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Gregory Maguire – WICKED

Fall under the WICKED spell

When Dorothy triumphed over the Wicked Witch of the West in the classic novel The Wonderful Wizard of Oz, we heard only one side of the Story. But what of her arch-nemesis, the mysterious witch?

Long before Dortothy drops in, a girl is born in Oz with emerald-green skin. Elphaba, who will grow up to become the infamous witch, is a smart, prickly and misunderstood creature who challenges all our preconceived ideas about the nature of good and evil.

Taking readers past the yellow brick road and into a phantasmagoric world, Gregory Maguire’s novel is a rich and triumphant feat of imagination and allegory, which is an acclaimed bestseller and the inspiration for a hit musical, and has sold over two million copies.

   Titel: WICKED – The Life and Times of the Wicked Witch of the West
   Autor: Gregory Maguire
   Format/Seiten: Taschenbuch, 495 Seiten
   Herausgeber: Harper Collins
   Erschienen: 11. September 2006
   ISBN: 978-0755331604
   Preis: 10,20 (keine Preisbindung)

   Teil einer Reihe?   The Wicked Years

Rezension

Nachdem ich bei Hannahs Buchverfilmungschallenge schon ein wenig zwischen Baums Original, Maguires Neuinterpretation und Hollywoods neusten Beitrag zur Oz-manie verglichen habe, nun die ausführliche Rezension zur Vorgeschichte aus Sicht der bösen Hexe des Westens. Es wäre falsch abzustreiten, dass meine Begeisterung für das Musical maßgeblich für die Kaufentscheidung von Maguires Roman war. WICKED war, ist und wird immer eines meiner Lieblingsmusicals sein. Gerade aus diesem Grund ist es mir wichtig, an dieser Stelle deutlich zu machen, dass der Roman ziemlich wenig mit dem Musical gemeinsam hat. Die Protagonisten sind größtenteils identisch, deren Beziehungen zueinander und die Bedeutung, die sie einnehmen, unterscheiden sich jedoch teilweise gravierend. Viele Musical-Fans waren mehr als enttäuscht von dem Roman, daher sei gesagt: Wer den feschen Fiyero mag, dem alle Frauenherzen zufliegen – im Roman ist er eher ein Außenseiter, wird sogar in bester Highschoolmanier verprügelt und ist bestimmt nicht das Objekt irgendeiner weiblichen Begierde. Wer von der wunderbaren Freundschaft zwischen Elphaba und Glinda gerührt ist – sie existiert im Buch so gut wie nicht. Während es im Musical vor dem unvermeidlichen Tod der grünen Hexe einen herzzerreißenden Abschied zwischen den beiden gibt, endet die Freundschaft, die eigentlich kaum mehr als eine Schulbekanntschaft ist, im Roman mit einem Streit aus dem der Autor den Leser mit einem schlichten „…und sie sahen sich nie wieder“ verabschiedet. Deprimierend. Grob kann man daher also sagen, alles was man an dem Musical liebt – wizige Dialoge, wahre Freundschaft, ein hoffnungsvolles Ende, dass einen (gottverdammt) zu Tränen rührt und die Erkenntnis, dass Elphaba nur ein Opfer der äußeren Umstände ist – wird man im Roman vergeblich suchen. Dort hat man stattdessen Charaktere, die dem Leser zwar schon so etwas wie Sympathie entlocken, denen der Autor aber einfach keinen glücklichen Moment gönnt. JEder einzelne ist vom Schicksal gebeutelt, dort wird betrogen, daktatorisch unterdrückt, gestorben und gelitten. Gute Laune bekommt man da wirklich nicht.

Ebenso wenig bei Maguires gewöhnungsbedürftigem Schreibstil. Ich möchte von mir behaupten, dass ich mit der englischen Sprache gut zurecht komme, da ich viele englische Romane lese und die meisten Filme und Serien im Original schaue. Aber dieser Roman hat mir wirklich zugesetzt. Ich habe ihn nun zum zweiten Mal gelesen und etliche Sätze oder ganze Passagen mehrere Male wiederholt und weiß teilweise noch immer nicht, was der Autor mir eigentlich sagen will. Da gibt es Wortneuschöpfungen, dort wird einfach mal ein Buchstabe weggelassen. Ähnlich Anstrengendes ist mir bisher nur mit „A Clockwork Orange“ untergekommen. Ob diese Dinge auch bei Maguire ein bewusstes Stilelement sind – who knows. Doch nicht nur von der sprachlichen Seite betrachtet, fällt es manchmal schwer dem Romantext zu folgen. Auch inhaltlich gibt es den ein oder anderen Widerspruch oder Dinge, die sich erst am Ende voll und ganz erschließen, ohne eigentlich von großer Bedeutung zu sein. So verstehe ich auch nach mehrmaligem Nachlesen noch immer nicht, wie der Zauberer Elphabas Vater sein kann, wenn er erst nach ihrer Geburt mit dem Ballon nach Oz gelangt. Zwar bemüht sich Maguire im Abschluss der Reihe („Out of Oz“) mit einem Zeitstrahl für Klarheit zu sorgen, aber für mich steht das Ganze auf sehr wackligen Füßen. Ich rede mir ein, dass die Antwort in irgendeiner Passage verborgen liegt, die ich einfach sprachlich nicht verstanden habe.

Doch nun die Antwort auf die Frage, warum ich dem Buch trotzdem eine so gute Bewertung gebe. Man muss Maguire Tribut für das zollen, was er geschaffen hat. „Der Zauberer von Oz“ ist wie keine andere Geschichte im amerikanischen Bewusstsein verankert. Es gehört Mut dazu, sich ein solches Werk zu eigen zu machen. Und an Vorstellungskraft mangelt es Maguire beileibe nicht. Oz ist kein zweites Wunderland. Oz ist ein Ort, an dem es hinter der Fassade an allen Ecken und Enden politisch und gesellschaftlich gährt. Maguire macht aus dem Zauberer einen skrupellosen Despoten, der Minderheiten unterdrückt und gesamte ethnische Gruppen wegen Bodenschätzen aus ihrem Land vertreibt oder gar ermorden lässt. Der religiöse Fanatismus des Vater und das lasterhafte Treiben der Mutter stellen die Weichen für alles, was ihren Kindern Elphaba und Nessarose später widerfährt.  So sieht es fast so aus, als hätten die Schwestern gar keine andere Wahl gehabt, als zu den bösen Hexen des Westens und Ostens zu werden. Und dies ist das zentralen Thema des Romans: Was ist die Natur des Bösen und woher kommt es? Was wird uns als böse verkauft, obwohl es im Kern vielleicht sogar gut ist? Dies mag sehr philosophisch erscheinen, aber in Anbetracht dieser Fragestellung ist der Roman einfach brilliant. Wenn Baums „Der Zauberer von Oz“ Ausdruck des amerikanischen Bewusstseins ist, so richtet Maguire mit seinem komplexen Bild des Landes Oz und Elphaba als Ausgeburt der „wickedness“ ihrer Umgebung die Kritik an die amerikanische Gesellschaft selbst. Und wenn man sich dies einmal vor Augen geführt hat, begreift man auch, was der Roman tatsächlich aussagen soll.

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1 thought on “Gregory Maguire – WICKED”

  1. Eine sehr treffende und alles wunderbar zusammenfassende Besprechung hast du geschrieben! Gerade, was die elementaren Fragen des Buches angeht, hast du alles auf den Punkt gebracht. Ich bin ein wenig neidisch, wie dir das gelungen ist! Maguires Buch ist so vielschichtig und es passiert so unglaublich viel, dass ich wohl nie in der Lage wäre, alles relevante so kurz und prägnant zusammenzufassen!

    Dass Maguires „Wicked“ im Gegensatz zum Musical keine Feel-Good-Story ist, hat mich übrigens gar nicht gestört. Ich fand das sogar ganz erfrischend, mal eine Geschichte zu lesen, in der die Charaktere kein Ende voller Harmonie und Glückseligkeit erwartet. Allerdings fiel es mir beim Buch schwerer, Sympathie für Elphaba zu entwickeln als im Musical. Letztlich liebe ich dennoch beides – Musical und Buch, mitsamt all ihrer Stärken und (wenigen) Schwächen.

    Wie du musste ich „Wicked“ auch zweimal lesen, um alles mitzubekommen und zu verstehen. Wobei zu sagen ist, dass ich beim ersten Lesen noch nicht so viel Erfahrung im Lesen auf Englisch hatte. Und wenn ich an die Komplexität des Buches denke, möchte ich auch nicht abstreiten, dass es womöglich jetzt noch Feinheiten gibt, die mir entgangen sind. Ein drittes Mal werde ich das Buch aber nicht lesen (zumindest vorerst nicht 😉 ). Das mache ich eventuell, wenn ich eine neue – weniger zerlesene – Ausgabe im Regal habe (ich bin ja ganz hin und weg von der Barnes&Noble-Edition: http://www.barnesandnoble.com/w/barnes-noble-leatherbound-classics-wicked-son-of-a-witch-gregory-maguire/1106658807?ean=9781435110304 )

    Gefällt mir

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