Books, Challenges

Jonathan Stroud – Valley: Tal der Wächter

Drei verfeindete Häuser, zwei fast furchtlose Helden, ein von Gott vergessenes Tal – und ein unfassbares Geheimnis …
Der junge wagemutige Hal und seine ungestüme Freundin Aud leben in einem weiten, friedlichen Tal. Doch der freundliche Schein trügt. Das Tal steht nämlich unter einem besonderen Bann: Alle Wege, die aus ihm herausführen, werden bewacht von mächtigen Fabelwesen, die jedem gefährlich werden, der sich ihnen nähert. Deshalb ist es aufs Strengste verboten, einen Weg in die Welt außerhalb zu suchen. Gepackt von Abenteuerlust wagen Hal und Aud sich dennoch an die Grenzen ihres Tals …

   Titel: Valley: Tal der Wächter
   Autor: Jonathan Stroud
   Format/Seiten: Taschenbuch, 496 Seiten
   Herausgeber: cbj
   Erschienen: 8. Februar 2011
   ISBN: 978-3-570-40041-8
   Preis: € 8,99 [D] | € 9,30 [A] | CHF 13,50

   Teil einer Reihe?   Nein

Rezension

Jonathan Stroud dürfte vielen durch die „Bartimäus“-Reihe als Autor bekannt sein. Ich hatte bisher leider noch keinen seiner Romane gelesen, da traf es sich gut die gebundene Ausgabe als Mängelexemplar günstig zu erstehen, zumal ich auch schon einige Leseproben zu „Valley“ in den Fingern hatte. Die Aufmachung des Buchs gefällt mir. Nicht nur das Cover mit dem edel wirkenden Goldrand, auch das wiederkehrende Pferde(Drachen?)symbol und die Karte des Tals sind schick anzusehen.

Inhaltlich konnte man mir weniger Begeisterungsstürme entlocken. Von der ersten Seite an war mir der Protagonist unsympathisch. Für mich ist der junge Hal vielleicht wagemutig, aber auf keinen Fall ein Held. Er kommt als eine Wikinger-Ausgabe von Michel aus Lönneberga daher. Jemand, der mal ordentlich übers Knie gelegt gehört oder zumindest von der Supernanny gründlich durchtherapiert werden sollte. Er hat nichts als Flausen im Kopf, ist dabei aber nicht liebenswert-spitzbübisch, sondern eine unerträgliche, verzogene Nervensäge, die seinen Mitmenschen aus purer Langeweile das Leben schwer macht, keine Manieren kennt und an keine Ideale glaubt. Hat man zu Beginn vielleicht noch einen Funken Verständnis dafür, dass er der Gefangenschaft des Tals entkommen will, so verliert man auch diese Sympathie spätestens dann wenn man sich über die Motive des Jungen im Klaren wird. Er will lediglich beeindrucken, rebellieren um des Herumstänkern willens, er will Aufmerksamkeit und koste es was es wolle im Mittelpunkt stehen. Es geht ihm nicht darum tatsächliche Freiheit zu erlangen.

Nun mag man sich vielleicht fragen, inwiefern dies wichtig für den Roman ist. Wenn es doch um die Abenteuer geht, die Hal und Aud auf ihrer Reise an den Grenzen des Tals erleben. Und dies ist genau der springende Punkt. Darum geht es lediglich im letzten Viertel des Buches. Zuvor reist Hal im Tal herum, stiftet allerorten Unruhe und bricht einen tödlichen Konflikt mit einem der verfeindeten Clans vom Zaun, der alle in seiner Familie in Gefahr bringt. Alles in der Absicht ein Held zu werden, so wie es sein Vorfahre war. Die Heldentaten jenes Ahnen mit Namen Sven, werden zu Beginn jedes Kapitals auch kurz geschildert. Und wenn man sich diese „Heldentaten“ betrachtet, ist es auch kein Wunder, dass Hal sich so verhält wie er es tut. Da wird gemordet, gestohlen, beleidigt und so viel herumgeprahlt, dass das Ego eigentlich platzen müsste. Neben all diesem Testosteron-Überschuss muss die weibliche Note durch Auds Charakter den adäquaten Ausgleich schaffen. Doch auch Aud ist eher auf Krawall gebürstet, denn das liebe Mädchen von nebenan. Zumindest hat sie eine gewisse weibliche Cleverness, die Hal manchmal ganz schön dumm dastehen lässt. Sie ist der einzige Charakter dem man halbwegs etwas abgewinnen kann.

Das Enttäuschende für mich war, dass man einen falschen Eindruck vom Inhalt vermittelt bekommt. Man erwartet, dass die beiden Kindern sich auf den Weg aus dem Tal machen und dort Abenteuer erleben und vielleicht den Grund dafür finden, warum niemand das Tal verlässt. Stattdessen konzentriert sich der Roman zu drei Vierteln auf Hal und auf Handlungsstränge im Tal selbst. Aud, die im Klappentext als gleichberechtigter Charakter erscheint, hat vergleichsweise wenig Anteil an der Handlung. Die Reise zu den Grenzen des Tals ist kaum mehr als ein Ausflug, bei dem die Kindern tatsächlich auf eine tödliche Bedrohung treffen. Diese wartet jedoch nicht in Gestalt von trollähnlichen unter der Erde lebenden Monstern mit scharfen Krallen und Zähnen, sondern in einer anderen für mich persönlich völlig abstrusen Form auf, auf die ich aber nicht weiter eingehen werde. Vielleicht möchte jemand von euch den Roman ja trotzdem noch lesen.

Die grundsätzliche Idee der Story und das Setting sind vielversprechend. Auch die parallele Darstellung der eigentlichen Handlung um Hal und die Anekdoten zu Svens Heldentaten finde ich erzählerisch sehr interessant. Allerdings erwartet man als Leser inhaltlich etwas anderes und es fällt schwer einen Roman zu mögen, bei dem man sich mit (fast) keinem einzigen der Charakter anfreunden oder zumindest identifizieren kann.

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