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Leipziger Buchmesse 2014 – Cosplay-Special

2014 öffnete parallel zur Leipziger Buchmesse auch zum ersten Mal die Manga-Comic-Convention ihre Tore – und eine überwältigende Zahl an Cosplayern, Manga-Begeisterten und Comic-Fans folgte dem Ruf. Der Veranstalter spricht von 31.000 Besuchern zum Event in der Messehalle 1. Und ja als herkömmlicher Besucher wurde man speziell am Samstag das Gefühl nicht los, dass man sich in der Unterzahl befand. Wie man mir bereits bei einigen Gesprächen am vorherigen Tag versicherte, sei der Messesamstag der Höhepunkt für die Cosplay-Szene. Nicht nur weil der Vorentscheid für das ECG (European Cosplay Gathering) in Paris anstand und man sich zum Treffen unter Mittelerde-Cosplayern verabredet hatte, sondern auch da man Samstags nun einmal von den meisten Besuchern gesehen wird. Da hieß es: sich ausstaffieren und zeigen was man hat. Dass sich dies für manchen Cosplayer zu einem Spießrutenlauf wurde, da er alle zwei Meter um ein Foto gebeten wurde, ist da nicht überraschend. Bis auf wenige Ausnahme trug man es mit Fassung und blieb einigermaßen entspannt. Schließlich ist das Lob des Künstlers Lohn. Und von Künstlern kann man ohne Untertreibung sprechen. Der Fantasie schienen keine Grenzen gesetzt. Wer sich nicht die märchenhafte Welt von Disney zum Vorbild nahm oder als Manga-Charakter oder Video-Spiele-Held erschien, fand genügend Inspiration im Tolkien-Universum. Oder stellte gar gleich eine wundersame Eigenkreation wie den Frühling oder den Tod dar. Man kann an dieser Stelle nicht genügend Respekt vor den vielen Stunden der Handarbeit und der Liebe zum Detail und dem Ideenreichtum der Cosplay-Szene haben. Ich verneige mich in tiefer Bewunderung – auch wenn ihr alle schon ein „wunderliches“ Völkchen seid („Ich muss weg, ich hab jetzt ein Fotoshooting!“). Und dies ist liebevoll gemeint.

Disneys Eiskönigin wohin man schaut

Hatte man bei der Frankfurter Buchmesse noch das Gefühl von Marvel-Helden umringt zu sein, so machten sich Captain America und Co. in Leipzig erstaunlich rar. Auch Loki sah man man nur vereinzelt dargestellt. Das große Thema unter Cosplayern schien tatsächlich Disney zu sein. Neben den Disney-Prinzessinnen, die sich zum Stell-dich-ein versammelten, begegnete dem Besucher besonders oft Elsa, die jüngst Oscar-gekrönte Eiskönigin. Ich konnte sie gar nicht alle fotografieren, dann wäre ich überhaupt nicht mehr vom Fleck gekommen. Aber sie haben mich alle begeistert. Ob in Gesellschaft von Schwester Anna oder Kumpeltyp Kristoff, der „eigentlich gar nicht dazu gehörte, aber den ganzen Tag mitgeschleift wurde“ und sich ganz happy zeigte, dass er Annas Hand zugesprochen bekam („YES! Ich darf sie heiraten!“). Schneemann Olaf war auch mit von der Partie – als Miniatur, aber auch in Lebensgröße. Es war so süß, als ein kleines Mädchen in blauem Kleid die Schneemännin anstupste und umarmte, während die Eltern munter Fotos knipsten. Mein Herz habe ich allerdings an DAS Cosplay-Pairing verloren. Elsa und Jack Frost aus „Die Hüter des Lichts“. Eis und Eis gesellt sich eben gern. Das sahen scheinbar noch viele andere genauso. Ich hatte zumindest den Eindruck, dass dies das mit Abstand am meisten vertretene Cosplay-Pärchen des Tages war.

Auch mein Mittelede-Herz blieb fast wunschlos glücklich. Direkt zu Beginn begegnete ich Beorn – authentisch as possible und so eins zu eins fürs Kino abfilmbar. Leider wurde er von der wogenden Masse an mir vorbeigeschoben, bevor ich ein paar Worte mit ihm/ihr? wechseln konnte. Später traf ich auf alte Bekannte von der Berliner Hobbit-Premiere im letzten Dezember. Thranduil noch immer genauso entrückt und erhaben, ich bin mir immer noch nicht sicher, ob Mädchen oder Junge. Dwalin dieses Mal als Boromir (Mädels, woher nehmt ihr die Obsession für so viele Haare im Gesicht?) und ein sichtlich aufgeregter Thorin auf der Suche nach dem Rest der Truppe. Tja, unter einem überlastete Handynetz hatten alle Besucher gleichermaßen zu leiden. Auch die Nazgul durften nicht fehlen und an Sauron konnte man ruhigen Gewissens vorbeispazieren ohne die Macht des dunklen Herrschers fürchten zu müssen. Furcht konnte man auch bei der Anzahl von Legolas/Tauriel-Pairings bekommen. Vielleicht überdenke ich meine Aussage mit Elsa und Jack noch mal xD Auf dem Heimweg stolperte ich dann noch über Azog, gänzlich weiß angemalt (Wie hält so was nur den ganzen Tag?!), im Kampf mit einem Hobbit, der vielleicht Bilbo war.

Ich könnte jetzt noch Stunden weiterschwärmen. Von coolsten Gimmicks wie dem Geistersauger aus „Ghostbusters“ , überdimensionierten Sensen oder davon was für geile Pottsäue Catwoman, Harley Quinn und Poison Ivy sind (irgendwann, falls ich jemals cosplaye…Posion Ivy xD). Wie warm es unter der Latex-Replik eines Godzilla-Gankörper-Outfits (mit laaaaaangem Schwanz) oder unter der Fellmaske von Belle’s Biest sein muss. Und wie sehr ich mich über die „Tanz-der-Vampire“-Truppe gefreut habe (obwohl da  ’ne Rebekka gefehlt hat!) – und mir denke, dass ich vielleicht doch lieber Elphaba wäre. Das hab ich zum Karneval schließlich schon mal gemacht…und bewiesen, dass Grün mal so gar nicht meine Farbe ist. Also vielleicht doch lieber gelb, wie diese Zeitgenossen? 😉

Premiere war ein Erfolg, lässt aber auch Raum für Kritik

Zuletzt noch ein paar Worte zur Manga-Comic-Con selbst. Zahlreiche Veranstaltungen, Signierstunden und Workshops und nicht zuletzt die Aussteller selbst, von Buchverkaufsständen über Accessoires bis hin zu Kleidung bot sich genügend Raum für Abwechslung. Wenn sich denn Raum bot. War Freitags das gemütliche Schlendern und das legere Plaudern noch möglich, wurde man samstags schier durch die Gänge geschoben. Ich hab gemacht, dass ich aus der Halle wieder herauskam, und mich lieber den Cosplayern gewidmet, die es sich in der Glashalle gemütlich gemacht haben, auch wenn es später selbst dort sehr kuschelig wurde und die Security merklich in Stress geriet, weil fotografierenden Besuchern die Übergänge zwischen den restlichen Ausstellungshallen blockierten. Mit eigener Veranstaltungshalle und seperatem Eingang hat man den Cosplayern zwar einen eigenen Bereich geschaffen, in dem sie sich austoben konnten, allerdings hatte ich das Gefühl, dass man nicht mit dieser Menge an Leuten gerechnet hatte, und dass die örtliche Platzierung des Events nicht gut war. Der Gang zu Halle 1 und 3 erwies sich jedenfalls über den Tag als regelrechtes Nadelöhr.

Das Event hat es für mich grundsätzlich geschafft, eine gute Balance zwischen Convention und Buchmesse zu finden. Dass Cosplay und Buchmesse, sei es nun in Frankfurt oder Leipzig, nicht mehr zu trennen ist, zeigt die Realität deutlich. Ich finde es gut, dass den Cosplayern ein Treffpunkt geschaffen wurde und sie nicht verteilt herumstehen müssen wie in Frankfurt. Es gibt allerdings auch genügend kritische Stimmen, die sich fragen, was diese Verkleiderei denn mit Büchern zu tun hat, und ich selbst sehe manches aus der Szene auch durchaus skeptisch. Auf der anderen Seiten hört man Cosplayer, die sich von den herkömmlichen Besuchern abgeschottet sahen, da die Security sie auf andere Parkplätze lotse, sie nicht durch den Haupteingang hereinbat und ihr Gepäck nur in Halle 1 verstauen ließ. Was für mich in der Zukunft abzuwarten bleibt, ist, ob die bereits erwähnte Balance bestehen bleibt. Sollte die Manga-Comic-Con noch weiter wachsen, sehe ich die Gefahr, dass die beiden Veranstaltungen zu groß werden, um reibungslos gemeinsam zu laufen. Man sollte nicht aus den Blick verlieren, dass es im Kern noch immer um das Buch und das Drumherum geht und nicht darum, dass man sich mit Fotografen trifft, um sich möglichst hübsch ablichten zu lassen. Solange man diesen Kern nicht vergisst, kann man Cosplayer wirklich als nichts anderes als eine Bereicherung der bunten Gedankenwelt der Bücher sehen.

Hunderte weiterer Fotos von Besuchern und Aktiven gibt es bei Animexx zu sehen.

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