Cinema, Review

Warm Bodies

R ist ein Zombie. Sein „Lebens“inhalt besteht darin, mit anderen Zombies durch einen Flughafen zu torkeln und auf Menschenjagd zu gehen, wenn der kleine Hunger kommt. Weil er die menschlichen Emotionen sehr vermisst, erquickt er sich an den Erinnerungen seiner Opfer – indem er die Gehirne isst (und ja er nimmt sie in kleinen Portiönchen für den Snack Zwischendurch mit – und ja es ist genauso widerlich anzuschauen wie es sich anhört). Dies hat eines Tages zur Folge, dass er sich in die Freundin seines letzten Happens verliebt – fertig ist die Girl-meets-bo..eh-Zombie-Romanze. R fängt wider an zu fühlen, steckt die anderen damit an, heilt so die Menschheit und die Welt ist gerettet.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich das erste Mal über ein Promobild des Films gestolpert bin (die InternetMovieDataBase wird irgendwann mein Ende sein – wenn die Zombieapokalypse ausbricht und ich sie verpasse . . . und falls doch wirds an meiner „Cardio“ scheitern (siehe Zombieland) oder daran, dass ich unfähig bin Dosen mit Nahrung drin zu öffnen . . .). Während meine erste Reaktion ungefähr so ausfiel und sich jedes Mal wiederholte, wenn ich den Trailer im Kino sah, fand ein Großteil des Zombie-Fandoms diese Persiflage gar nicht lustig. Ehrlich gesagt, man hätte diesem Klientel durchaus mehr Humor zugetraut. Aber weit gefehlt, hier muss viel Wert auf eine authentische Darstellung gelegt werden: Stinkt, sabbert, wankt vor sich hingrummelnd durch die Gegend (könnte jetzt zugegebenermaßen auch ein x-beliebiger Betrunkener vor der Diskothek des Vertraues sein) Nein, ein Zombie ist unter keinen Umständen verliebenswert. Das seien ja Zustände wie bei Twilight! Und bitte, schaut euch das Artikelbild an – wollten die Macher hier etwa Twihards abfischen? Das tut selbst mir weh. Wobei Teresa Palmer immer noch eine bessere Bella … aber lassen wir das.

Während die Vampir-Fraktion also hilflos zusehen musste, wie Twilight ihre kleine Blutsaugerwelt zu Trümmern zer“hach“te- und „oh“te, wollte sich das Zombie-Fandom dies nicht bieten lassen. Es ging sogar bis zu Petitionen, dass die Zombie-Altmeister doch bitte die Regie übernehmen sollten, um zu retten, was noch zu retten war. Und am Ende … doch alles zwecklos!

Herausgekommen ist ein (übrigens auf einer Buchvorlage basierender) Film, der kurzweilige Unterhaltung bietet, den ich persönlich eher als Parodie, denn als Romanze sehe (und kann die Aufregung der Ur-Zombianer daher wahrscheinlich auch nur schwer nachvollziehen). Zwar fußt die Geschichte auf der Verliebtheit zwischen Julie und R, aber unerträgliche Anschmachterei (wie bei Twilight) braucht man nicht zu befürchten. Die witzigen Momente sind vorhanden, sie können jedoch nicht an die Genialität von „Shaun of the Dead“ heranreichen. „Warm Bodies“ ist auch darüber hinaus nicht besonders tiefgründig, sondern einfach gestrickt. Spannungsbogen qausi nicht vorhanden und Story vorhersehbar. Die Charaktere sind unkomplex, ihnen bleibt nur wenig bis kein Raum zur Entwicklung und wenn doch, dann verhalten sie sich albern. So überwiegt Julies Mitgefühl für R und seinen Wunsch kein Zombie mehr zu sein die Tatsache, dass er ihren Freund getötet (und sein Hirn gegessen!) hat. Und am Ende lässt sich Julies Vater, der einen so übertriebenen Hass auf Zombies hat, dass es für sich gesehen schon aberwitzig ist, ganz problemlos davon überzeugen, dass mit der Menschheit schon alles gut werden wird. John Malkovic ist in dieser Rolle gemessen an seinen schauspielerischen Fähigkeiten definitv unterfordert. Dafür muss man zugestehen, dass R als Charakter gut in Szene gesetzt ist. Hoult Mimik und Gestik retten den Film auf jeden Fall. Gepaart mit den Sätzen aus dem Off, die dem Geraune und Gegrummel von R einen Sinn geben, ergibt sich ein origineller Blick auf „den Zombie“ als solches. Wer hätte da nicht Mitleid mit dem Jungen, der eigentlich gar nicht so sein will, wie er ist, aber wegen seines „natürlichen Triebs“nicht anders kann. Der sich gerne artikulieren können würde, der gern wieder Mensch wäre. Und irgendwie mag ich in diesem Zusamenhang die Idee, dass Liebe oder zumindest zwischenmenschliche Beziehungen die Welt retten und Zombies wieder zu Menschen machen können.

Fazit ist also: Man hat sich das Ganze eigentlich ein bisschen lustiger vorgestellt, aber auch wenn man die 98 Minuten Laufzeit über einige Strecken des Films als zu lang empfindet, entschädigt dafür die erfrischend andere Sichtweise auf das Genre und das Schauspiel von Hauptdarsteller Nicolas Hoult. Und die Tatsache, dass ein Song von Bruce Springsteen Verwendung findet xD

Top-Momente

  • Die Einführungssequenz, in der R durch den Flughafen wandert und über das Zombiesein sinniert – mal für einen Lacher gut, mal fast tragisch. Sehr gelungen.
  • Julie wirft in Rs Flugzeug eine Platte in den Spieler – „Hungry Heart“ von Bruce Springsteen! Nicht nur, dass man immer meine volle Begeisterung hat, wenn man irgendeine Verbindung zu Bruce Springsteen herstellt – Passt textlich auch herrlich zu R („Like a river that don’t know where it’s flowing, I took a wrong turn and I just kept going. […] Everybody needs a place to rest, everybody wants to have a home,
    […] aint nobody like to be alone, everybodys got a hungry heart…“
  • R versucht einen Sportwagen zu fahren – da soll noch mal einer sagen, Männer würden besser Auto fahren als Frauen^^
  • R zeigt seinem Freund M ein Foto von Julie und M – kaum dazu in der Lage sich zu artikulieren – grunzt sinngemäß „Na dann sieh aber mal zu, dass du dieses scharfe Eisen ins Bett bekommst!“.
  • Julie und R sitzen am Ende des Films im Sonnenuntergang – Kitsch as Kitsch can be, aber irgendwie – herzerwärmend xD
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