Books

Sebastian Fitzek – Der Augensammler

Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken.
Er spielt es mit deinen Kindern.
Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden.
Doch deine Suche wird ewig dauern.

Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Kinderleichen fehlt jeweils das linke Auge.
Bislang hat der „Augensammler“ keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt …

   Titel: Der Augensammler
   Autor: Sebastian Fitzek
   Format/Seiten: Taschenbuch,  464 Seiten
   Herausgeber: Knaur
   Erschienen: 01. Juni 2011
   ISBN: 978-3-426-50375-1
   Preis: € 9,99

   Teil einer Reihe?   Jain^^

REZENSION

Bei einem Fitzek-Roman fragt man sich vor dem Lesen ja immer, was er sich denn wohl dieses Mal wieder Verrücktes ausgedacht hat. Denn eins ist klar: Ein Herr Fitzek kann sich nicht damit begnügen ein NORMALES Buch zu schreiben. Bisherige Höhepunkt seiner drolligen Ideen ist beim „Augensammler“ zu finden: Die Seitenzahl des Buches rückwärts laufen lassen. So stolpert man als Leser über die Vorbemerkung des Autors, dass das mit der Seitenzahl Absicht sei und kein Grund das Buch wieder umzutauschen, blättert gleichsam ungläubig weiter und stellt fest, dass man tatsächlich bei Seite 464 anfängt und rückwärts liest. Was für ein fieser Mindfuck jemandem wie mir gegenüber, der sich durch manche Bücher nur mit Hilfe der Seitenzahlen hindurch zu hangeln vermag („Siehst du das Ende schon?“ *japs* „Sind wir bald da?!“ *hechel*). Nicht, dass bei Herrn Fitzek die Gefahr eines vorzeitigen Abbruchs bestünde…aber dennoch soll mein Tick nicht unerwähnt bleiben.

Kommen wir zum Inhalt. Ich muss sagen, dass der Klappentext mit den fehlenden Augen ja schon ein wenig martialisch daherkommt – man hat da ja sonst eine Vorstellung im Kopf! Im Roman selbst wird jedoch nicht auf dem Ekelfaktor „leere Augenhöhle“ herumgeritten, überhaupt geht es bis auf eine (echt wirklich igitt absolut BÄH!) Ausnahme relativ magenfreundlich und einigermaßen appetitlich zu Sache. Das Grauen spielt sich eher auf psychischer Ebene ab. Die Verzweiflung der Eltern, der Sadismus des Augensammlers, die Panik der eingesperrten Kinder. Bei letzterem Punkt bewegte sich Fitzek für mich persönlich nah an einer Grenze. Natürlich ist es immer ein wenig pietätlos und voyeuristisch, eine Situation aus der Opferperspektive beschrieben zu lesen. Aber die Tatsache, dass es sich um Kinder handelte, machte es noch ein wenig unangenehmer. Verstärkt wird die gesamte beklemmende Stimmung des Romans durch die Textpassagen, die aus Sicht der blinden Protagonistin geschrieben sind. Die Welt in sich Alina bewegt, können sich Sehende kaum vorstellen, und allein der Gedanke, vielleicht selbst das Augenlicht zu verlieren, dürfte für die meisten von uns schon grauenhaft genug sein. Fitzek gelingt es dank intensiver Recherche und Zusammenarbeit mit Blinden nicht nur mit einigen Vorurteilen aufzuräumen, sondern Alinas Welt für den Leser erfahrbar zu machen. Beeindruckendes Plus des Romans. 

Was mich an der Auflösung des Romans gestört hat, war nicht etwa die große „Überraschung!“, der Cliffhanger aller Cliffhanger, jenes Ende, das die rückläufige Seitenzahl erklärt, jenes Ende, das den Leser hektisch im Buch herumblättert lässt und ihm immer wieder ein „Wie jetzt?! Im Ernst?!“ entlockt (dem Leser, nicht dem Buch…). Nein, es war eben genau die fehlende Überraschung in Bezug auf die Identität des Augensammlers. Zuerst hab ich mich gefreut, dass ich endlich mal den richtigen Tipp abgegeben hatte, dann stellte sich aber bald eine gewisse Enttäuschung ein („Ne, das war aber jetzt…zu naheliegend! Das hat er ja viel zu plump verpackt!“). Tja, was soll man sagen, wer den „Augenjäger“ gelesen hat, weiß wie so ein fitzekscher Mittelfinger in literarischer Form aussieht.

Ein weiteres Minus war jene Szenerie, in der männliche/r Protagonist/in im Keller eines in Vollendung kitschig geschmückten Weihnachtshauses gefangen sind (nicht dass das Haus allein schon schlimm genug wäre) – zusammen mit einer in Frischhaltefolie eingewickelten, seit einigen Monaten langsam verwesenden Frau. Das war pure Effekthascherei, die die Handlung in keiner Weise vorangebracht und nichts zur Charakterentwicklung beigetragen hat. Dafür muss ich jetzt aber immer an die durch den Augensammler abgeänderte Liedzeile von „Jingle Bells“ („…dancing on your grave…“) denken, wenn ich weihnachtliche Beleuchtung sehe. Danke, Herr Fitzek, dass sie mir die Weihnachtsstimmung auch für 2014 und 2015 noch verdorben haben!

FAZIT

Was soll man sonst noch sagen? Liest sich wie Öl und die kleinen Schwächen verblassen im Angesicht der Spannung mit der Herr Fitzek den Leser durch die Handlung jagt. Am besten den „Augenjäger“ unmittelbar anschließen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s