Cinema, Der Hobbit

Oscars ’14: Die Nominierungen

Jaja, für das Filmgeschäft bedeuten Jahresende und Frühjahr immer wiederkehrend eines – Stress. Für die Schauspieler Küsschen hier, roter Teppich da, immer nett lächeln für die Stimmberechtigten der filmischen Vereinigungen, die dem Cineasten am Ende weismachen wollen, was ihrer Meinung nach eine künstlerisch besonders wertvolle Leistung war und wofür er doch bitte sein Geld auszugeben hat. Nicht zu vergessen die Interessenvertreter der Produktionsfirmen, die bei Gala-Veranstaltungen kräftig die Werbetrommel rühren und nicht müde werden Wasser auf die Mühlen ihrer Protégés zu geben. Schließlich muss man es ja auch erst einmal schaffen, überhaupt auf die Nominiertenliste zu gelangen. Und während der geneigte Filmfan noch damit beschäftigt ist, sein Filmdefizit aus dem Vorjahr aufzuarbeiten und eigentlich noch gar nicht bereit ist für die Flut an Filmen, die da auf ihn zurollt, fällt’s ihm spätestens nach Verleihung der Golden Globes wie Schuppen von den Augen: Ja, es ist wieder Award Season.

Vom 27. Dezember bis zum 8. Januar konnten die Stimmberechtigten der AMPAS (Academy of Motion Picture Arts and Sciences) sich in ihren jeweiligen Bereichen für die Filme entscheiden, die sie ins eigentliche Rennen um den Oscar schicken wollten. Was dabei herausgekommen ist, findet ihr hier. Bis zum 25. Februar wird unter den Nominierten erneut abgestimmt und am 2. März findet die feierliche Verleihung statt – wegen der Olympischen Winterspiele dieses Jahr eine Woche später als sonst und außerdem besonders zuschauerfreundlich für den deutschen Cineasten, sofern er denn kein Karnevalsjeck ist.

Erste gute Nachricht: keine Oscar-Nominerung für irgendeine schauspielerischer Leistung aus „Prisoners“, lediglich eine Nominierung für „Cinematographie“. Was genau an Kameraeinstellungen und sonstigen filmischen Kniffen daran jetzt oscarreif gewesen sein soll, erschließt sich mir zwar auch nicht, aber immerhin begrenzt sich das Übel damit.

Zweite gute Nachricht: „Let it go“ aus der „Eiskönigin“ als „bester Filmsong“. Yes yes yes! Ich hoffe, sie lassen es von Idina Menzel und nicht von Demi Lovato singen, falls es zum Auftritt bei der Verleihung kommt. Oder vielleicht singen sie es auch im Duett, das wäre doch mal was 🙂

Größte Überraschung: die hohe Anzahl an Nominierungen für „American Hustle“ und „Gravity“ (beide 10), die den bisherigen Favoriten „12 Years a Slave“ (9) und „The Wolf of Wall Street“ (5) kurzerhand den Rang abgelaufen haben. Mal ehrlich, „Gravity“ mag ja ein guter Film sein, aber in Summe (Schauspielerei, Story, Effekte) das beste, was man innerhalb einen Kinojahres zu sehen bekommen soll? Nur weil man mal eine unkonventionelle Idee hatte? Die im Übrigen gar nicht so unkonventionell zu sein scheint, denn in „All ist lost“ treibt  Robert Redford schließlich auch allein herum – nicht im Weltraum, sondern auf dem Meer. Trotzdem gleicher Schuh. Ich sehe uns auf ein riesiges cineastisches schwarzes Loch zudriften…

Doch man darf noch weiter überrascht sein: Skandalös ist es für mich, dass „Mandela“ nur eine einzige Nominierung erhalten hat – in der „nett ist der kleine Bruder von…“-Kategorie „bester Filmsong“. Ich hab ihn natürlich noch nicht gesehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er in keinen anderen Kategorie überzeugen konnte. Für mich ein klarer Fall von Konkurrenz-Vermeidung zu „12 Years a slave“.
Während man auf „Nebraska“ (6) seit Cannes durchaus hätte erwarten können, kam „Dallas Buyers Club“ (6) für mich aus dem Nichts. Ich dachte bis zu den Golden Globes schon Stripper wäre das einzige, was Matthew McConaughey noch aufm Kasten hat, und hatte ihn bereits abgeschrieben. Nicht dass ich traurig gewesen wäre, ich mag ihn eh nicht besonders. Aber ihm sei der Oscar durchaus gegönnt, wenn’s denn so sein soll. Tja und dann ist da noch Jared Leto. Bester Nebendarsteller…im ERNST?! Begreift denn keiner: Der Kerl schauspielert nicht, der ist von Natur aus so. Dafür braucht man seinem ohnehin schon übersteigerten Ego nicht auch noch den Oscar geben…xD

Und zu guter Letzt eine (in Anbetracht der amerikanischen Prüderie vielleicht doch nicht ganz so handfeste) Überraschung: „Blau ist eine warme Farbe“, erhielt immerhin Hauptpreis bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes ’13,  hat es nicht unter die Nominierten für „bester ausländischer Film“ geschafft. Oder ob es weniger an der nackten Haut lag? Verweigerung der Zahlungen an die Crew, zwei Hauptdarstellerinnen, die sich bei der Premiere des Films beschämt von der Leinwand abwandten, und ein Regisseur mit fragwürdigen Ansichten waren der Sache sicherlich nicht zuträglich. Am Ende ist der Film vielleicht ja auch einfach nur schlecht.

Kommen wir zur diesjährigen deutschen Ausbeute – und die fällt extrem mager aus: Hans Zimmer hat für „Mandela“ nicht einmal eine Nominierung für die „beste Filmmusik“ ergattern können – unfair, selbst wenn Herr Zimmer in letzter Zeit beim Schreiben seiner Musik ein wenig einfallslos wirkte. Für Daniel Brühl hat es als „bester Nebendarsteller“ in „Rush“ nicht gereicht. Ob man ihm die Beteiligung am Assange-Film „Die Fünfte Macht“ übel nahm? Schließlich steht Amerika seit Snowden nicht auf Menschen, die für freien Informationszugang sind. Auch beim „besten ausländischen Film“ ist keine deutsche Produktion dabei, aber ganz begraben muss man die deutschen Oscar-Hoffnungen dennoch nicht. Der Münchner Regisseur Jan Lachauer, der 2011 bereits mit dem „Grüffelo“ ins Rennen ging, ist mit „Für Hund und Katz ist auch noch Platz“ in diesem Jahr erneut in der Kategorie „bester animierter Kurzfilm“ nominiert.

Zum Schluss noch die „Hobbit“-Bilanz – sie fällt erwartungsgemäß dürftig aus. Mit drei Nominierungen („Sound Editing“, „Sound Mixing“, „Visual Effects“) bleibt es relativ überschaubar und die Chance, einen Preis zu gewinnen sind relativ gering. Nicht nur weil man sich mit den in Oscar-Angelegenheiten sehr ambitionierten Weinstein-Brüdern aufgrund alter Verträge derzeit um die Erlöse aus den „Hobbit“-Filme streitet. Nachdem der WOW-Effekt der HFR-Technologie bereits im letzten Jahr ausgeblieben ist und HFR bisher keinen filmischen Nachahmer gefunden hat, dürfte „Der Hobbit“ vielleicht von der Verwendung der (relativ neuen) Ton-Technologie „Dolby Atmos“ profitieren. HFR wird wahrscheinlich erst wieder ein Thema werden, wenn James Cameron die Arbeit an den „Avatar“-Filmen 2 bis 4 aufnimmt, gilt der Regisseur doch als großer Befürworter der Technologie.


Mein Blick in die Glaskugel

Das mit den Prognosen ist ja immer so eine Sache, aber der sportliche Ehrgeiz ist beflügelt. Mal sehen wie meine tatsächliche Bilanz am 2. März so ausfällt 🙂

Best Picture
American Hustle
Captain Phillips
Dallas Buyers Club
Gravity
Her
Nebraska
Philomena
12 Years a Slave
The Wolf of Wall Street

Ich glaube, dass es „Gravity“ wird bei der unverhohlenen Begeisterung, die man ja scheinbar für diesen Film hat. Ich glaube es würde sich bei mir zwischen den amerikanischen Geschäften, den Sklavenjahren oder dem Wölfchen entscheiden und letztlich für „American Hustle“ reichen.

Best Director
David O. Russell, American Hustle
Alfonso Cuarón, Gravity
Alexander Payne, Nebraska
Steve McQueen, 12 Years a Slave
Martin Scorsese, The Wolf of Wall Street

Ich hab keine Vermutung wer favorisiert ist, daher nach der „Dem würd ichs gönnen“-Methode. Ich mag Alfonso Cuarón, weil er den besten Potter-Film der Reihe gedreht hat und „Gravity“ war sicher super, aber ich bin ja immer für Geschichtsträchtiges zu haben, daher geht mein Zuschlag an Steve McQueen als erster schwarzer Regisseur mit Oscarauszeichnung.

Best Actress
Amy Adams, American Hustle
Cate Blanchett, Blue Jasmine
Sandra Bullock, Gravity
Judi Dench, Philomena
Meryl Streep, August: Osage County

Bitte nicht schon wieder die Streep, Sandra Bullock schauspielert für mich gar nicht mal so gut. Amy Adams oder Cate Blanchett, ich tendiere zu letzterer.

Best Actor
Christian Bale, American Hustle
Bruce Dern, Nebraska
Leonardo DiCaprio, The Wolf of Wall Street
Chiwetel Ejiofor, 12 Years a Slave
Matthew McConaughey, Dallas Buyers Club

Ich glaub, dass sein Spiel den Film trägt und deshalb honoriert werden sollte. Außerdem will ich Jennifer Lawrence unbedingt diesen Namen aussprechen hören xD

Best Supporting Actor
Barkhad Abdi, Captain Phillips
Bradley Cooper, American Hustle
Michael Fassbender, 12 Years a Slave
Jonah Hill, The Wolf of Wall Street
Jared Leto, Dallas Buyers Club

Jonah Hill würde ich sehr lustig finden, da er ein unkonventioneller Typ ist. Ich lehne mich aus dem Fenster und tippe auf den Fassy. Ich will nicht, dass sie dem Leto nen Oscar geben.

Best Supporting Actress
Sally Hawkins, Blue Jasmine
Jennifer Lawrence, American Hustle
Lupita Nyong’o, 12 Years a Slave
Julia Roberts, August: Osage County
June Squibb, Nebraska

Ich glaube, dass Jennifer gewinnt, finde aber, dass sie ihr mal ne Award-Pause verpassen sollten, sonst hat sich das Wunderkind in diesen jungen Jahren schon gänzlich verbraucht. Welche Ziele soll sie sich denn noch stecken, wenn sie mit 23 schon alles erreicht hat?

Best Original Song
“Alone Yet Not Alone,” Alone Yet Not Alone; music by Bruce Broughton, lyrics by Dennis Spiegel
“Happy,” Despicable Me 2; music and lyrics by Pharrell Williams
“Let It Go,” Frozen; music and lyrics by Kristen Anderson-Lopez and Robert Lopez
“The Moon Song,” Her; music by Karen O., lyrics by Karen O. and Spike Jonze
“Ordinary Love,” Mandela: Long Walk to Freedom; music by Paul Hewson, Dan Evans, Adam Clayton, and Larry Mullen, a.k.a. U2; lyrics by Paul Hewson, a.k.a. Bono

Ich mag „Happy“ total gerne und groove dazu auch so durch die Gegend wie Gru und ich würde „Mandela“ schon gerne einen Oscar gönnen, aber hier hat „Let it go“ eindeutig die Nase vorn. Nicht nur ein wundervoller Song, der sehr gut wiederspiegelt, worum es in dem Film geht, sondern auch wundervoll durch choreographierte Filmszene dazu. Ich hab immer noch Gänsehaut, wenn ich dran denke.

Best Animated Feature
The Croods
Despicable Me 2
Ernest & Celestine
Frozen
The Wind Rises

Ich bin ein Disney-Kind! Außerdem fand ich „Ich Unverbesserlich 2“ generell nicht so gelungen.

Best Foreign Language Film
The Broken Circle Breakdown, Belgium
The Great Beauty, Italy
The Hunt, Denmark
The Missing Picture, Cambodia
Omar, Palestine

„Die Jagd“ hab ich gesehen, war aber nicht preisverdächtig, auch wenn Mads mal wieder zu begeistern weiß. Und immer noch preisverdächtiger als „Der Leibarzt und die Königin“, in dem Mads eher nich so zu begeistern wusste. „La Grande Bellezza – Die große Schönheit“ soll ja gut sein, wenn ich Zeit hab schau ich ihn mir mal an (Rom <3). Ich glaube, der wirds auch.

Best Original Score
John Williams, The Book Thief
Steven Price, Gravity
William Butler and Owen Pallett, Her
Alexandre Desplat, Philomena
Thomas Newman, Saving Mr. Banks

Ich mag John Williams, auf den scheint verlass zu sein, wenn Howard Shore den Hobbit-OST vergurkt und Hans Zimmer schon von sich selbst kopiert.

Best Makeup and Hairstyling
Adruitha Lee and Robin Mathews, Dallas Buyers Club
Stephen Prouty, Jackass Presents: Bad Grandpa
Joel Harlow and Gloria Pasqua-Casny, The Lone Ranger

Was ist denn mit dieser Kategorie passiert? Lagen die stimmberechtigten Kostümdesigner alle im Koma, dass man nicht mal 5 Filme beisammen bekam? Wo ist „Oz the Great and Powerful“? Wo der „Hobbit“? Das kommt davon, dass man die grüne Hexe digital nachpinselt und den Orks keine Maske mehr ins Gesicht pappt, sondern lieber CGI benutzt…Dabei spielt gerade das Hairstyling bei keinem Film so ausgeprägt eine Rolle, wie beim „Hobbit“ und das sag ich nicht nur, weil ich Fan bin – und beleidigt xD So und aus Trotz sag ich jetzt: Bad Grandpa gewinnt. Nicht nur, weil das echt eine Make-Up-Leistung war, sondern weil die Academy dann damit leben muss, dass sie einem JACKASS-Film nen Oscar gegeben hat. So!

Best Costume Design
Michael Wilkinson, American Hustle
William Chang Suk Ping, The Grandmaster
Catherine Martin, The Great Gatsby
Michael O’Connor, The Invisible Woman
Patricia Norris, 12 Years a Slave

Hier mag ich’s immer opulent bzw. aufdringlich…glitzerig! Daher entscheidet es sich zwischen „American Hustle“ und „The Great Gatsby“ und ich fand letztere Kostümen einen Ticken besser. In „American Hustle“ ist man so von den hässlichen Koteletten der Männer abgelenkt xD

Best Visual Effects
Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk and Neil Corbould, Gravity
Joe Letteri, Eric Saindon, David Clayton and Eric Reynolds, The Hobbit: The Desolation of Smaug
Christopher Townsend, Guy Williams, Erik Nash and Dan Sudick, Iron Man 3
Tim Alexander, Gary Brozenich, Edson Williams and John Frazier, The Lone Ranger
Roger Guyett, Patrick Tubach, Ben Grossmann and Burt Dalton, Star Trek Into Darkness

Man ist sich relativ einig: „Gravity“ gilt als gesetzt. Auch wenn ich mich über den „Hobbit“ eher freuen würde und es auch als angemessener betrachten würde, da es schwieriger ist, einen Drachen zum Leben zu erwecken, als brennende Trümmerteile durchs All schweben zu lassen. Und wenn ich ehrlich bin rangieren alle anderen nominierten Filme weit vor den Effekten von Gravity.

So, herzlichen Glückwunsch, ihr habt das Ende des Posts erreicht xD

Wie siehts bei euch mit einem Tipp aus? Was sind eure Favoriten unter den Nominierten?

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