Books, Challenge

Kristin Cashore – Die Beschenkte

Lady Katsa wird überall gefürchtet, denn sie hat die Gabe des Tötens. Doch sie ist es leid, ständig als Racheengel eingesetzt zu werden – und als sie dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, schöpft sie Hoffnung, mit ihrer Gabe auch Gutes bewirken zu können. Der Prinz fasziniert Lady Katsa. Außerdem scheint er genau wie sie ein Beschenkter zu sein. Schon bald verbünden sich die beiden, um gemeinsam in den Kampf zu ziehen und nicht nur das …

   Titel: Die Beschenkte
   Autor: Kristin Cashore
   Format/Seiten: Taschenbuch, 496 Seiten
   Herausgeber: Carlsen
   Erschienen: Februar 2011
   ISBN: 978-3-551-31009-5
   Preis: € 9,90 [DE] 10,30 € [A] 14,90 sFr [CH]

   Teil einer Reihe?   Die sieben Königreiche

Rezension

In der 3. Person geschrieben erlebt man als Leser die Handlung des Romans aus der Sicht der Protagonistin Katsa. In einem Land, das aus sieben Königreichen besteht, die sich immer wieder in Konflikten miteinander wiederfinden, entwickeln manche Kinder und junge Erwachsene gewisse Fähigkeiten, die sie zu etwas Besonderem machen. Sie sind die Beschenkten und man erkennt sie daran, dass ihre Augen unerschiedliche Farben annehmen, wenn ihre Fähigkeiten zu Tage treten. Katsa besitzt außergewöhnliches Kampfgeschick und wird von ihrem Onkel König Randa dazu missbraucht, die Gefolgschaft der Untertanen durch Angst und Schrecken zu sichern. Insgeheim setzt sie sich jedoch für das Gute ein und sagt sich schließlich von ihrem Onkel los, um ein Geheimnis zu ergründen, das alle Königreiche bedrohen könnte.

Der Romans entführt in ein interessantes Setting, das durch die Beschenkten etwas Magisches bekommt, darüber hinaus aber nicht allzu fantasy-lastig wirkt. Ein wenig erinnern jene Beschenkte an das Konzept der Mutanten aus den X-Men-Comics und den jeweiligen Filmen. Auch die Aufteilung der Welt in sieben Königreiche muss sich erst einmal dem Vergleich mit Martins „Lied von Eis und Feuer“ stellen. Für diese zwei Parallelen muss man Cashore jedoch keinen Vorwurf machen.

Die Protagonistin erscheint eigentlich recht sympathisch, nicht zuletzt wegen ihrer Entscheidung, kein Werkzeug mehr sein zu wollen, sondern ihre Fähigkeiten für die Dinge einzusetzen, die sie selbst für richtig hält. Emanzipation zeichnet weibliche Charaktere des Fantasy-Genres bis zu einem gewissen Grad ja gerade aus. Kritikpunkt für mich ist jedoch die Tatsache, dass Katsa ein Über-Charakter ist. Sie ist unbesiegbar, nichts kann ihr Angst machen, sie überlebt einfach alles, ohne den geringsten Kratzer, trotz Schneestürmen, wird nicht einmal seekrank, obwohl sie noch nie zuvor auf dem Meer gewesen ist. Zwar sieht auch sie sich im Verlauf der Handlung einen Gegner gegenüber, dessen Einfluss sie sich nicht entziehen kann. Die ein oder andere Schwäche hätte Katsas Charakter an mancher Stelle jedoch glaubwürdiger gemacht. Im Schreibrollenspiele-Genre hätte man jemandem wie ihr „Mary Sue“ auf die Stirn gestempelt und den Charakter aus dem Forum verbannt.

Auch den anderen Charakteren kann man zwar etwas abgewinnen, aber auch sie wirken manchmal unausgereift. So ist Katsas heimlicher Verehrer Giddon (und ja ich hab in Erinnerung an die Edelstein-Trilogie immer Gideon gelesen…) ein Mann, der im Schatten einer solchen Kampfbraut einfach verblassen muss und sich nicht traut, ihr seine Liebe zu gestehen (fast hört man im Hintergrund Xavier Naidoo „Sie sieht mich einfach nicht“ vor sich hin wimmern). König Randas Sohn hat plötzlich blaue Haare, da er versuchte, eine Antikopfschmerzmittelchen in die Kopfhaut einzureiben. Vater Randa ist nicht gerade begeistert, unterimmt allerdings nichts, was man von einem König erwartet, der seinen Untertanen wegen Ungehorsams Gliedmaßen abschneiden lässt. Und Prinzessin Bitterblue, gerade einmal unschuldige 10 Jahre alt, wandelt sich vom verängstigten Mauerblümchen zu jemandem, der plötzlich den eigenen Vater töten will. Anybody getting my point?

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Namensgebung von Personen und Orten. Personen im Roman tragen sowohl fiktive Fantasie-Namen (z.B Katsa, Randa, Oll) als auch englische Namen (z.B. Bitterblue, Greening Grandemalion). Hier hätte ein wenig mehr Konsequenz gut getan – entweder das eine oder das andere. Im englischen Orginaltext sind die Hauptstädte der Königreiche beispielsweise mit dem Herrschernamen und dem Zusatz City benannt. Hafenstädte tragen Namen wie Sunport, Suncliff, Southbay. Im Deutschen wurde auf eine Übersetzung verzichtet. In Anbetracht dessen, was man den Fans mit der deutschen Übersetzung der „Eis und Feuer“-Romane für Alpträume beschert hat, scheint dies auch eine gute Idee gewesen zu sein. Allerdings stockts mir persönlich beim Lesen eines deutschen Textes immer wieder, wenn englische Wörter auftauchen. Als Lösungsansatz für dieses Problem bleibt da wohl nur, das englische Original zu lesen. Und nicht zuletzt sind dort die Namen, die im englischen vielleicht super klingen, im deutschen aber eine unfreiwillige Nebenbedeutung haben. So hat man Prince Po im Deutschen glücklicherweise zu Prinz Bo gemacht. König Leck und Gehilfe Bann mussten jedoch bleiben, wie sie sind.

Fazit

Durch das Setting ist viel Potenzial vorhanden, allerdings ist „Die Beschenkte“ etwas unglaubwürdig und unkonsequent, was die Charaktergestaltung betrifft. Wenn es sich ergibt, kann man den anderen Romanen der Reihe – „Die Flammende“ (zeitlich vor „Die Beschenkte“ angesiedelt) und „Die Königliche“ (Protagonistin ist Bitterblue im Jugendalter) – dennoch guten Gewissens eine Chance geben.

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