Books, Challenges

Buchverfilmungs-Challenge # 3

Der Challenge dritter Teil. Mit von der Partie: Fantasy, fast ein wenig in Richtung Dystopie, und die Mutter aller Piratengeschichten.

Der Goldene Kompass

Vorlage: Philip Pullman – Der Goldene Kompass

Es hat tatsächlich 5 Jahre gedauert bis ich die Vorlage zum Film endlich mal gelesen habe. Schon unglaublich, aber es hat sich vorher irgendwie nicht ergeben. Als ich damals den Film im Kino gesehen habe, wusste nicht nicht so recht, was mich stört. Beim Lesen des Buches ging es mir ähnlich, zumindest dahingehend geben sich Buch und Film also die Klinke in die Hand.

Größtenteils ist die Darstellung der Charaktere im Film in Nuancen anders als im Buch. Während Lyra genauso getroffen wurde, wie sie mir schon beim Lesen begegnet ist, so erscheint Lord Faa ungewohnt rachsüchtig, wenn es um die Rettung der Kinder geht („Wenn sie [das Magsiterium] den Kindern was tun, dann gibt’s keinen sicheren Ort für sie“). Im Buch geht es ihm nicht um Rache, sondern darum die Kinder einfach wieder heil zu ihren Familien zu bringen. Mrs. Coulter, die im Roman schwarzhaarig und nicht blond wie Nicole Kidman ist, wirkt im Film nicht ganz so durchtrieben, wie im Roman, obwohl man Nicole Kidman schon reichlich unsympathisch findet, was nicht zuletzt zumindest bei mir persönlich nicht am Schauspiel, sondern an der Person selbst liegt. Auch Lord Asriel kommt im Film vergleichsweise gut weg. Man findet Daniel Craig eher sympathisch als herrisch. Dies hat sicher aber sicherlich auch damit zu tun, dass der Film zu einem früheren Zeitpunkt endet als der Roman. Lyra und ihre Gefährten machen sich auf, um Lord Asriel zu suchen, wohingegen der Roman mit dem Übertritt von Lord Asriel und Lyra in die Menschenwelt endet. Durch diesen früheren Cut bleibt Lord Asriels wahres Gesicht verborgen – und wird auch nie zum Vorschein kommen, da die Pläne zur Verfilmung der anderen beiden Romane der His-Dark- Materials-Reihe nach den ersten Einspielergebnissen schnell wieder verworfen wurden. Ist einerseits immer schade, wenn man was anfängt und nicht zum Ende führt (siehe auch die Drachenreiter-Reihe um „Eragon“), andererseits hat es manchmal vielleicht auch sein Gutes. Ich werde jedenfalls kein Tränchen darüber verdrücken.

Eine relativ große Änderung wurde im zeitlichen Ablauf der Handlung vorgenommen. Im Roman werde zuerst die Kinder gerettet und Iorek kämpft erst danach um seinen rechtmäßigen Platz als König der Eisbären (werden im Film nicht Panserbjørne, sondern tatsächlich nur Eisbären genannt). Im Film scheint sich eher nach der Rettung der Kinder als Handlungsschwerpunkt bzw. Spannungshöhepunkt auszurichten, daher hat man diese zwei Handlungsstränge vertauscht. Auch die Umstände von Ioreks Verbannung unterscheiden sich in Film und Roman. Während Iorek im Buch tatsächlich Schuld auf sich geladen hat, indem er einst aus einer Intrige gegen ihn heraus unbeabsichtigt einen anderen Bären tötete, wird er im Film von seinem Rivalen einfach verjagt und akzeptiert dies. Der Kampf der Eisbären ist im Film sehr drastisch dargestellt, ist jedoch immer noch harmloser als im Buch beschrieben. Generell erscheint mir der Film weniger gewalttätig als das Buch und auch weniger deprimierend. Im Roman findet Lyra einen unbekannten Jungen, den man von seinem Dämon abgeschnitten hat und der an den Folgen dieser „Misshandlung“ stirbt (meiner Meinung nach einer der traurigsten Momente im Roman). Im Film ist es Lyras verschwundener Freund Billy, der seinen Dämon zwar verloren hat, aber wieder glücklich mit seiner Familie vereint wird und nicht stirbt. Außerdem erhält er das Versprechen, dass man seinen Dämon suchen und zu ihm zurückbringen wird. Dass die Wiederverbindung zwischen Mensch und Dämon nicht möglich ist, sagt der Roman zwar klipp und klar, allerdings finde ich die Vorstellung schön, dass man im Film zumindest glaubt, dass es noch Hoffnung gibt. Daher gefällt mir auch das Ende des Films besser als das Ende des Buches. Beides hat zwar nichts miteinander zu tun, aber ich finde die Vorstellung, dass man zusammen mit seinen treuen Weggefährten und Freunden den Kampf gegen „das Böse“ aufnimmt, doch sympathischer als herauszufinden, dass der eigene Vater für das Erreichen seiner Ziele über Leichen geht und sich schwört ihn koste es was es wolle zur Strecke zu bringen.

FAZIT

Die Verfilmung fängt die Atmosphäre des Buches ganz gut ein, vereinzelt wurden Änderungen vorgenommen, die bei Buchadapationen üblich sind, um den Film „rund“ zu machen. Einige größere Veränderungen liegen bestimmt auch daran, dass man den Film wohl als „noch für Kinder“ geeignet verkaufen wollte. Und nicht zuletzt wegen der Kontroversität der Kirchenkritik in den Romanen hat man im Film einige Gänge zurückgeschaltet und Pullmans drastischen Positionen zu Religion und Kirche deutlich entschärft. Dennoch halte ich die Verfilmung für der Romanvorlage angemessen.


Die Schatzinsel

Vorlage: Robert Louis Stevenson – Die Schatzinsel

Jaja, die Schatzinsel. Die Mutter aller Piratengeschichten. Ihr haben wir nicht nur die Disney-Attraktion „Piraten der Karibik“ und damit auch das gleichnamige filmische Franchise zu verdanken, nein, der 1883 veröffentlichte Abenteuerroman gehört zu einem der Gassenreißer der jugendlichen Literatur. Ein zeitloser Klassiker. Kaum verwunderlich also, dass bereits dutzende (internationale) Verfilmungen zu Stevensons Geschichte produziert wurden. Am bekanntesten sind sicherlich die Adpation der Muppets aus dem Jahre 1996 und Disneys futiristische Version „Der Schatzplanet“ von 2002. Der deutsche Versuch mit Tobias Moretti, Christian Tramitz und Jürgen Vogel erlitt 2007 hingegen verdientermaßen Schiffbruch. Zu Himmelfahrt strahlte RTL dieses Jahr die weitaus gelungenere britische TV-Verfilmung mit Stars wie Donals Sutherland (Stolz und Vorurteil, Die Tribute von Panem) als Kapitän Flint und Elijah Wood (Der Herr der Ringe) als Ben Gunn aus. Auch in den Nebenrollen erwarten uns bekannte Gesichter: Keith Allen (der erinnerungswürdige Sheriff aus BBCs Robin-Hood-Serie) als Blind Pew, David Harewood (ebenfalls Robin Hood, Homeland) als Billy Bones und Toby Regbo, der in den Harry-Potter-Filmen den jungen Albus Dumbledore verkörperte, als Jim Hawkins.

Die Geschichte handelt von der Suche nach einem Piratenschatz, den der berüchtigte Kapitän Flint einst auf einer karibischen Insel versteckte. Durch eine Fügung gelangt der junge Wirtssohn Jim Hawkins in Besitz einer Karte, die das Versteck markiert. Zusammen mit dem befreundeten Arzt Livesey, dem Geldgeber der Reise Squire Trelawny und einer Crew unter dem Kommando von Kapitän Smollet macht er sich auf die Suche nach dem Schatz. Zu Beginn ahnt niemand, dass auch Piraten aus Flints alter Besatzung angeheuert haben und ihre eigenen Pläne verfolgen. Allen voran Long John Silver, der wegen Flint einst ein Bein verlor und sich um seinen Anteil am Schatz betrogen fühlt. Als man die Insel erreicht, kommt es zur Meuterei und der Kampf um den Piratenschatz beginnt…

Eine Verfilmung der „Schatzinsel“ birgt durchaus ihre Tücken. Wer den Roman gelesen hat, weiß, dass die Handlung sehr viel Anlaufzeit braucht bis man begreift, worum es eigentlich geht. Zwar gibt es zu Beginn schon einige Kämpfe und Spannungsmomente, allerdings erschließt sich dem Leser die Bedeutung erst später. Der Roman birgt zahlreiche solcher „Längen“ und so ist es für eine Verfilmung schwierig, dem Stoff gerecht zu werden und den Zuschauer dabei nicht zu langweilen. Während das britische Orginal in zwei Teilen lief, zeigte RTL „Die Schatzinsel“ am Stück – immerhin 180 reine Fimminuten gestreckt durch 1/4-stündliche Werbung. Ich bin irgendwann einfach mal duschen gegangen, hatte nachher aber nicht das Gefühl etwas Existenzielles verpasst zu haben. Da sich die Verfilmung sehr nah an der Vorlage bewegt und um Authenzität bemüht ist, kann man die Länge wohl kaum kritisieren.

Allerdings finden sich einige Entwicklungen in der Handlung, die für die Verfilmung angepasst wurden und wohl eine moderne Botschaft transportieren wollen. Es beginnt damit, dass Squire Trelawny dem Doktor und Jim den Anteil am Schatz verweigert und die beiden nur mit der Heuer abspeisen will. Gleichzeitig verliert Jims Mutter ihr Gasthaus an einen Schuldeneintreiber des Squires, obwohl ein Versprechen über den Aufschub der Schulden gegeben wurde. Long John Silver skandiert ständig, dass er das einfache Leben satt sei und das Gold wolle, damit seine Gefährtin sich nicht mehr als Prostituirte verdingen muss und er endlich auch in Saus und Braus leben könne, wie jene die sich auf Kosten anderer bereichern.  Silvers Streben nach Gold also nicht als Ausdruck von Gier, sondern als Kritik an sozialer Ungerechtigkeit? Ist auf jeden Fall ein interessanter Gedanke.

Auch die Rolle von Ben Gunn, den man einst allein auf der Schatzinsel zurückgelassen hatte, hat man wegen der Botschaft, die man in Bezug auf das Piratengold trasportieren wollte, umgeändert. Im Roman ist sein größtes Ziel, wieder nach Hause zu kommen. Die Schiffscrew ihn mit nach England zurück, wo er seinen Anteil des Schatzes in zwielichtigen Spelunken versäuft. In der Verfilmung gelangt er hingegen zu der Erkenntnis, dass er nicht in die Zivilisation zurückkehren wolle. Er habe gesehen, wozu die Menschen in ihrer Gier nach Gold fähig wären und habe auf seiner Insel seinen Frieden gefunden. Die Gesellschaft könne ihm nichts geben, was er auf der Insel nicht auch hätte. Jim ist von dieser Einstellung so sehr beeindruckt, dass er nach einer Meinungsverschiedenheit mit Trelawny den kleinen Teil des Schatzes, den man auf das Schiff schaffen konnte, ins Meer wirft. Trelawny springt hinterher und kommt bei dem Versuch, das Gold zu retten, um. Man ist geneigt zu sagen, dass es ihm recht so geschieht.

FAZIT

Mir persönlich hat die TV-Verfilmung sehr gut gefallen. Eddie Izzard verkörpert Long John Silver sensationell und man erkennt ganz deutlich, dass der Charakter eben nicht der typische Bösewicht ist, sondern ein Mann auf der Suche nach (wenn auch zweifelhafter) Gerechtigkeit. Izzard sei als Beispiel genannt, doch auch das Schauspiel der restlichen Besetzung ist nicht weniger gut. Der Versuch dem vermeintlich verstaubten Stoff einen modernen Bezug zu geben, geht nicht soweit, dass man die Vorläge verfälscht. Diese Verfimung ist tatsächlich sehr gelungen.

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