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Terry Pratchett – Dunkle Halunken

Willkommen im London des 19. Jahrhunderts, in dem hilflose Schönheiten vor dunklen Feinden zittern, Schriftsteller sich als Detektive versuchen und mörderische Barbiere ihre Opfer nach allen Regeln der Kunst erledigen. Hier kann nur einer aufräumen – und das ist ausgerechnet der eigentlich nichtsnutzige Straßenjunge Dodger … Terry Pratchetts neuer Roman ist ein Muss für alle Fans des britischen Großmeisters!

   Titel: Dunkle Halunken
   Autor: Terry Pratchett
   Format/Seiten: Gebunden mit Schutzumschlag, 384 Seiten
   Herausgeber: ivi
   Erschienen: 17. September 2013
   ISBN: 978-3-492-70301-7
   Preis: € 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 28,90

   Teil einer Reihe?   Nein

Rezension

Ein neuer Roman von Terry Pratchett – mehr braucht ein Buch wohl nicht, um Aufmerksamkeit zu erregen und hinreichend beworben zu werden, denn der Name scheint schon Qualitätsgarant genug. So also auch bei diesem Werk, das zwar nicht in der Scheibenwelt angesiedelt ist, aber dem „realen“ London die ein oder andere unkonventionelle Seite abgewinnen kann. Immer wieder glaubt man im Ansatz Parallelen zwischen Pratchetts Version von London und Ankh-Morpork zu erkennen, auch die Charaktere sind einigermaßen skuril wie man es aus der Scheibenwelt gewohnt ist, auch wenn es mir als Leser nicht so recht gelingen wollte mit den handelnden Personen warm zu werden. Die Quelle der Inspiration, die Pratchett gewählt hat, ist unüberlesbar. Motive aus „Große Erwartungen“ und „Oliver Twist“ verschmelzen mit den Geschichten Londoner Berühmtheiten wie dem teuflischen Barbier Sweeney Todd, Charles Dickens höchstselbst oder dem Gesellschaftskritiker Henry Mayhew. Bei diesem Namedropping ist man als deutscher Leser manchmal ein wenig überfordert. Es wird die Kenntnis der Persönlichkeiten vorausgesetzt, die in Großbritannien sicherlich jedem ein Begriff sein dürften. Auch das „Was ist eigentlich wo in London?“ und die monetären Begrifflichkeiten stellen eine Herausforderung an den Leser da. Es drängt sich der Eindruck auf, dass dieses Buch sich ausdrücklich an die Briten wendet. Nichts, wofür man den Autor kritisieren müsste, aber durchaus eine Schwierigkeit für den ausländischen Leser, der sich in London und seiner Historie nicht so gut auskennt.

„Dunkle Halunken“ soll laut Pratchett mehr als nur eine alternative Version von Dickens-Romanen sein. In einem angehängten Interview heißt es von Autor: „Dodger (Anm.: englischer Originaltitel) ist kein historischer Roman, sondern ein Roman mit historischem Hintergrund, der Spaß machen und wenn möglich ein wenig Interesse an der Ära wecken soll, die Henry Mayhew und seine Helfer so gut beschrieben haben.“

Für mich persönlich hielt sich der erwähnte Spaß beim Lesen in Grenzen. Das Erzähltempo plätscherte vor sich hin und man wusste während des Lesens gar nicht so recht, worum es in diesem Roman eigentlich inhaltlich genau geht. Ein Teil der Enttäuschung über den Roman ist sicherlich auch meinen großen Erwartungen (um im Bild zu bleiben) zu schulden. „Dunkle Halunken“ ist nun einmal kein Scheibenwelt-Roman, bei dem jede Szene das Zwerchfell kitzelt. Trotz der fehlenden „Lachmomente“, kann man „Dunkle Halunken“ aber durchaus Positives abgewinnen. „Es war eine Zeit ohne Bildung für alle, ohne Gesundheitsschutz und ohne soziale Absicherungen und Regeln, die heute für uns selbstverständlich sind“, heißt es im oben genannte Interview weiter. Diese Message wird durch die Handlung gut transportiert und es gibt zahlreiche Situationen in denen man sich als Leser genau dies bewusst macht. Und geht man nach Pratchett, wollte er ja genau dies erreichen.

 

Vielen Dank an ivi für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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