Books

[Rezension] Mia Winter – Janusmond

„Es wird Sie verändern! Wenn ich zu Ende erzählt habe, wird in Ihrer Welt nichts mehr so sein, wie es war. Etwas in Ihnen wird sich öffnen und Sie bereichern, aber etwas anderes wird für immer zerbrechen …“

Die französische Stadt Louisson leidet unter der Hexenhitze, als der Deutsche Leon Bernberg dort auftaucht, um nach seiner Zwillingsschwester Lune zu suchen. Diese hat vor zehn Jahren hier gelebt – und verschwand damals spurlos. Leon will sie nun offiziell für tot erklären lassen und bittet den Polizisten Christian Mirambeau um Hilfe. Doch durch Leons Erzählungen gerät auch Christian in den Bann der verschwundenen Fremden. Er beginnt Nachforschungen in dem Fall anzustellen – nicht ahnend, dass er damit sein eigenes Glück bereits verspielt hat …

   Titel: Janusmond
   Originaltitel:
   Autoren/Hrsg.: Mia Winter
   Format/Seiten: Broschiert / 416 Seiten
   Verlag: Egmont Lyx
   Erschienen: 2. April 2015
   Preis: 14,99 € [DE]

   Teil einer Reihe?   Nein

Stutzig sollte man beim Blick auf das Cover schon bei der Bezeichnung „Roman“ werden. Dieses Wort prangt da nämlich unter dem Buchtitel – und verwirrt. Denn für mich schreit alles an diesem Buch ganz laut „Thriller“! Der Klappentext für sich gesehen vielleicht noch nicht einmal, aber zumindest das Cover mit den blutroten Fensterläden und auch die theatralische Schwarzfärbung der Buchschnitte.
Schlägt man das Buch nun auf und begibt sich mit ersten Schritten in die Welt des Romans, bekommt man auch erst einmal vieles, das auch bei einem Thriller prima als Ausgangssituation funktionieren würde. Eine seit Jahren verschwunde Frau, ihr gepeinigter Zwillingsbruder mit den undurchsichtigen Motiven, ein Ermittler, der sich nicht mit einem „Ist doch ohnehin bald verjährt“ abgibt, sondern sich engagiert auf die Suche nach Antworten macht. Hinzu kommen das abnorme und selbstzerstörerische Verhalten der Vermissten, zwielichtige Gestalten mit noch zwielichtigeren Geheimnissen, familiäre Abgründe hinter unschuldig weißen Fassaden und zwei Tote, wobei im Roman nur das Schicksal und warum einer Person aufgeklärt wird (wenn man es gründlich betrachtet, noch nicht einmal dies). Hier merkt man schon, das Ganze ist bzw. bleibt wenig blutig, besitzt aber noch einen Hauch von Psycho-Krimi. Und auch immer noch wenn man sich genauere Gedanken darüber macht, inwiefern der afrikanische Hochschulprofessor mit den geheimen sexuellen Vorlieben, der kleinwüchsige spanische Blumenverkäufer mit Stalker-Ambitionen und der Weingutsbesitzer, der sich in Rotlichtspilunken rumtreibt, inhaltlich in die Geschichte passen.
Aber spätestens, wenn der französische Kommissar den Bruder der Vermissten zu sich nach Hause holt, um ihn bei Frau und Kindern übernachten zu lassen, kommen doch erste Zweifel daran, ob das jetzt wirklich ernst gemeint ist. Zumal der Ermittler die Fotos seiner Familie vom Schreibtisch nimmt, weil ihm klar wird „immer wenn etwas so grausames geschieht [weiß man nie], wer einem hier gegenübersitzt“ (S. 143). Vollkommen schlüssiges Verhalten, wenn ihr mich fragt – nicht. Auch die Ehefrau des Polizisten lässt sich erschreckend schnell in den Bann des charmanten Fremden mit den sensationellen Kochkünsten schlagen. Ja wir Frauen, wir mögen einfach Männer, die kochen können und uns die Erfüllung unserer geheimsten erotischen Fantasien ins Ohr säuseln. Was wird denn bitte hier für ein Frauenbild gezeichnet? Erst die vermeintlich gesiteskranke Vermisste, die als Kind missbraucht wurde und sich nach Frankreich flüchtet, um sich im Rotlichtviertel im Abschaum der Gesellschaft zu suhlen, und dann das Hausmütterchen in den Dreißigern mit perfektem Mann, perfektem Haus und perfekter Familie, das aber gerne mal durchs Bett gedräscht werden möchte? Platter gehts kaum…im letzten Drittel waren mir die sexuellen Abgründe auch der anderen Romanfiguren einfach zu präsent. Stattdessen hätte man sich lieber inhaltlichen Fragen widmen sollen.

Und was am Ende ein durchaus spannender Showdown hätte werden können, verkommt zu einem kurzen – man ist fast geneigt zu sagen, unliebsamen, aber notwendigen – Schnitt (im wahrsten Sinne des Wortes) und lässt den Leser mit der Erkenntnis zurück, dass man den tatsächliche, sachlichen Inhalt gut auf einer halben DIN-A4-Seite hätte zusammenfassen und sich die knapp 400 Seiten hätte sparen können. Zu viele offene Fragen bleiben: Wer war das Tote Mädchen im Fluss? Warum hat Leon sich an der Tat des Professors und des Weinverkäufers beteiligt? Wer hat Spiegelberg wirklich umgebracht? War der Tod der Mutter Selbstmord? Und nicht zuletzt die Frage, die der französische Ermittler am Ende des Romans stellt: „Wer ist denn nun wirklich der oder die Verrückte in Ihrer Familie?“ (S. 385)

FAZIT

„Es wird Sie verändern! Wenn ich zu Ende erzählt habe, wird in Ihrer Welt nichts mehr so sein, wie es war. Etwas in Ihnen wird sich öffnen und Sie bereichern, aber etwas anderes wird für immer zerbrechen …“ So heißt es im Beschreibungstext. Nun ja das kann ich für mich nicht gerade behaupten. Und irgendwie ist das auch gut so und ein echt tröstlicher Gedanke.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s