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Norman Doderer – Der Weg nach Aeswyn

Tyr, das einst große und stolze Reich der Elfen, ist nach einem schrecklichen Krieg in drei Königreiche zerfallen und seither durch Mauern getrennt. Getrieben von Misstrauen und Argwohn haben die Könige von Mag Môr, Tawhar und Aeswyn jegliche Beziehungen zueinander abgebrochen. Doch ein alter gemeinsamer Feind wirft abermals seine dunklen Schatten gen Tyr. 
Aladriel, der junge Prinz Tawhars, macht sich gegen den Willen seines Vaters auf, um in Aeswyn um Beistand zu bitten. Wird es dem jungen Waldelfen gelingen, das Reich gegen diese Bedrohung erneut zu einen? Oder besiegeln unüberwindbare Differenzen zwischen den drei Elfenvölkern ihr gemeinsames Schicksal? Eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse beginnt …

   Titel: Der Weg nach Aeswyn
   Autor: Norman Doderer
   Format/Seiten: Taschenbuch, 168 Seiten
   Herausgeber: Books on Demand
   Erschienen: 4. Juni 2014
   ISBN: 978-3735738844
   Preis: € 9,99

   Teil einer Reihe?   Die Legende von Tyr

 

Ich durfte die eBook-Version des Romans im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks lesen und mich mit anderen Interessierten austauschen. Zum Cover waren wir uns im Großen und Ganzen alle einig. Es wirkt geheimnisvoll und funktioniert gut als Eyecatcher – und es war wohl auch für einige von uns der Grund, sich näher für den Roman zu interessieren. Mir persönlich gefällt es bis auf den Verlaufseffekt beim Buchtitelhintergrund auch gut – Augenmotive sind eben stets ansehnlich.

Mit 168 Seiten in der Printausgabe ist dieser Roman eher kurz geraten – ein Punkt, der durchaus in der Kritik stand. Der Preis sei dafür zu hoch und als Auftakt einer Triologie, bei der die Folgebände auch bezahlt werden wollen, stimme die Leistung nicht. Obwohl man sagen muss, dass das Verhältnis in der Tat nicht gerade zum Kauf animiert, kann man jedoch auch die Erklärung des Autors verstehen. Bei einem unbekannten Autor sei man geneigt nicht so viel Geld auszugeben und der Leser solle die Möglichkeit erhalten die Geschichte erst einmal kennen zu lernen.  Für mich persönlich wäre der Preis kein Hinderungsgrund für den Buchkauf gewesen.

Widmen wir uns also nun dem Inhalt. Die Geschichte folgt einem strukturierten Verlauf. Vorstellung einzelner Charaktere, Beschreiben des Settings und Offenbarung des übergeordneten Konflikts. Und dann bleibt es ein wenig in eben jener Struktur stecken, die den Geschichten im Fantasy-Genre anhaftet. Nun erfindet man natürlich nicht jeden Tag das Rad neu und gewisse Grundmotive und Handlungsverläufe finden sich in jedem Roman aus diesem Genre (Held bricht gegen die geltenden Konventionen zu einer Reise auf, findet Begleiter, verliert sie wieder und muss sich allein beweisen, wird abgewiesen und scheitert und findet in aussichtsloser Situation doch noch einen Ausweg). Bei „Der Weg nach Aeswyn“ fehlte mir jedoch ein wenig die Finesse, mit der diese „Vorhersehbarkeit“ ein wenig überspielt wird. Als Leser hatte ich leider nie das Gefühl von einer Wendung überrascht zu sein und glaubte immer schon zu wissen, was mich inhaltlich auf der nächsten Seite erwartet.

Auch die erzählerische Kraft, die für eine Phantasie-Welt schlichtweg notwendig ist, kam mir ein wenig zu kurz. So ist die besondere Beziehung zwischen den Elfen und ihren wölfischen Reittieren eine tolle Idee, allerdings bleibt sie mir zu oberflächlich beschrieben. Es gibt zahlreiche weitere Beispiele für gute Ansätze, deren Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird. Die Naturverbundenheit der Elfen von Tawhar im Gegensatz zu den Anwandlungen der anderen beiden Elfenvölker und der zugehörige Glaube. Die vergangene Geschichte, die zum Bruch zwischen den Elfen und der Spaltung in verschiedene Länder geführt hat. Die düstere Gefahr, die alle Elfen gleichsam bedroht. Letztlich wäre die Welt von Tyr viel greifbarer, wenn man neben der eigentlichen Handlung ab und an einmal links und rechts abgebogen wäre, um das Setting griffiger zu machen. Das Fantasy-Genre lebt nun einmal davon.

Der Schreibstil deckte sich wieder mit meinem Eindruck von der Handlungsstruktur und Setting. Er übermittelte den Inhalt, war also ok. Mehr leider aber auch nicht. Ich war nicht gefangen. Ich konnte nicht in eine andere Welt eintauchen, sondern höchstens den Fuß hineinhalten. Und das ist für mich auch das große Manko an „Der Weg nach Aeswyn“. Fantasy muss leben, atmen, faszinieren, bezaubern, erschrecken. Man muss eine Beziehung aufbauen, nicht nur zu den Charakteren, sondern auch zu der Welt an sich.  Leider gelang mir dies nicht.

Die Charaktere fand ich hingegen besser ausgearbeitet, obwohl auch sie relativ stereotypisch und ohne Ecken und Kanten daher kommen. Sie verhielten sich jedoch nicht dümmlich und infantil, man konnte ihre Beweggründe nachvollziehen und der treue Begleiter des Prinzen vermochte es, mir doch ein paar Mal ein Lächeln entlocken. Nicht zuletzt wegen dieser Tatsache und den Ideen, die viel Potenzial bieten, ist der Roman kein totaler Reinfall. Aber sicherlich hätte man das Ganze griffiger gestalten müssen – und in gleichem Zuge auch das Problem gelöst, dass zu wenige Seiten gefüllt sind.

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