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[Rezension] Julia Adrian – Die dreizehnte Fee: Erwachen

Ich bin nicht Schneewittchen.
Ich bin die böse Königin.

Für tausend Jahre schlief die Dreizehnte Fee den Dornröschenschlaf, jetzt ist sie wach und sinnt auf Rache. Eine tödliche Jagd beginnt, die nur einer überleben kann. Gemeinsam mit dem geheimnisvollen Hexenjäger erkundet sie eine Welt, die ihr fremd geworden ist. Und sie lernt, dass es mehr gibt als den Wunsch nach Vergeltung.

»Kennst du das Märchen von Hänsel und Gretel?«, frage ich flüsternd. Er braucht mir nicht zu antworten, er weiß, dass nicht alle Märchen wahr sind. Nicht ganz zumindest. Es gibt keine Happy Ends, es gab sie nie. Für keine von uns.

   Titel: Die dreizehnte Fee – Erwachen
   Originaltitel:
   Autoren/Hrsg.: Julia Adrian
   Format/Seiten: eBook / 156 Seiten
   Verlag: neobooks
   Erschienen: 15. April 2015
   Preis: 2,99 [DE]

   Teil einer Reihe?   Die dreizehnte Fee

Bevor ich mich dem Buch inhaltlich annehme, möchte ich ein bisschen erzählen, wie ich darauf gestoßen bin – mancher mag sagen: Ein bisschen dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kinde 😉

Dieses Jahr im Mai habe ich bei der lieben Verena von Books-and-Cats zum ersten Mal von diesem Buch gelesen (Rezension) und war gleich angefixt, auch wenn die Rezension über den eigentlichen Inhalt wenig verraten hat. Aber zum einen ist auf Verenas Meinung meist Verlass und diese Art von alternativer Märchenerzählung kann mich regelmäßig begeistern (wie beispielsweise auch schon bei Chris Colfers „Land of Stories“-Reihe). Wer mich näher kennt, weiß, dass das nicht von ungefähr kommt, habe ich mich doch während meiner Schreibrollenspiele-Zeit jahrelang dem Märchen-Thema verschrieben und sogar mal ein Forum dazu administriert. An dieser Stelle auch herzliche Grüße an alle, die meine zweifelhaften literarischen Ergüsse ertragen mussten – ich weiß, es war (bzw. ist) nicht immer einfach *lach* Aber wie dem oft so ist, bei der Fülle an Neuerscheiungen, dem Überangebot an allem, was lesenswert erscheint und einem SuB, der sich komplett verselbstständigt hat, verschwand „Die 13te Fee“ irgendwie aus meiner Wahrnehmung bis ich vor einigen Tagen bei Lovelybooks eine (leider bereits abgelaufene) Leserunde und einige Bloggeraktionen entdeckte und mit meinem Interesse für die Geschichte nicht hinter dem Berg halten konnte und munter drauf los kommentierte. So entstand ein netter Kontakt mit der Autorin, die an dieser Stelle herzlich gegrüßt werden soll. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar! Ich bin begeistert. Und um euch nun an meiner Begeisterung teilhaben zu lassen kommen wir zum „offiziellen Teil“ 😉

Cover und Gestaltung

Zu Märchenerzählungen gehört auch immer ein märchenhaftes Cover, das wissen wir nicht erst seit Cornelia Funkes „Reckless“-Reihe. Und „Die 13te Fee“ kann sich durchaus sehen lassen. Neben einem goldenen Rahmen, der den Titel – in toller Schriftart geschrieben – umschließt und als Spiegel gedeutet werden könnte, sind auch einzelne Ranken zu sehen, die man für einen Hinweis auf Dornröschens Dornenhecke halten kann. Gute Hinweise auf die inhaltliche Basis der Geschichte. Auch der Klappentext auf der Rückseite sieht super aus, man kann also guten Gewissens sagen: Die Aufmachung des Buches versetzt den Leser schon einmal in die richtige Stimmung. Neben den stimmungsvollen Kapitelüberschriften sind im Buch selbst auch einige schöne Zeichnungen enthalten. Mancher tut sich damit vielleicht ein bisschen schwer, da er die eigene Vorstellung davon beeinflusst sieht, und auch ich selbst brauche Zeichnungen nicht unbedingt. Sie schaden aber auch nicht und geben wir doch zu: Wir alle haben schon mal bei tumblr nach Real-Life-Grafiken von Roman- und Animationsfilm-Charakteren gesucht 😉

Der Inhalt

„Es ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint.“ (S. 4)

So endet die Widmung der Autorin auf den ersten Buchseiten. Und nichts könnte treffender sein, um die folgende Geschichte zu beschreiben. Wir Leser treffen auf Lilith, der dreizehnten Fee und Königin der Feen, die nach dem Verrat durch ihre Schwestern von einem Prinzen, ihrer vermeintlichen großen Liebe, aus jahrhundertelangem Schlaf geweckt wird. Von ihrem Retter im Stich gelassen, muss sie sich als unfreiwillige Gefährtin einem Hexenjäger anschließen und sich bereits nach kurzer Zeit dem ersten Attentat durch eine ihrer Schwestern, die mächtige Schneekönigin, erwehren. Nicht erst jetzt reift in Lilith der Wunsch, sich an ihren Schwestern zu rächen, im Hexenjäger wittert sie einen guten Verbündeten. Auch der Hexenjäger hat ein Interesse an einem Pakt mit seiner Gefangenen, seine wahren Beweggründe werden jedoch erst im Verlauf der Geschichte durchsichtiger. Gemeinsam wagt das ungleiche Pärchen die Konfrontation mit der Kinderfresserin, durch die Hänsel einst den Tod fand, der Giftmischerin, die Schneewittchen nach dem Leben trachtete, und der Meerhexe, die der Meerjungfrau ihre Stimme raubte. Dabei trägt Lilith einen Kampf mit sich selbst aus. Der einstige Königin in ihr sinnt auf Rache, doch ihr vermenschlichtes Ich sehnt sich nach innerem Frieden und dem, was sie schon in ihrem alten Leben verzweifelt suchte: Liebe. Sie versucht den Hexenjäger – nicht nur ihretwillen – davon zu überzeugen, dass alle Feen ihre Gründe dafür hatten, „böse“ zu werden – und trifft am Ende der Geschichte eine folgenschwere Entscheidung, die den begeisterten lese auf eine baldige Fortsetzung hoffen lässt…

Was macht diese Geschichte so besonders?

Beginnen wir mit dem Schreibstil. Aus der Ich-Perspektive im Präsens formuliert, bewegt sich der Leser vordergründig in Liliths Gedankenwelt und folgt ihrer Sicht auf die Dinge. Der Schreibstil ist klar und gradlinig, schnörkellos mit kurzen, aber prägnanten Sätzen. Und normalerweise beginnen spätestens dann meine Alarmglocken zu schrillen. Ich bin ausgesprochener Fan von blumigen Formulierungen, von schwelgerischem Blabla, von ausschweifenden Beschreibungen eines Settings. Zum ersten Teil der „Reckless“-Reihe habe ich einmal als Kritik gesagt: „Da steht ‚Und sie gingen in den Wald‘. Ich will da aber so etwas lesen wie ‚Sie gingen in den Wald, unter ihren Stiefel knackte ein morscher Ast, in den Wipfeln der Bäume war es gespenstig still nur ein eisiger Wind fuhr ihnen durch die Glieder.‘ “ So etwas schafft mir normalerweise beim Lesen Atmosphäre, erleichtert mir das Einlassen auf eine magische und fantastische Welt voller Fabelwesen und Märchengestalten.

Und jetzt hab ich hier „Die 13te Fee“, die einfach mal überhaupt nichts davon besitzt. Und wisst ihr was? Das ist auch gut so. Ich verzichte also auf das pompöse Schloss, den romatischen See und den im Abendlicht leuchtenden Feenbaum und gratulieren der Autorin zu einer Sache, die manchem selbst mit schwelgerischem Blabla nicht gelingt: Atmosphäre schaffen, und zwar nicht durch das Drumherum, sondern durch die Gefühle der Protagonistin. Ohne dass man dutzende Worte darauf versch(w)enden muss, ist man als Leser Teil ihres Zorns, ihre Verzweiflung, ihre Sehnsüchte. Als Lilith sich eines kleinen Mädchens annimt, während dessen Mutter als vermeintliche Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrennt, ist es eben nicht die detailgetreue Beschreibung dieses grausamen Todes, die dem Leser einen Schauer über den Rücken jagt. Es sind die Parallelen, die Lilith zu sich selbst und ihrem Schicksal zieht, als sie sich daran erinnert, wie sie die erste böse Tat ihres Lebens vollbrachte und sich am Schluss verteidigt: „Ich war doch nur ein Kind. Ich wusste nicht, was ich tat“ (S. 87).

Nach den Motiven „Es ist nichts wie es scheint“, „Ich hatte doch gute Absichten“ oder „Ich wusste nicht, was ich tat“ funktionieren auch die Geschichten der anderen Feen. So verwand die Kinderfresserin niemals den schrecklichen Mord an Hans, zu dem man sie zwang. Die Brunnenhexe entführte die verwöhnte Prinzessin nur um sie für ihr selbstsüchtiges Verhalten zu strafen und das Rattenbiest sandte eine Ungezieferplage über das Land, da die Menschen sie ungerechtfertig verteufelten. Etwas vermeintlich Böses aus einer anderen Sicht zu beleuchten – eine tolle Idee, die mich sehr begeisterte. Auch wenn die Nicht-Feen durch die Erzählweise aus Liliths Sicht ein wenig ins Hintertreffen geraten, sind auch sie durchaus eine Bereicherung. Der Uhrmacher als Wächter über die Lebenszeit aller Geschöpfe, die Bande aus Hexenjägern und nicht zuletzt natürlich der Hexenjäger selbst, der so viel mehr ist als das angeschmachtete Herzensobjekt von Lilith. Es zieht mich schon fast wieder in Richtung Photoshop, ich hab den Drang tumblr-Grafiken zu basteln xD Das ist immer ein todsicheres Zeichen dafür, dass mir etwas sehr gefallen hat.

Zuletzt sei noch ein Wort zu der Verwendung der bekannten Märchenmotive verloren. Die bösen Frauen aus den Märchen zu Geschwistern im Geiste zu machen, die gemeinsam aufgewachsen sind – eine tolle Idee. Ebenso, dass Lilith Opfer ihres eigenen Zaubers wird, den sie einst über die Prinzessin verhängte – wobei man sich als Leser nicht sicher sein kann, ob das Märchen Dornröschen überhaupt stattgefunden hat und Liliths böse Taten sich nicht in Wahrheit ganz anders ausgedrückt haben. Liliths Grab kommt weniger als Schloss, sondern eher wie Rapunzels Turm daher, lediglich die umgebende Dornenhecke erinnert an Dornröschen. Der Turm wurde durch einen Zauber verborgen, der erst schwindet, nachdem die ersten beiden Feen getötet wurden. dazu fällt mir ad hoc keine Märchenverbindung ein, aber kennen tut man das zumindest aus Terry Gilliams „Brothers Grimm“ (furchtbarer Film, by the way). Dass die Giftmischerin jene Untertanen zum Tode verdammt, indem sie ihnen einen Apfel vor die Tür legt und in Anspielung auf die Ursünde auch noch Eva heißt – für mich an Genialität kaum zu überbieten. Hier versteht jemand nicht nur in Sachen Formulierung und Schreibstil sein Handwerk, sondern leistet auch inhaltlich brilliante Arbeit.

Mein Fazit

Eigentlich sind der Worte nun genug gesprochen (vielleicht sollte ich mir ein Beispiel an der Autorin nehmen ;)). Ich denke es dürfte hinreichend klar geworden sein, warum ich von dieser Geschichte vollauf begeistert bin und gar nicht erwarten kann, wie es denn nun weitergeht. Und die durchweg positiven Reaktionen auf anderen Blogs, bei Lovelybooks oder Amazon sprechen eine ebenso eindeutige Sprache. Diese Geschichte zu lesen, war eine echte Bereicherung. Vielen Dank dafür!

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