herumverändert. Im Film wird keine Zeit für nebulöser Verschleierungstaktik verschwendet. Direkt in der ersten Szene wird von Lucy und Paul klargestellt, dass die Gwens Eltern sind. Braucht man zumindest in diesem Punkt gar nicht bis zum dritten Roman weiterlesen xD Zusätzlich wird Gwendolyns kleine Schwester unterschlagen, im Film erscheint lediglich der Bruder. Da die Schwester aber keine große Rolle spielt, ist diese Veränderung zur Vorlage nicht so tragisch. Im Roman trifft Gwen den Grafen bereits bei der ersten Zeitreise mit dem Chronographen und ihre Paul und Lucy in der zweiten. Im Film ist es genau umgekehrt. Nach dem Sinn suche ich bis heute, da es irgendwie schon logischer erscheint, dass das Oberhaupt der Bruderschaft „die Neue im Team“ erst einmal treffen will, bevor sie auf irgendeine Mission geschickt wird.
Endet die Handlung des Romans mit dem Kuss im Beichtstuhl, geht der Film hingegen noch weiter – ohne, dass die zwei sich geküsst haben, dafür aber  mit Szenen, die es weder in „Rubinrot“ noch in den Folgebänden der Reihe gibt. Man weiß nicht so genau, was die Drehbuchschreiber sich dabei gedacht haben, aber das meiste ist trotz fehlender Vorlage recht gut gelungen. Bevor es zum Curry-Essen beim Inder des Vertrauens geht (Gideon ist das Curry zu scharf – herrliche Szene!), werden die zwei Türteltäubchen jedoch erst einmal stilecht von einer älteren Dame aus der Kirche herausgeschimpft – weil es schon ein wenig verfänglich aussieht, wie sie da aus dem Beichstuhl herausgestolpert kommen. Nach dem Essen beschließt man das Herumspionieren im Geheimarchiv der Bruderschaft (das nicht so geheim sein kann, wenn zwei Jugendliche da einfach so einbrechen können) und übernachtet gezwungenermaßen dort, weil man vom Wachmann eingesperrt wird. Man muss schon sagen, im Film bieten sich schon mehr Annäherungsmöglichkeiten für die beiden Jugendlichen als im Roman xD Am nächsten Tag macht man sich auf die Suche nach weiteren Geheimdokumenten, dabei stürzt Gwen auf der Flucht vom Dach einer Sternwarte, was ihr im Roman zwar so prophezeit wurde, aber nie tatsächlich passiert. Natürlich überlebt sie den Stürz (*hüstel*), läuft dann aber Gefahr zu erfrieren, während sie dabei vom Konferei des Grafen aus einer Mauer heraus auslacht wird (die Szene erinnerte an eine Mischung aus Lord Voldemorts Totenkopf in den Wolken und dem Apperat, mit dem der Zauberer von Oz seine Besucher täuscht – wirklich, wikrlich, WIRKLICH merkwürdig). Vielleicht diente dies alles aber auch nur dazu, dass Gideon seiner Zuneigung zu Gwendolyn Ausdruck verleihen darf. Als Falk de Villiers Gwendolyn an den Folgen der Kälte sterben lassen will, damit die Prophezeiung mit dem Tod des Rubins sich erfüllt, schlägt die heldenhafte Stunde des pikierten Schnösels. Und nein, wieder nichts mit Küssen nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit, man wird erneut gestört. Erst beim – für Teenie-Filme offensichtlich obligatorischen – Abschlussball-Kitsch darf beim jugendlichen Klammerblues dann endlich geküsst werden. Während die verprellte Cousine mit dem Geschichtslehrer im Arm finster dabei zuschaut. Man kann sich ein schadenfrohes Grinsen nicht verkniefen, obwohl Charlotte einem eigentlich schon leid tun kann. Aber zumindest darf sie im Film ein wenig präseter sein, als im Roman selbst und den Folgebänden.

„Rubinrot“ ist ein sehr gelungener, unterhaltsamer Film, der sich -sieht man von der frei erfundenen Handlung des letzten Filmdrittels ab – relativ nah an der Vorlage orientiert. Da ich vom Roman selbst wenig begeistert war, war der Film eine sehr positive Überraschung für mich. Während der Roman eher in die kindliche Richtung geht, muss man sich auch als Twentysomething oder Erwachsener nicht schämen, den Film zu schauen. Einziger Wehmutstropfen ist das Unterschlagen des kleinen Wasserspeiers Xemerius, der in „Rubinrot“ erst gegen Ende auftaucht, in den Folgebänden jedoch eine große Rolle spielt.  Sollte man bei entsprechendem Einspielergebnis über die Verfilmung der anderen Bände nachdenken, würde ich mir den kleinen Racker auf jeden Fall dazu wünschen.

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