Books, Challenges

Buchverfilmungs-Challenge # 4

Der Challenge vierter Teil. Mit einem Buch-Film-Vergleich, der eigentlich gar keiner ist, und einem „alten“ Klassiker, den Baz Luhrmann ganz schön aufgehübscht hat.

Die fantastische Welt von Oz

Vorlage: Frank L. Baum – Der Zauberer von Oz

& Gregory Maguire – Wicked: Die wahre Geschichte der bösen Hexe des Westens

Was dem Deutschen die Grimm’schen Märchen sind, ist dem Amerikaner „Der Zauberer von Oz“. Kaum ein anderes Buch scheint im amerikanischen Bewusstsein derart verankert zu sein, wie die 1900 von L. Frank Baum veröffentlichte Geschichte um das Mädchen Dorothy, das nach einem Wirbelsturm im geheimnisvollen Land Oz strandet und dessen Bewohner vor der Bösen Hexe des Westens retten muss. Kaum ein amerikanischer Film, in dem es keine Anspielung auf die Geschehnisse des Romans gibt, in zahlreichen Liedern aller Stilrichtungen tauchen Motive, Figuren und Orte auf. Neben diversen Verfilmungen (allen voran „Das zauberhafte Land“ mit Judy Garland von 1939) und Musicalproduktionen (u.a. „The Wiz“ mit dem jungen Michael Jackson als Vogelscheuche und „Wicked – Die Hexen von Oz“) hat „Der Zauberer von Oz“ vor allen Dingen die Literatur beflügelt. Gregory Maguire widmet sich den Figuren gleich in einer ganzen Reihe  („The Wicked Years“). Doch kommen wir zur neusten Verfilmung aus dem Hause Hollywood bzw. Disney – und dazu was sie aus der Fülle an Vorlagen gemacht hat.

„Die fantastische Welt von Oz“ zeigt die Vorgeschichte des Romans aus der Sicht des Zauberers. Oscar Diggs aka „der große Oz“, Scharlatan und Schuft vom Dienst, landet mit einem Ballon im Land Oz und wird unfreiwillig zum Retter vor den finsteren Mächten des Landes erkoren. Er triumphiert, legt jedoch durch allerlei Fehlverhalten den Grundstein für die Konflikte im „Zauberer von Oz“.

Neben der Tatsache, dass es von den Effekten her betrachtet, einer der besten 3D-Filme seit „Avatar“ und „Tron Legacy“ ist, huldigt „Die zauberhafte Welt von Oz“ zunächst einmal der filmischen Vorlage von 1939. Der Film beginnt in Schwarz-Weiß und im „alten“ 3:4-Format und wechselt erst mit der Ankunft in Oz ins Farbige Bild und das 16:9-Format. Auch die Doppelbesetzung der Rollen wird beibehalten. So sind 1939 die Arbeiter auf der Farm in Kansas in der Welt von Oz die Darsteller von Löwe, Vogelscheuche und Blechmann. 2013 gibt es auch zahlreiche Parallelen zwischen Menschenwelt und dem Land Oz. Glinda ist die Personifikation einer unerwiderten Liebe des Protagonisten, der fliegende Affe wird von dem früheren Assistenten des Zauberers synchronisiert. Eine der schönsten Szenenen und Parallelen des Films: In der Menschenwelt bittet ein gelähmtes Mädchen Oscar darum, es wieder gehen lassen zu können. In Oz begegnet der vermeintliche Zauberer einer Porzellanpuppe mit zerbrochenen Beinen (wird von der Darstellerin des Mädchens synchronisiert) und kann der Puppe im Gegensatz zum Mädchen tatsächlich helfen. Darin findet sich auch eine Parallele zur Musicaladaption „WICKED“, in der die böse Hexe des Ostens gerade dadurch böse wird, dass sie wegen einer Krankheit an den Rollstuhl gefesselt ist.

Wie in Maguires erstem Roman der Wicked-Years-Reihe (Wicked – The Life and Times of the Wicked Witch of the West) ist die Hexe des Westes im Disney-Film nicht von Natur aus Böse, sondern wird durch äußere Umstände dazu gemacht. Hat dies in Maguires Roman drastischere und brutalere Gründe, so wartet das Haus Disney verklärt mit einer unerwiderten Liebe auf, die sich angestachelt durch Lügen in blanken Hass verwandelt. Eines der größten Geheimnisse vor dem Filmstart war ja, ob Disney nun den Charakter Evanora (Rachel Weisz) oder doch Theodora (Mila Kunis) zur bösen Hexe macht. Wer im Vorspann zum Film genau hinschaute, konnte dort schon einen kleinen Hinweis erhaschen und zumindest mir war die Auflösung auch dem Filmverlauf nach ziemlich schnell klar. Der Fairness halber will ich an dieser Stelle jedoch nicht weiter darüber schreiben 😉 Hinweise sammeln (zum Beispiel die Unverträglichkeit von Wasser) und selbst knobeln.

Eine weitere interssante Sache ist die Hautfarbe der bösen Hexe des Westens. In Maguires Romanen spielt die Tatsache, dass die Hexe grüne Haut hat, eine zentrale Rolle. Auch der Disney-Film greift diesen Umstand wie selbstverständlich auf.  Tatsächlich mit keinem Wort im „Zauberer von Oz“ erwähnt, ist die grüne Hautfarbe eine Erfindung der Verfilmung von 1939, die sich jedoch so eingeprägt hat, dass man sich die böse Hexe des Westens stets grün vorstellt. Dies hat sicherlich nicht zuletzt damit zu tun, dass die Farbe Grün im „Zauberer von Oz“ eine wichtige Rolle spielt. So wird die Smaragdstadt von ihren Bewohner als grün wahrgenommen, da der Zauberer sie im Baums Roman zwingt, grüne Brillen zu tragen. Disneys-Film macht die Smaragdstadt zu einer echten Stadt aus grünen Edelsteinen und widerspricht damit der Vorlage. Dies kann man aber gut und gerne verzeihen, weils auf der Kinoleinwand einfach atemberaubend schön aussah. Auch die Sache mit dem feigen Löwen nimmt man nicht ganz so ernst. Im Disney-Film wird Oscar von einem brüllenden Löwen angegriffen, kann ihn aber durch einen Trick einschüchtern und vertreiben. Ob dieser Löwe tatsächlich eine Verbindung mit dem feigen Löwen hat oder gar selbst jener Löwe ist, der Dorothy später auf ihrer Reise begleitet, ob er vielleicht gar durch Oscars Zaubertrick erst zur Feigheit getrieben wurde – dies wird der Fantasie des Zuschauers überlassen. Trotzdem eine schöne Hommage an die Vorlage, ebenso wie der Umstand, dass es geflügelte Affen gibt, die aber keineswegs durchweg böse sind und auch nicht alle den beiden bösen Hexen dienen.

FAZIT

Man kann nicht wirklich von einer Verfilmung der Romanvorlagen oder einer Neuverfilmung von bereits bestehenden Filmen oder Musicals sprechen. Der Film greift vielmehr zahlreiche Motive aus den unterschiedlichsten Quellen auf und kombiniert sie zu etwas Neuem und sehr Spannendem. Die Geschichte aus der Perspektive des Zauberers zu sehen, ist eine interessante Erfahrung. Dies wird bestimmt nicht das Letzte sein, was wir aus der Welt von Oz gehört haben, denn so lange die Popularität der Geschichte um den „Zauberer von Oz“ anhält, wird sie immer wieder die Fantasie beflügeln. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, noch mehr aus der Welt von Oz zu hören.


Der große Gatsby

Vorlage: F. Scott Fitzgerald – Der große Gatsby

Baz Luhrmann ist dafür bekannt, dass es bei ihm immer gerne ein bisschen mehr sein darf. Von allem. Dies hat er  mit einer videoclipartigen Frischzellenkur für Shakespeares „Romeo+Julia“ und der Kaleidoskop-Liebes-Schmonzette „Moulin Rouge!“ bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nun muss also der „große Roman des 20. Jahrhunderts“ – Fitzgeralds Gatsby – dran glauben. Und dies klingt jetzt abwertender als es eigentlich gemeint ist, denn es gelingt Luhrmann tatsächlich aus der für mich verwirrenden, holpernden Handlung der Vorlage (ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es daran liegt, dass meine Ebook-Version schlichtweg unvollständig ist) einen mitreißenden Film zu machen. Der Trailer hat es ja bereits versprochen (im Übrigen einer der besten Trailer, die ich je gesehen habe): Musik wird eine zentrale Rolle spielen. Zu den Klängen der Szenegrößen Jay-Z, Beyoncé und Florence and the Machine wirbeln sich die Darsteller von einer überladenen Szene zur nächsten. Bunt und grell, dekadent und verschwenderisch. Die Machart des Films spiegelt gekonnt die Themen der Buchvorlage wider und vermittelt dem Zuschauer damit besser, worum es eigentlich geht, als es jeder Dialog, jede schauspielerische Leistung könnte. Daher kann man die Unterschiede zur Buchvorlage gut verschmerzen, denn je weiter der Film voranschreitete, desto mehr entfernt er sich vom Buch. Im Film bleibt Gatsby am Ende wenigstens die vermeintliche Gewissheit, dass Daisy sich für ihn entscheiden hat.

Ja und sogar Leonardo DiCaprio konnte mich überzeugen. Zweifelsohne ist er ein guter Schauspieler, aber er sieht einfach in jedem seiner Filme gleich aus. Unheimlich uninteressant. Da sehnt man sich ja fast nach dem Jungspund Jack aus Tianic zurück. Zumindest als Jay Gatsby pendelt er gekonnt zwischen reserviert unnahbarem Gönner der Schönen und Reichen New Yorks und dem veunsicherten Mann, der sich nach einer vergangen Liebe sehnt. Eine bravouröse Gratwanderung. Jetzt gebt ihm doch endlich einen Oscar, Mensch!

FAZIT

Da ich mich mit dem Buch noch einmal näher auseinandersetzen muss, kann ich eigentlich fast keine gute Einschätzung darüber geben, ob die Verfilmung der Vorlage angemessen ist. Fakt ist beim ersten Lesen konnte ich mit Fitzgeralds Roman wenig anfangen, aber ich werde mir jetzt eine andere Version des Textes besorgen. Der Film gehört für mich schon jetzt zu einem der besten des Jahres. Klare Empfehlung: Anschauen! Es lohnt auch ohne die 3D-Effekte 😉

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