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[Rezension] George R. R. Martin – Westeros: Die Welt von Eis und Feuer

Um eine fantastische Welt lebendig erscheinen zu lassen, benötigt sie eine Vergangenheit. Daher erschuf Bestsellerautor George R.R. Martin den fiktiven Kontinent Westeros, auf dem sein Meisterwerk Das Lied von Eis und Feuer / Game of Thrones spielt, in jahrelanger Detailarbeit. Dieser prachtvoll ausgestattete Bildband präsentiert erstmals die Geschichte von Westeros – beginnend in der Zeit, in der die ersten Menschen den Kontinent betraten, über die Ankunft von Aegon dem Eroberer und seinen Drachen bis zu Robert Baratheons Rebellion gegen den wahnsinnigen König Aerys II. Targaryen. Damit ist WESTEROS – Die Welt von Eis und Feuer der wahre Prolog der erfolgreichsten Fantasyserie unserer Zeit.

   Titel: Westeros: Die Welt von Eis und Feuer
   Originaltitel: A World of Ice and Fire
   Autoren/Hrsg.: George R. R. Martin, E. Garcia, L. Antonsson
   Format/Seiten: Hardcover / 352 Seiten
   Verlag: Penhaligon
   Erschienen: 16. März 2015
   Preis: 29,99 € [DE]

   Teil einer Reihe?   Das Lied von Eis und Feuer

Seit Ende April läuft die fünfte Staffel von „Game of Thrones“ auch für die Fans in Deutschland. Was könnte da besser passen, als sich ein bisschen Background-Wissen anzueignen, mit dem man beim Rudelgucken oder munteren Plausch unter Freunden ein wenig angeben kann? Der im März erschienene Prachtband „Westeros – Die Welt von Eis und Feuer“ bietet eine perfekte Möglichkeit dazu. Ich möchte an dieser Stelle aber weniger auf den Inhalt eingehen, sondern eher eine Einschätzung abgeben, für wen dieses Buch sich meiner Meinung nach eignet und für wen nicht und anschließend auf einige meiner Highlights näher eingehen. Die Krux an diesem Buch ist nämlich, dass man viel zu viel darüber schreiben könnte. Es ist derart umfangreich gestaltet – allein die Optik lässt es schon vermuten – da fällt es schwer, Prioritäten zu setzen. Ich empfehle auf jeden Fall im Buchladen der Wahl einfach einmal ein wenig darin zu blättern. Die wunderschönen Illustrationen auf sich wirken zu lassen, die von namhaften Größen wie beispielsweise Ted Nasmith stammen (neben John Howe und Alan Lee DER Tolkien-Illustrator). Und auch einmal den ein oder anderen Absatz zu lesen, um ein Gefühl für den Schreibstil zu bekommen, denn hier wirken neben Martin selbst auch Elio M. Garcia und Linda Anderson mit, die seit 1999 mit Westeros.org eine der größten Fanseiten zur Fantasy-Serie betreiben. Befragt Google ruhig mal zu den beiden, es lohnt sich 😉

Aber nun zur Frage: An wen richtet sich dieses Buch?

Für eingefleischte Fans der Fantasy-Romane gehört dieses Buch auf jeden Fall ins heimische Bücherregal. Ich würde hier auch nicht unbedingt einen Unterschied zwischen jenen machen, die die deutsche Übersetzung gelesen haben, und jenen, die sich lieber an das englische Original halten. Ich gehöre zur zweiten Gruppe und hatte beim „Heckenritter von Westeros“ zwar ein paar Momente in denen ich ein bisschen länger über den ein oder anderen Bezug nachdenken musste, aber grundsätzlich besteht hier kein Verständnisproblem. Da die eigentlichen Charaktere der „Lied von Eis und Feuer“-Saga namentlich in diesem Prachtband eher hintergründig sind, fallen lediglich die Unterschiede der Ortsbezeichnungen auf. Aber auch dies dürfte kein Argument sein, dass gegen den Kauf spricht.

Für die Fans der TV-Serie, die sich bisher nicht durch die Bücher gelesen haben, will ich keine pauschale Empfehlung geben – hier kommt es auf die persönliche Neigung an und ob auch über die Serie hinaus schon ein bisschen Hintergrundwissen vorhanden ist. Zwar soll „Westeros – Die Welt von Eis und Feuer“ ja eigentlich genau dieses Hintergrundwissen vermittelt, allerdings befürchte ich, dass mancher von der Fülle an Text erschlagen wird. Das Buch wird häufig als Prachtband beschrieben und ohne Zweifel, die Illustrationen bereichern dieses Buch ungemein und sind allein schon Kaufgrund genug. Es gibt aber auch viel Text, der gelesen werden will, das Buch ist also nicht direkt vergleichbar mit einem „Buch zum Film“ wie man es von Kinofilmen kennt oder „Inside Game of Thrones“, den den beiden Begleitbänden zur Serie. Es gibt keinen groben Überblick, keine Informationen in kleinen Häppchen, sondern geht – was Buchformat und Seitenzahl ja bereits vermuten lassen – sehr ins Detail. Etwas mit dem selbst der eingefleischte Fan zugegebenermaßen manchmal etwas kämpft – ich beispielsweise habe die Targaryans erst mal Herscher sein lassen und jene Kapitel zunächst übersprungen, da für mich andere Kapitel interessanter waren. Dies ist aber gleichzeitig auch das Schöne an dem Buch: Man ist an keine Chronologie gebunden, sondern kann einfach drauflos blättern und lesen und gerade dort abtauchen, wo man gerade möchte.

Nicht geeignet ist dieses Buch hingegen für komplette Neueinsteiger, die weder Bücher noch Serie kennen und schauen wollen, ob die „Lied von Eis und Feuer“-Saga überhaupt etwas für sie ist. Lasst es! Lest lieber die ersten beiden Romane oder schaut euch Staffel 1 der Serie an. Alles andere führt nur zu Verdruss.

Meine persönlichen Highlights

Die bereits erwähnten Illustrationen. Hier kann man durchaus von einem Bildgewaltigen Buch sprechen! Allein die erste Doppelseite mit einer unglaublich detailreichen Zeichnung bzw. Fotomontage von Dragonstone habe ich geraume Zeit einfach nur angeschaut. Die nächste Seite lädt nicht nur Heraldik-Fans zum fröhlichen Wappenraten ein und keine Angst, wer hier nicht weiß, was zu wem gehört: Im Laufe des Bandes werden alle Wappen den jeweiligen Häusern zugeordnet. Illustriert werden jedoch nicht nur Orte und Städte, sondern auch Personen, historische Gegebenheiten und Fabelwesen. Man mag ja von den Targaryans halten, was man möchte, aber hübsch waren ihre Frauen ja schon. Interessant empfand ich auch die verschiedenen grafischen Ansätze der zahlreichen Illustratoren. Die meisten von uns sind sehr beeinflusst durch Darstellung und Aussehen der Orte und Charaktere in der Serie, denn nur die wenigsten dürften die Romane schon vor der Serie gekannt haben 😉 Da tut ein wenig Abwechslung gut und sorgt für den ein oder anderen „Ja, so würde das auch richtig gut aussehen“-Moment. Was aber auch allein durch die Illustrationen deutlich wird: Welch vielschichtige, fantastische Welt hat Martin da geschaffen!

Zu begeistern wissen mich auch die ausführlichen Karten, die jedem Kapitel über die Regionen der Sieben Königslande und dem Kontinent Essos vorangehen. Dort sind nicht nur die wichtigsten Städte, Burgen und Flüsse verzeichnet, sondern auch die häufigsten Rohstoffe. Da fühlt man sich ja fast an „Die Siedler von Catan“ erinnert. Und die eingangs erwähnten Wappen spielen noch einmal eine Rolle. Mal ehrlich, welches Haus mit welchem Bannermanne verschworen ist, das kann sich doch kaum ein Mensch aus dem Romantext heraus merken. Hier schafft das Buch Abhilfe. Zu jedem der sieben großen Häusern gibt’s die ritterliche Entourage mit Wappen und Namen und kurzer geschichtlicher Verbandelung.

Besonders erfreulich ist auch, das Essos, seine Inseln und das alte Valyria sehr viel Platz eingeräumt bekommen, das wird all jene begeistern, die bei den Büchern stets nie so genau wussten, wo sich Daenerys da gerade herumtreibt. Der leidgeplagte Leser der Romane muss ja immerhin erst einmal auf die Hälfte der bekannten Welt verzichten und darf den kompletten Kontinent Essos getrost seiner Fantasie überlassen. Die Stammbäume der Häuser Targaryan, Stark und Lannister runden das Ganze gemeinsam mit einer Übersicht über die bisherigen Könige von Westeros gelungen ab.

Mein Fazit

Abschließen muss ich auch einmal festhalten, dass das Buch bei der Verarbeitung eine sehr hohe Qualität besitzt. Der feste Einband gibt die notwendige Stabilität, die ein solches „Manifest“ braucht, um nicht beim ersten Blättern auseinander zu fallen. Im Gegensatz zu den „Inside Game of Thrones“-Büchern besitzt es auch kein Softcover, sodass es für mich persönlich weniger kratzanfällig ist. Der Einband ist beprägt und ein Lesebändchen gibts auch noch dazu. Insgesamt fügt es sich zwar durch das Format etwas sperrig in die Regalsammlung, aber optisch passt es durch die gleiche Schriftart und den beigen Hintergrund sehr gut zu den deutschen Ausgaben.

Ein bisschen weniger Text und Ausführlichkeit hätten es vielleicht auch getan, dafür ist dann aber auch für jeden etwas dabei. Man kann sich frei und ungebunden an eine Chronologie im Buch bewegen. Kapitel, die nicht ganz so interessant erscheinen, können getrost übersprungen werden und es bleibt immer noch eine ganze Schatzkiste voller interessanter und lesenswerter Dinge übrig, die wir Fans des „Lieds von Eis und Feuer“ der Welt von Westeros in dieser Form vielleicht noch nicht abgewonnen haben.

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