Books

Leigh Bardugo – Grischa: Goldene Flammen

Jede einzelne Stunde habe ich dich vermisst. Und am schlimmsten war, dass mich das völlig überrascht hat. Ich habe mich dabei ertappt, dich zu suchen. Nicht aus einem bestimmten Grund, sondern nur aus Gewohnheit oder weil ich etwas gesehen hatte, von dem ich dir erzählen wollte. Ich wollte nur deine Stimme hören. Dann wurde mir bewusst, dass du fort warst, und ich hatte jedes, wirklich jedes Mal das Gefühl, mir würde die Luft wegbleiben. Ich habe mein Leben für dich aufs Spiel gesetzt. Ich bin für dich durch halb Rawka gezogen, und das würde ich wieder tun, nur um bei dir zu sein. Selbst wenn es bedeutet, mit dir zu hungern und zu frieren und mir dein Gejammer über den ewigen Hartkäse anzuhören. Also erzähl mir nicht, dass wir nicht zusammengehören.

   Titel: Grischa: Goldene Flammen
   Autor: Leigh Bardugo
   Format/Seiten: Gebunden,  352 Seiten
   Herausgeber: Carlsen
   Erschienen: September 2012
   ISBN: 978-3551582850
   Preis: € 17,90

   Teil einer Reihe?   Grischa-Reihe

REZENSION

Zuerst einmal bin ich froh, dass ich das Buch ohne Schutzumschlag, das heißt auch OHNE diesen Klappentext erhalten habe, sonst hätte ich das Buch wohl noch nicht einmal aufgeschlagen. Vorneweg genommen, der Textauszug beschreibt eine der schönsten Szenen im Roman, aber nur erträglich, wenn man den Zusammenhang kennt. Ansonsten ist es einfach grauenhaftes Gesülze gespickt mit einem Stückchen Käse, über dessen Bedeutung man sich krampfhaft den Kopf zermartert. Doch nicht abschrecken lassen, stattdessen einen letzten Blick auf das Cover werfen, das mir mit seiner Tinten-Tusche-Art unheimlich gut gefällt, und sich hinter den Buchdeckel wagen. Dort erwartet den Leser eine schöne Überraschung: Eine liebevoll ausgestaltete Karte der imaginären Welt, in der die Grischa-Romane angesiedelt sind, und kleinere Tintenzeichnungen im Stil des Covers (ich habe ja die Vermutung, dass es sich um die zeichnerische Darstellung von Zahlen handelt) zu Beginn von jedem Kapitel. Nach dem Durchblättern des Buchs ist mal also recht positiv gestimmt. Und die Stimmung hält sich gut, denn schon nach wenigen Seiten fühlt man sich mitten im Geschehen, glaubt das Geschriebene fast bildhaft vor Augen zu sehen. Dies finde ich besonders faszinierend, da es eigentlich kaum für Fantasy-Romane normalerweise notwendigen Beschreibungen vom Aussehen der Personen oder Schauplätze gibt. Und dies trägt natürlich dazu bei das die Geschichte auf nur knapp 350 Seiten erzählt werden kann.  Eine wirklich angenehme Abwechslung im Fantasy-Sektor, auch wenn man in diesem Zusammenhang wieder mit kritischem Blick auf die fast 18 Euro schauen muss, die für die gebundene Ausgabe verlangt werden.

Wir folgen also dem Mädchen Alina, bei dem man verborgene magische Kräfte entdeckt und es zu anderen Magiebegabten (den Grischa) bringt, damit jene Kräfte gefördert werden können. Bei dem Waisenkind (Achtung Klischee) handelt es sich nämlich um – Überraschung, ein weiteres Klischee – eine Auserwählte, die das Land von einem großen Schrecken (eine ewige Finsternis und darin hausende Ungeheuer) befreien soll. An jenem Ort des Studiums gibt es wie überall Neider und Intrigen und ein machthungriger und geheimnisumwitterter Mann, bei dem alles „Fall nicht auf ihn rein, der is‘ böse!“ schreit, versucht unsere Protagonistin zu umgarnen. Die Handlung wartet also mit kaum etwas auf, das man nicht schon einmal in den „Chroniken von Erdsee“ oder „Der Gilde der schwarzen Magier“ gelesen oder bei „Prinzessin Mononoke“ (Stichwort Hirsch) gesehen hat. Was also macht „Grischa“ so einzigartig?

Es ist das bereits angesprochene Gefühl, das ich beim Lesen hatte. Die „Grischa“-Welt fühlte sich für mich nicht fremd an, nicht wie etwas, das der Autor erst erschaffen musste, sondern das in meiner Vorstellung schon da war. Auch die Namen und Begriffe, die Bardugo zu Beginn des Romans ohne große Erklärung auf den Leser loslässt, haben mir kaum Probleme bereitet, sondern eher dazu beigetragen, dass alles ganz natürlich und selbstverständlich wirkte. Ich hab mich kurzum einfach wohlgefühlt. Eine sehr subjektive Einschätzung, ich weiß.

Darüber hinaus empfand ich die Idee russisch-nordische und fernöstliche Elemente zu verbinden, als äußerst spannend. Obwohl die Schauplätze, Charakternamen und Rangtitel allesamt dem Russischen ähneln, habe ich mir die Grischa und die Angehörigen des Zarenhofes zumindet von der Kleidung her betrachtet eher asiatisch und Alinas Freund, der Fährtenleser Maljen, ein wenig mongolisch vorgestellt. Vielleicht liegt dieses Bild aber auch nur an der Ähnlichkeit der Worte „Grischa“ und „Geisha“ und daran, dass die Tintenzeichnungen vom Stil her an asiatische Schriften erinnern. Auf jeden Fall hat mir diese Mischung sehr gut gefallen und macht für mich den Reiz des Romans aus. Auch der literarische Kniff für Prolog und Epilog die Erzählperspektive von der ersten in die dritte Person zu ändern und die beiden Kapitel vom Aufbau her ähnlich zu gestalten, hat die eigentliche Handlung dazwischen sehr gut eingerahmt und Eindruck hinterlassen. Und wer sich des Lesens nun noch immer unsicher ist, da es sich ja um den Auftakt einer Trilogie handelt: Bloß keine falschen Ausreden! Falls es nicht gefällt, so kann man den Roman trotz einer offenen Frage ohne größere Cliffhanger-Gefahr abschließen und die Sache damit gut sein lassen.

FAZIT

Auch wenn „Grischa: Goldene Flammen“ mit bekannten Fantasy-Klischees aufwartet, die Charaktere in ihrem Verhalten vorhersehbar sind und die Handlung als solche auch wenige Überraschungen bereithält: Es war ein Lesevergnügen, ich konnte das Buch nicht zur Seite legen. Man darf gespannt sein, ob die Atmosphäre und die Faszination der „Grischa“-Welt sich auch in den Folgeromanen wiederfinden lassen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s