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George R . R . Martin – Der Heckenritter von Westeros

Ein Jahrhundert vor den Ereignissen in der Bestsellersaga »Das Lied von Eis und Feuer« nimmt ein Knappe namens Dunk das Schwert seines verstorbenen Herren an sich. Er will an einem Turnier teilnehmen, um selbst ein Ritter zu werden. Doch »Ser Duncan« hat noch viel zu lernen über die Welt der Edlen und Mächtigen. Beim Versuch, einen Platz im Turnier zu ergattern, macht er sich bald ebenso viele Feinde wie Freunde. Dunk ist ein fähiger Kämpfer mit einem starken Ehrempfinden. Doch wird das reichen, um ihn in den Augen der Welt als wahrer Ritter dastehen zu lassen? Oder ist er nur ein fehlgeleiteter junger Mann, der sich und andere in tödliche Gefahr bringt?

   Titel: Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben
   Autor: George R. R. Martin
   Format/Seiten: Paperback, Klappenbroschur, 416 Seiten
   Herausgeber: Penhaligon
   Erschienen: 23. September 2013
   ISBN: 978-3-7645-3122-5
   Preis: € 15,00 [D] | € 15,50 [A] | CHF 21,90

   Teil einer Reihe?  
Kurzgeschichten zu „Ein Lied von Eis und Feuer“

Rezension

Bei „Der Heckenritter von Westeros: Das Urteil der Sieben“ handelt es sich um eine Sammlung von drei Kurzgeschichten bzw. kurze Romane aus der Welt von „Ein Lied von Eis und Feuer“, die von dem Ritter Dunk und seinem Knappen Ei handeln. Der erste Teil „Der Heckenritter“ erschien im Original 1998 und war in Deutschland in der Anthologie „Der siebte Schrein“ (1999) enthalten. „Das verschworene Schwert“ wurde erstmals 2003 veröffentlicht und ist in Deutschland Teil von „Legenden. Lord John, der magische Pakt“ (2005). „Der geheimnisvolle Ritter“ (2010) ist im vorliegenden Buch zum ersten Mal in Deutschland veröffentlicht.

Der Heckenritter

Der grobe Inhalt der ersten Kurzgeschichte ist ja durch den Klappentext bereits gut eingefangen. Eine schöne Einführung in die Rahmenhandlung, die mich vom Konzept allerdings sehr stark an den Film „Ritter aus Leidenschaft “ erinnert hat. Ein Ritter stirbt an einer Erkältung, sein Knappe nimmt das Schwert an sich und versucht unter dessen Identität Ruhm zu erlangen. Für mich aber keinesfalls etwas Schlechtes und mit einem Augenzwinkern zu sehen.

Martin führt in gewohnter Manier dutzende Figuren ein, ich hab mich aber zumindest in dieser Kurzgeschichte davon noch nicht erschlagen gefühlt. Duncan ist ein sympatischer, etwas trotteliger Kerl, und Ei so wie ein rebellierender Spross aus reichem Hause eben ist.

Mit viel Liebe fürs Detail gibt sich Martin der Beschreibung der Heraldik hin und verklärt das Rittertum mit seinen Tugenden. Diese romantisierte Seite von Westeros haben wir im „Lied von Eis und Feuer“ bisher eher selten gesehen, ging es doch eher um Intrige, Verrat und Mord. Diese fast friedliche und erstaunlich unbrutale Stimmung hat für mich etwas sehr Interessantes gehabt und macht für mich ein großes Plus der ersten Kurzgeschichte aus. Wer jetzt allerdings befürchtet, Martin hätte dauerhaft den Weichspülgang eingelegt, der wird spätestens zum Ende der Kurzgeschichte eines Besseren belehrt. Ich persönlich fand’s ein wenig schade, aber es bildet gut ab, wie das Mittelalter in Wirklichkeit war. Auf der einen Seite voller Ideale, in der Realität jedoch unverklärt und brutal.

Das verschworene Schwert

Spätestens hier ist Martins Kuschelkurs dann zu Ende. Die Kurzgeschichte beginnt mit der detaillierten Beschreibung einiger bedauernswerter Galgenvögel, die schon seit geraumer Weile „einfach nur rumhängen“. Das mag ja authentisch sein, aber will man so etwas wirklich lesen? Und auch das Thema der zweiten Kurzgeschichte orientiert sich an einem ernsthaften mittelalterlichen Problem: Man streitet sich um Wasser. Duncan ist in die Dienste eines Herren getreten, dessen Untertanen auf Grund einer Dürre an Hungersnot leiden. Das verfeindete Nachbarlehen unter der Herrschaft einer jungen Frau hat den Fluss umgeleitet und beansprucht das Wasser für sich. Duncan soll den Konflikt lösen – zur Not mit Gewalt.

Erst einmal ein großes Lob an Herrn Martin, dass er dieses Thema gekonnt mit einer unterhaltsamen Geschichte verknüpft. Kleine Szenerien führen dem Leser vor Augen, wie wichtig Wasser zum Überleben ist und als wie wertvoll man es ansieht. So gibt es eine Stelle, in der Duncan für eine besondere Gelegenheit badet und sich wäscht. Ja, damals war’s nix mit jeden Morgen unter die Dusche springen… Zum zweiten hat mir auch die Darstellung von Rohanne sehr gut gefallen. Die junge Frau hat sich einen grausamen und mitleidslosen Ruf erarbeitet, um sich nach dem Tod ihres Mannes vor aufdringlichen Verehrern zu schützen, die es auf das Lehen abgesehen haben. Der Charakter ist fernab von jedem Mary-Sue-Gehabe pseudo-emanzipierter Frauen-Charaktere aus dem Fantasy-Genre – etwas, das Martin auch mit seinen anderen weiblichen Charakteren im „Lied“ immer wieder gut gelingt. Auch die zweite Kurzgeschichte lässt kaum Platz für Kritik, auch wenn man der Handlung zwischenzeitlich immer mal wieder einen kleinen Schubs geben möchte.

Der geheimnisvolle Ritter

Die dritte Kurzgeschichte wimdet sich wieder einem Turnier, Martin überspringt dieses Mal aber das romanisierte und kommt gleich zur Sache. Denn das Turnier entpuppt sich als Zusammenkunft von Rebellen gegen die Krone und hier wird nicht nur auf dem Platz gefochten und sich gegenseitig vom Pferd gestoßen, es wird intrigiert, bestochen, konspiriert und Politik gemacht. Mittendrin Dunk, der immer noch „dumm wie eine Burgmauer“ ist und zwischen die Fronten gerät. Und ein wenig fühlt man sich auch als Leser so. Ich persönlich war von den Namen erschlagen und konnte am Ende kaum noch unterscheiden, wer wer war und welches Ziel verfolgte. Das strengte beim Lesen ungemein an und trübte den Spaß. Daher ist mir von dieser Kurzgeschichte wenig in Erinnerung geblieben und für mich ist sie insgesamt auch die schwächste der drei.

Allgemeiner Eindruck

Schön, dass die drei Geschichten nun gebündelt in einem Buch herauskommen. Die materielle Qualität des Buches ist sehr gut. Stabile Broschur, lediglich der Buchrücken ist leider fast nicht unknickbar (aber mit ganz viel Vorsicht schafft man das!). Nicht nur aufgrund der Verarbeitung finde ich den viel kritisierten Preis von 15 Euro für ein 400 Seiten-Buch zwar leicht erhöht, aber nicht unverschämt. Er orientiert sich nun einmal an den anderen Ausgaben und liegt somit im Rahmen der Preispolitik.

Das Cover ist sehr schön, die Aufmachung des Buches lehnt sich an die Ausgaben des „Liedes“ an. Die farbliche Unterscheidung (blauer Hintergrund statt beige) sorgt gleichzeitig für die angebrachte Abgrenzung. Auch im Inneren des Buches erwartet den Leser Altvertrautes – die Karte von Westeros zur Orientierung, obwohl die wichtigen Handlungsorte der drei Geschichten nicht eingezeichnet sind. Das hätte man sich besser gewünscht, aber vielleicht hat Martins die Orte auch nie auf einer Karte näher benannt.

Der Zusatztitel ließ mich ein wenig ratlos zurück: „Das Urteil der Sieben“ spielt zwar in der ersten Geschichte eine große Rolle, hat aber für die anderen beiden eigentlich gar keine Bedeutung mehr. Für mich wäre der Titel „Der Heckenritter von Westeros“ ohne Zusatztitel völlig ausreichend gewesen. Da auf dem Buchrücken eine „1“ abgedruckt ist liegt die Vermutung nahe, dass es weitere Kurzgeschichten des Duos geben wird. Eine vierte Geschichte scheint von Martin bereits fertig gestellt zu sein, wann weitere folgen ist aber in Anbetracht der ausstehenden Beendigung der Handlungen aus dem „Lied“ und Martins Arbeiten an dem Drehbuch der TV-Adaption wohl kaum abzuschätzen.

Positiv finde ich auch, dass man mehr über die Targaryens erfährt. Bevor sie am Rande der Ausrottung standen und ihren Herrschaftsanspruch verloren hatten. Im Gegensatz zum „Lied“ in dem man zwar mit Daenerys sympathisiert, aber sonst durch die negative Haltung der anderen Charaktere, ein ziemlich schlechtes Bild der Targaryens hat, kommen sie im „Heckenritter“ besser weg – auch wenn damals schon einige Mitglieder ordentlich einen an der Klatsche hatten. Zwischen den Zeilen kündigt sich jedoch immer wieder an, dass die Targaryens dem Untergang geweiht sind. Innerhalb der Familie zerstritten verfolgt jeder seinen eigenen Machtanspruch auf den Thron – ebenso wie die fünf Könige nach Robert Baratheons Tod. Besonders in der dritten Kurzgeschichte kündigt sich ein Sturm an, der die Machtverhältnisse innerhalb von Westeros auf immer verändern wird. Der Leser des „Lieds“ weiß natürlich genau, wie dies alles ausgeht.

Die deutsche Übersetzung

Ich muss mich als Anhänger der englischen Ausgaben outen. Ich bin kein Freund der Übersetzung der Orte und Namen ins Deutsche, auch die Serie wird immer im englischen Original geschaut. Es klingt nicht nur in den meisten Fällen auf Deutsch etwas holprig – bei der Übersetzung geht oftmals auch ein Teil der Bedeutung verloren. Auch der „Heckenritter“ wartet mit einem guten Beispiel dafür auf. Als Leser ist man verwundert, warum der Knappe den Namen Ei trägt. Liegt es an seinem kahlrasierten Schopf, der an die Schale eines Eis erinnert? Oder ist das ein Augenzwinkern darauf, dass der jüngste Spross des Hauses Targaryen quasi erst noch aus seinem (Drachen)Ei schlüpfen und flügge werden muss? Darauf kann man mit viel Fantasie auch in der deutschen Übersetzung kommen. Ein Blick auf die englische Fassung bringt jedoch ein wenig mehr Licht ins Dunkel. Dort heißt der Knabe „Egg“ – allerdings als Abkürzung für Aegon, den eigentlichen Namen des Jungen. Es ist ein Spitzname, dem ihm seine Brüder verpasst haben – und außerdem ziemlich nützlich, wenn man verschleiern will, dass man einer von den Targaryens ist. Im Deutschen geht das Wortspiel allerdings leider völlig verloren.

Von Vorteil war für mich, dass der „Heckenritter“ eine von der Hauptgeschichte losgelöste und eigene Handlung ist. Viele Orte sind aus dem „Lied“ bisher nicht bekannt und so war die Umgewöhnung nicht ganz so groß. Wenn es allerdings darum ging, Parallelen zu den Geschehnissen und Orten, die auch im „Lied“ eine Rolle spielen, zu ziehen und Anspielungen zu verstehen, gestaltete die Sache sich als schwieriger. An meiner Position in Sachen English versus Deutsch hat sich also auch durch den „Heckenritter“ nichts geändert.

FAZIT

Ein schöner Ausflug in die Welt von Westeros – nicht nur Fans der Hauptreihe. Denn gerade Leser, die sich nicht so recht an die eigentlichen Büchern herantrauen, können sich gut ein erstes Bild von der Welt des „Lieds von Eis und Feuer“ verschaffen.

Vielen Dank an Penhaligon für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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