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[Rezension] Patrick Rothfuss – Die Furcht des Weisen (Teil 2)

Kvothes Abenteuer führen ihn in das Feenreich, wo er der betörenden Felurian begegnet, die ihn durch ihre märchenhafte Schönheit fast willenlos macht. Nur durch eine List kann er sich aus ihren Armen befreien. Und sein Weg führt ihn weiter zu den stillen Kriegern der Adem, von denen er die hohe Kunst des Lethani erlernt und das Schwert Saicere verliehen bekommt. Mit ihm und einem von Felurian gewobenen Schattenmantel tritt Kvothe die Reise zurück zum Hof des mächtigen Maer an, doch unterwegs wartet entsetzliches Unheil auf ihn…

   Titel: Die Frucht des Weisen – Teil 2
   Originaltitel: The Wise Man’s Fear
   Autoren/Hrsg.: Patrick Rothfuss (Stefan Kaminski)
   Format/Seiten: 3 CDS, Laufzeit 1017 Minuten
   Verlag: Der Hörverlag
   Erschienen: 13. Juni 2013

   Teil einer Reihe?   Königsmörder-Chroniken #2

Heute gehts an dieser Stelle also weiter mit Teil 2 des zweiten Tages der Königsmörder-Chroniken von Patrick Rothfuss. Bei Teil 1 bin ich zeitweise zweigleisig gefahren und habe abwechselnd gelesen und das Hörbuch gehört. Bei Teil 2 habe ich mich nun mehr auf das Hörbuch konzentriert und weniger im eigentlichen Romantext gelesen, daher wird diese Rezension sich mit dem Hörbuch beschäftigen. Da es sich bei den Hörbüchern beider Teile um ungekürzte Lesungen handelt, muss man auch nicht befürchten, dass inhaltlich das ein oder andere auf der Strecke bleibt. Für ein Werk dieser Dimensionen war nicht unbedingt zu erwarten, dass die Lesung nicht gekürzt wird und dies sorgt schon einmal für einen sehr positiven Eindruck.

Widmen wir uns zuerst dem Inhalt, der natürlich nicht so ausführlich ausfällt, wie bei Teil 1, schließlich sprechen wir bei Teil von „nur“ 523 Seiten 😉

**********Vor Spoilern wird ausdrücklich gewarnt**********

Da die deutsche Übersetzung aufgrund des großen Umfangs der englischen Vorlage in zwei Bände geteilt wurde, knüpft die Handlung unmittelbar an das letzte Kapitel von „Die Furcht des Weisen – Teil 1“ an. Kvothe und seine Gefährten erholen sich gerade noch vom Angriff auf die Banditen, als sie dem sagenhaften Feenwesen Felurian begegnen. Während die anderen widerstehen können, wird Kvothe vollkommen in den Bann der Fee geschlagen. Was folgt ist das Großartigste und Unterhaltsamste, was ich seit langem gelesen habe. Ich habe so oft laut lachen müssen. Allein die Passage um Felurian entschädigte mich für alles, was an „Die Furcht des Weisen – Teil 1“ langatmig war. Ohne zu viel zu verraten, der unbedarfte Kvothe wird in Sachen Liebe nie wieder derselbe sein. Doch auch die Zeit bei der Fee währt nicht ewig. Ausgestattet mit einem magischen Schattenmantel kehrt Kvothe zu seinen Gefährten zurück, nur um mit einem von ihnen erneut auf Reisen zu gehen. Am Rand der bekannten Welt wird von den Adem ins Lethani eingeführt. Genau wie Kvothe hat man als Leser zu Beginn wenig Ahnung davon, was Lethani eigentlich ist. Im Gegensatz zu Kvothe blieb ich am Ende jedoch weiterhin irgendwie im Dunkel darüber. Der Textabschnitt zur Zeit bei den Adem war durchaus interessant und nimmt in Relation zur gesamten Handlung innerhalb von Teil 2, aber auch beider Teile zusammen genommen genau die richtige Länge ein: Ausführlich genug, aber nicht zu detailverliebt und man hat nicht das Gefühl auf der Stelle zu treten. Etwas, das bei Teil 2 ganz im Gegenteil zu Teil 1 durchweg positiv ins Gewicht fällt. Am Ende seiner Ausbildung angelangt, erhält Kvothe ein Schwert – ist es tatsächlich jenes Schwert, das wir bereits aus dem Gasthaus am Wegstein kennen? – und kehrt zum Hof des Maers zurück. Das proklamierte entsetzliche Unheil auf dem Weg dorthin entpuppt sich derweil zwar als durchaus unschön, aber besitzt doch bei weitem nichts von der großen Tragweite, die man als Leser erwartet – ich war fest davon überzeugt, dass wir noch einmal den Chandrian begegnen würden. Wieder einmal ein schönes Beispiel für Irreführung des Lesers^^ Beim Fürsten angekommen, erwartet Kvothe jedoch nicht die erhoffte Dankbarkeit über den Erfolg im Kampf gegen die Banditen und so kehrt Kvothe schließlich, wenn auch finanziell nun gut ausgestattet, zur Universität nach Imre zurück. Dort schließt die Handlung aus der Vergangenheit auch – natürlich nicht ohne noch den ein oder anderen Lacher bereitzuhaben (Stichwort: Je höher die Studiengebühren, desto besser). Die Handlung in der Gegenwart bekommt noch einmal eine Wende, die man als Leser so auch nicht erwartet. Weiß man von Kvothes Lehrling Bast fast so gut wie nichts, bekommt man zum Ende noch einmal etwas zu lesen, das einem wirklich zu denken gibt – und noch mehr auf die Fortsetzung bzw. das Finale der Königsmörder-Chroniken hinfiebern lässt, in der hoffentlich all die offenen Fragen geklärt werden, die noch im Raume stehen.

Wie schon angeklungen, hatte ich mit Teil 2 des zweiten Tages viel weniger Probleme als mit Teil 1. Es gibt drei bzw. zählt man die Rückkehr zur Universität mit vier Erzählstränge in der Vergangenheit, die die Handlung voranbringen und im richtigen Verhältnis zueinander stehen. Ergänzt wird das ganze durch die interessanten Twists, die sich aus der Gegenwart, sprich der Handlung im Gasthaus am Wegstein, ergeben. So hätte man sich den Aufbau der Story für den gesamten Text von „Die Furcht des Weisen“ gewünscht und ich hoffe, dass der dritte Tag der Königsmörder-Chroniken mich in dieser Hinsicht ein bisschen besser zurfriedenstellen kann.

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Zuletzt noch einige Wort zum Hörbuch und dem Sprecher. Die Aufmachung des Hörbuchs ist toll gelungen und greift auch die Details auf, die im Buchtext selbst zu finden sind. Es gibt eine Übersichtskarte der bekannten Welt, die Währungstabelle und die Zusatzinformationen zu Wochentagen und Kalender, die für das Verstehen des Romantextes und natürlich auch des gesprochenen Textes so wichtig sind. Man braucht also auch hier wieder keine Angst haben, dass durch die Entscheidung für das Hörbuch etwas auf der Strecke bleibt.

Der Sprecher des Hörbuchs – Stefan Kaminski – war mir schon durch einige andere Hörbücher bekannt, allen voran durch seine großartige Leistung in der „Century“-Reihe, in der er jedem der vier jugendlichen Protagonisten einen eigenen sprachlichen Charakter verleiht und die ganze Bandbreite seines Könnens abruft. Die Königsmörder-Chroniken stellen insofern einen Gegensatz dazu dar, dass sich das ganze inhaltlich ja schon praktisch nur auf Kvothe als Protagonisten fokussiert. Es gibt von der textlichen Vorlage her schon keine Handlungsstränge, die sich nicht auf Kvothe selbst beziehen, die Erzählperspektive ist rein auf Kvothe beschränkt. Dies merkt man auch dem Hörbuch an, denn es werden nicht dutzende sprachliche Varianten von vielen Charakteren geboten, sondern alle auftretenden Charaktere werden durch Kvothes Sicht wahrgenommen – und dies vermittelt Stefan Kamsinki ganz wunderbar durch seine konstante und trotzdem jeder Situation angemessenen Sprechweise. Das mag mancher vielleicht als langweilig und monoton empfinden, es ist jedoch die angemessene Umsetzung der Perspektive aus dem Romantext selbst. Ein großes Lob für diesen tollen Job!

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