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[Rezension] Cass Morgan – Die 100

Eine packende Mischung aus »Der Herr der Fliegen« und »Die Tribute von Panem«
Seit einem vernichtenden Atomkrieg lebt die Menschheit auf Raumschiffen. 300 Jahre lang hat niemand mehr die Erde betreten. Doch nun sollen 100 jugendliche Straftäter das Unmögliche wagen: zurückkehren und herausfinden, ob ein Leben auf dem blauen Planeten wieder möglich ist. Doch was die idealistische Clarke, der geheimnisvolle Bellamy und die anderen Verurteilten nach ihrer Ankunft vorfinden, raubt ihnen den Atem. Ein tödliches Abenteuer beginnt, auf das sie kein Training der Welt hätte vorbereiten können …

   Titel: Die 100
   Originaltitel: The 100
   Autoren/Hrsg.: Cass Morgan
   Format/Seiten: Broschiert | 320 Seiten
   Verlag: Heyne fliegt
   Erschienen: 27. Juli 2015

   Teil einer Reihe?   Die 100

Eine Serie, ein Hype, ein Buch – so lautete das Erfolgsrezept von „Die 100“. Was als Geheimtipp bei den Serienjunkies begann, wuchs sich spätestens beim Deutschland-Start der Serie im Juli zu waschechten Begeisterungsstürmen aus und auch mich hat’s voll erwischt. Die Entstehungs-Geschichte von Serie und Buch kommt ein wenig unkonventionell daher. Grundlage der Serie bildet der Roman, der von Cass Morgan verfasst wurde. Der Autorin gelang es jedoch noch vor Erscheinen des Buches die TV-Rechte an den Mann zu bringen, sodass sie oft darüber aufklären muss, dass Serie und Roman zeitlich zwar dicht beeinander liegen, es den Roman aber schon vorher gab und sie eben nicht die TV-Serie noch einmal nacherzählt. Was nicht gerade unerheblich ist, denn der geneigte Leser wird feststellen, dass es sich bei Serie und Buch doch durchaus um zwei unterschiedliche Paar Schuh handelt. Nehmen wir den Roman also näher unter die Lupe.

Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von vier Jugendlichen. Clarke ist die Tochter zweier Wissenschaftler, die wegen verbotener Menschenexperimente hingerichtet wurden. Clarke ist selbst in diese Sache verwickelt und steht wie viele andere Jugendliche kurz vor ihrem 18. Geburtstag, an dem das Verfahren erneut aufgenommen und das endgültige Urteil – Tod oder Wiederaufnahme in die Gesellschaft – gefällt werden soll. Zusammen mit 99 anderen Straftätern wird sie in einer geheimen Mission zur Erde geschickt, um Herauszufinden, ob diese wieder bewohnbar ist.

Zweiter Erzähler ist Wells, der Sohn des Kanlzers der Raumstation. Da er die wahren Hintergründe um die Verbrechen von Clarkes Eltern kennt, provoziert er seine Festnahme, um mit zur Erde zu fliegen und Clarke zu beschützen.

Ähnliche Motive leiten auch Bellamy, dessen Schwester sich unter den 100 befindet. Beim Start der Raumkapsel gelingt es ihm spektakulär mit an Bord zu gelangen.

Vierte im Bunde ist das Mädchen Glass, dem durch Bellamys Ablenkungsmanöver die Flucht zurück auf die Raumstation gelingt. Aus ihrer Perspektive verfolgt der Leser die Geschehnisse im All, während man durch die anderen drei Charaktere vom „Überleben“ auf der Erde erfährt.

Jenes „Überleben“ bietet in vielen Rezensionen Anlass zur Kritik an der Handlung. Die Jugendlichen erreichen die Erde und erst einmal sieht alles nach eitel Sonnenschein aus. Mit der Zeit entwickelt sich jedoch die obligatorische Gruppendynamik beim Finden der Hackordnung. Wie die Serie legt auch der Roman hier größeren Wert auf das Zwischenmenschliche, statt darauf einzugehen, wie man es sich denn konkret „heimelig“ macht. Lager bauen, Essen jagen, was man eben so zum „Überleben“ braucht. Mich persönlich stört das wenig, da mich eben gerade das Zwischenmenschliche mehr interessiert, ich kann aber schon verstehen, dass Aufgrund des dramatischen Settings (Atomkrieg, Erde verwüstet, wer weiß, was da an Mutationen herumkreucht!) eine gewisse Erwartungshaltung geweckt wird, die der Roman eindeutig nicht bedient.

Dies ist nicht zuletzt der Erzählweise des Romans geschuldet. Bei der Art, wie der Roman angelegt ist, bleibt wenig Raum für die Geschehnisse der Gegenwart. Jeder Protagonist erzählt neben dem, was er auf der Erde oder der Raumstation erlebt, wie er denn in die Situation geraten ist, in der er sich zu Beginn (beim Start der 100 zur Erde) befand. Wir bekommen also gleichzeitig Vorgeschichte und Hauptgeschichte erzählt und das von gleich vier Protagonisten. Auf nur 320 Seiten. Das ist sportlich, verleiht der Geschichte aber den nötigen Zug. Trotz der Verstrickungen zwischen Clarke und Wells und der damit einhergehenden Gefahr, dass man sich inhaltlich wiederholt, bleibt dieser Zug erhalten. Für mich ein großes Plus des Romans, der für mich nicht zuletzt durch eben diese Erzählweise auch komplexer daher kommt als man es erwartet.

Zuletzt möchte ich noch kurz auf die Unterschiede zwischen Serie und Roman eingehen, die auf den zweiten Blick gar nicht so gravierend sind, wie es scheint. Ja, es gibt gewisse (lieb gewonnene) Charaktere der Serie nicht in der Vorlage: Monty, Jasper, Murphy, Clarkes Mutter Abigail oder auch Marcus Kane (der für mich persönlich der großartigste Charakter des gesamten Serie ist – Stichwort Character Development ;)) Das ist aber nicht weiter schlimm, da es alle (bis auf Abigail natürlich) auch im Buch theoretisch geben könnte – es wird eben nur nicht von ihnen erzählt. Oder sie treten in Erscheinung, werden aber nicht namentlich genannt. Dafür bekommt man aber Glass, die in der Serie überhaupt nicht auftaucht, dem Buch aber eine gute und wichtige Erzeählperspektive verleiht. Wäre von der Raumstation aus Sicht eines Erwachsenen erzählt worde, hätte sich das für mich falsch angefühlt.
Und zuletzt eine Warnung an alle, die auf das Love-Triangle Clarke-Finn-Raven hoffen. Das sucht man vergeblich, dafür bekommt man aber eines das aus Wells-Finn-Bellamy besteht – was für mich by the way auch viel sinniger als in der Serie daher kommt. Wells hatte als Charakter mit seiner Vorgeschichte in der Serie so viel Potential, musste aber leider weichen, damit Bellamy zum Anführer hochstilisiert werden und Clarke mit dem „Lass mal alle Freunde sein“-Typ voller Ideale rum-romantisieren kann (merkt man, dass ich ein Problem mit Finn habe? xD). Allein für Wells und seine Sicht der Dinge hat es sich für mich schon gelohnt, den Roman zu lesen.

FAZIT
Wie fällt also das Fazit aus? Wer die Serie liebt, wird auch den Roman mögen? Mit dieser Aussage bin ich vorsichtig, da dies sehr davon abhängt, was man an der Serie mag. Wenn man an den Charakteren hängt, wird man mit dem Buch wenig glücklich. Wenn man sich aber eine Variante des Settings und der grundlegenden Handlung erhofft, wird man sicherlich gut unterhalten. Ich gehöre eher zur zweiten Gruppe 🙂

Für alle Fans der Serie gibt es gute Nachrichten: Pro7 hat den Start der zweiten Staffel um eine Woche nach vorn, auf den 7. Oktober, gezogen. Nach dem gemeinen Cliffhanger zum Ende von Staffel 1 ein feiner Zug 😉

Auch die Fans der deutschen Bücher dürfen sich freuen: Band 2 – Die 100: Tag 21 – erscheint nicht erst, wie ursprünglich geplant, zu Beginn des nächstens Jahres, sondern bereits am 19. Oktober. Bei der Frankfurter Buchmesse wird man somit sicherlich schon einmal einen kurzen Blick riskieren können! Ich freu mich drauf.

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4 thoughts on “[Rezension] Cass Morgan – Die 100”

  1. Hey 🙂
    Ich habe den ersten und auch den zweiten Band auf meinem Blog rezensiert und lese gerade den dritten Band. Also ich musste mich erst mit den Büchern anfreuden, da ich zuerst die Serie geschaut hab. Mir viel es echt schwer, Buch und Serie nicht zu vergleichen.
    Mittlerweile sehe ich Buch und Serie als „selbstständig“ an, da ja auch der Verlauf der Geschichte unterschiedlich ist.

    Liebe Grüße vom #litnetzwerk
    Andrea 🙂

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  2. Huhu,
    ich bin durch Ankas Aktion auf deinen Blog aufmerksam geworden und ich bin ganz begeistert von deiner Rezi. Du schreibst echt super und kannst überzeugen. Ich fand das Buch trotz der Unterschiede zur Serie ziemlich gut. 😉
    Liebe Grüße
    Mandy

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