Cinema

Oscars ’16: Die Nominierungen

Am Donnerstag wurden sie bekanntgegeben, die diesjährigen Anwärter für den wichtigsten Filmpreis der Welt – den Oscar. Vom 12. bis zum 23. Februar wird nun von den Verantwortlichen der Academy abgestimmt, die Verleihung findet am 28. Februar statt. Moderieren wird Schauspieler Chris Rock, der bereits 2005 durch die Gala führen durfte. Spitzzüngig wie ich bin muss ich an dieser Stelle doch einmal feststellen: Konsequent auf die Kritik des Vorjahres reagiert, dass „Schwarze“ bei den Oscars nie eine tragende Rolle spielen. Ja, da spare ich nicht mit Applaus 😉

In 24 Kategorien wird konkurriert, die Liste wird (nicht überraschend) von „The Revenant – Die Rückkehrer“ mit 12 Nominierungen angeführt, gefolgt von „Mad Max: Fury Road“ mit 10 Nominierungen und „Der Marsianer: Rettet Mark Watney“ mit 7 Nominierungen.

Alejandro González Iñárritu führt damit im zweiten Jahr hintereinander die Liste an – und hat mit „Birdman“ 2015 ja eindrucksvoll bewiesen, dass „der mit den meisten Nominierungen“ auch als „der mit den meisten Preisen“ nach Hause gehen kann. Dem Cineastenherz entlocken die 10 Nominierungen von „Mad Max: Fury Road“ hingegen ein freudigeres Hüpfen. Haben viele vor dem Kinostart geunkt und an der Qualität ebenso wie am Erfolg gezweifelt, muss man neidlos anerkennen: „Vieles richtig gemacht“. Dass dies nun zu Recht belohnt wird, das ist auch in Hollywood nichts Alltägliches. „Der Marsianer: Rettet Mark Watney“ ist nicht nur als Film erfolgreich, sondern auch die Buchvorlage soll sehr gut sein. Auch wenn die Nominierungen hier wohl eher auf das amerikanisch-patriotische Selbstgefühl abzielen, werde ich in diesem Jahr einmal ein Buch-Film-Vorhaben auf meine To-Do-Liste setzen.

Im Gegensatz zum letzten Jahr sind bei den Nominierungen wieder mehr Filme vertreten, bei denen der Europäer durchaus die Chance besitzt, sie schon gesehen zu haben. Daher werde ich dann doch mal wieder ein bisschen tippen, wer denn so was abräumen wird.

„The Revenant“ sehe ich als in der Königsklasse gebucht. Bester Film und Bester Regisseur sollten drin sein – wobei ich als größte Konkurrenz „The Big Short“ mit Regisseur Adam McKay sehe und wie ein Flummi hüpfen würde, wenn es in einer der beiden Kategorien doch George Miller mit „Mad Max: Fury Road“ wird. Tom Hardy als Bester Nebendarsteller hat für mich ebenfalls die größten Chancen. Hier dürften  allerdings seine Leistung in „Legend“ und – Ach komm erwähnen wirs noch mal –  auch als Max Rockatansky mit reinspielen.

Die größte Frage dieser Oscars wird ja ohnehin sein: Geschieht das Undenkbare, das, womit schon keiner mehr gerechnet hat? Bekommt Leonardo DiCaprio (nach seiner Pause im Oscarrennen 2015) endlich seinen verdienten Goldjungen als Bester Hauptdarsteller? Und wenn ja, was machen wir alle Verrücktes, falls es tatsächlich zu diesem Jahrhundertereignis kommt? Ein gewisser Restzweifel bleibt ja immer (siehe auch mit einem Augenzwinkern genau hier) und die Konkurrenz ist nicht zu verachten: Michael Fassbenders Interpretation von „Apple“-Gründer Steve Jobs kam zwar besser an als die von Ashton Kutcher, ist aber dennoch nicht unumstritten. Dass Bryan Craston eine Hausnummer ist, wissen wir auch nicht erst seit „Breaking Bad“. Matt Damon ist aus Hollywood nicht mehr wegzudenken und uns allen ist immer noch Eddie Redmaynes großartige Leistung in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ in Erinnerung, für die er im letzten Jahr zu Recht den Oscar erhielt. Ich bin ja ein Freund von Situationen a la  „2010, das Jahr, indem Sandra Bullock zuerst die Goldene Himbeere und am Folgetag den Oscar mit nach Hause nahm“ und es wäre schon kaum an Genialität zu überbieten, die Himbeere und zum zweiten Mal hintereinander den Oscar zu gewinnen, so wie Eddie in diesem Jahr die Chance hätte. Aber Leo hat im Gegensatz zu seinen Mitnominierten als einziger noch keinen Oscar. Es wird Zeit,, emhr noch: ES…IST…LÄNGST…ÜBERFÄLLIG! Verdammt noch mal! xD

So, was ist noch erwähnenswert? Ach ja, die Frauen. Ich fänds gut, wenn Beste Hauptdarstellerin nicht JLaw und auch nicht Cate Blanchett werden, da sie mir derzeit zu überpräsent sind. Saoirse Ronan empfände ich als gute Alternative, aber auf mich hört ja eh nie jemand. Mit Roney Mara und Alicia Vikander gehen gleich zwei Damen mit LGTB-Filmen (ja, DAS könnt ihr mal googlen^^) ins Rennen um den Titel Beste Nebendarstellerin. Dass „Carol“ und „The Danish Girl“ bei den Oscars generell so präsent sind – es kommt ja schon fast einer Sensation gleich 😉 Meine Sympathie gilt Alicia, da spielt auch ein wenig „Ex Machina“ mit rein. Diesem Film gelang ebenfalls eine Sensation – und ich freue mich diebisch darüber. Einfach mal Blockbuster wie „Jurassic World“ und „Avangers: Age of Ultron“ in der Kategorie Beste Visuelle Effekte ausgebootet – Respekt. Und mit „Mad Max: Fury Road“ und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ sind zwei weitere Filme nominiert, die eben nicht auf Effektgewitter setzen, sondern auf eine gute Kombination aus Handwerk und Computertechnik. So gefällt mir das!

Bleiben wir bei „Star Wars“ – kaum etwas hat die cineastische Welt im letzten Jahr so gespalten, wie dien neuste Episode unserer Lieblings-Weltraum-Seipenoper. Die 5 Nominierungskategorien (Filmmusik, Schnitt, Ton, Tonschnitt, Beste Visuelle Effekte) sind mehr als angemessen für einen Film dieses Kalibers und dieser Ausrichtung. Vielleicht hätte man anhand des Aufwands, der für die außerirdischen Wesen betrieben wurde (Stichwort ComicCon-Panel) auch etwas in Richtung Kostüme/Make-Up und Szenenbild verdient gehabt. Aber in diesen Kategorien tun sich innerhalb der letzten Jahre ohnehin immer wieder Abgründe auf. Ich finde es nicht leicht einzuschätzen, wie schwer „Star Wars“ als Marke wiegt. Gab es die Nominierungen nur, weil der Name solche Strahlkraft hat? Inwiefern spielt bei der Vergabe der Preise mit rein, dass das ganze nun unter der Fuchtel von Disney steht? Ich lege mich jetzt mal auf Schnitt, Ton und Tonschnitt fest und gebe bei der Filmmusik „The Hateful Eight“ den Vorzug. Allein schon, weil es für Tarantino dieses Mal – zum gefühlt ersten Mal überhaupt – keine Nominierung für das Beste Drehbuch gab.  Eine weitere Überraschung des Tages. Unter den Nominierten sehe ich als Bestes adaptiertes Drehbuch „Der Marsianer“ und als Bestes Originaldrehbuch „Bridge of Spies“ vorn. Das geht beides in die Richtung USA als die Guten gegen das Böse in Form von widriges Weltall und Lieblingsgegner Russland, ich glaube, das hat Erfolgsaussichten.

Kommen wir so langsam zum Ende. Außer „Alles steht Kopf“, der sich sogar für Bestes Drehbuch ins Rennen gebracht hat, kenne ich unter den Besten Animationsfilmen nur noch Shaun das Schaf – aber ob das so oscarwürdig ist, da habe ich meine Zweifel. Und wo zur Hölle sind denn bitteschön „Die Minions“, einer der kommerziell erfolgreichsten Animationsfilme aller Zeiten? Ich kann’s echt nicht glauben. Doch noch viel unglaublicher siehts in der Kategorie Bester Filmsong aus. Mal unabhängig davon, ob der Song gut ist oder nicht (nein, er ist NICHT gut! Aber das ist nur meine Meinung), was ist denn das bitte für ein Armutszeugnis für die Filmbranche, wenn sich „Fifty Shades of Grey“ nun allein schon oscarnominiert geschweige denn ab Ende Februar sogar oscarprämiert nennen darf?! So viele Goldene Himbeeren können das gar nicht wieder ausgleichen! Mein Cineastenherz steht vor einem Infarkt. Da ist man ja fast schon geneigt zu sagen: „Ja, „Writing’s on the Wall“ aus der Feder von Sam Smith ist zwar einer der schlechtesten Bond-Songs aller Zeiten, aber dann doch lieber das!“ Nein, in dieser Kategorie mag ich mich nicht entscheiden. Nein…einfach nein.

Einige weitere Kategorien habe ich unten zwar noch aufgeführt, aber auch nicht alle, da ich zu Bester Kurzfilm, Bester Dokukurzfilm, etc. ohnehin immer wenig sagen kann. Bei Beste Dokumentation sieht Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom recht vielversprechend aus. Zumindest für uns Europäer derzeit relavanter als die Themen der anderen Dokumentationen. Und bei den diesjährigen Fremdsprachigen Filmen bin ich sehr traurig, dass es „Das Labyrinth des Schweigens“ leider nicht unter die Nominierten geschafft hat. Dafür setze ich aber wie gewohnt auf Dänemark mit „A War“.

Welches Fazit ziehe ich also? Die diesjährigen Nominierungen haben mich versöhnlicher gestimmt als im letzten Jahr – da man vieles auch als Europäer schon kennt und da auch Themen wie Transgender und gleichgeschlechtliche Liebe ihren Raum unter den Nominierten finden. Auch die Frauen treten nicht als schickes Beiwerk auf, sondern behaupten sich als selbstbewusste und tolle Charaktere. Mit „Mad Max: Fury Road“ hat man einen guten Verdienst gewürdigt und bei den visuellen Effekten mehr wert auf Qualität als auf Masse gelegt. Überraschend dennoch, welche Größen leer ausgegangen sind: Tarantinos „The Hateful Eight“ mit Bester Kamera und Bester Filmmusik abgespeist, „Jurasic World“ und „Avengers: Age of Ultron“ und auch „Die Minions“ nicht einmal nominiert. Es verspricht ein spannender Abend zu werden – was für mich besonders bedauerlich ist, da in der Folgewoche meine mündlichen Examensprüfungen anstehen und ich sicherlich nicht so viel Zeit wie sonst haben werde. Aber ganz ohne geht dann doch nicht. Also, drückt die Daumen für Leo und wenn ihr Lust habt, hinterlasst mir doch eure Oscarstipps in den Kommentaren.

Eure „Kino ist ihr liebstes Hobby – gleich hinter Büchern“

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Bester Film

  • The Big Short
  • Bridge of Spies
  • Brooklyn
  • Mad Max – Fury Road
  • Der Marsianer
  • The Revenant
  • Raum
  • Spotlight

Beste Regie

  • Adam McKay für The Big Short
  • George Miller für Mad Max – Fury Road
  • Alejandro González Iñárritu für The Revenant
  • Lenny Abrahamson für Raum
  • Tom McCarthy für Spotlight

Bester Hauptdarsteller

  • Bryan Cranston für Trumbo
  • Matt Damon für Der Marsianer
  • Leonardo DiCaprio für The Revenant
  • Michael Fassbender für Steve Jobs
  • Eddie Redmayne für The Danish Girl

Beste Hauptdarstellerin

  • Cate Blanchett für Carol
  • Brie Larson für Raum
  • Jennifer Lawrence für Joy
  • Charlotte Rampling für 45 Years
  • Saoirse Ronan für Brooklyn

Bester Nebendarsteller

  • Christian Bale für The Big Short
  • Tom Hardy für The Revenant
  • Mark Ruffalo für Spotlight
  • Mark Rylance für Bridge of Spies
  • Sylvester Stallone für Creed

Beste Nebendarstellerin

  • Jennifer Jason Leigh für The Hateful 8
  • Rooney Mara für Carol
  • Rachel McAdams für Spotlight
  • Alicia Vikander für The Danish Girl
  • Kate Winslet für Steve Jobs

Bestes adaptiertes Drehbuch

  • Charles Randolph & Adam McKay für The Big Short
  • Nick Hornby für Brooklyn
  • Phyllis Nagy für Carol
  • Drew Goddard für Der Marsianer
  • Emma Donoghue für Raum

Bestes Originaldrehbuch

  • Matt Charman und Joel & Ethan Coen für Bridge of Spies
  • Alex Garland für Ex Machina
  • Pete Docter, Meg LeFauve und Josh Cooley für Alles steht Kopf
  • Josh Singer und Tom McCarthy für Spotlight
  • Jonathan Herman und Andrea Berloff für Straight Outta Compton

Bester Animationsfilm

  • Anomalisa
  • Boy and the World
  • Alles steht Kopf
  • Shaun das Schaf – Der Film
  • Erinnerungen an Marnie

Bestes Szenenbild

  • Bridge of Spies
  • The Danish Girl
  • Mad Max – Fury Road
  • Der Marsianer
  • The Revenant

Beste Kamera

  • Carol
  • The Hateful 8
  • Mad Max – Fury Road
  • The Revenant
  • Sicario

Bestes Kostümdesign

  • Carol
  • Cinderella
  • The Danish Girl
  • Mad Max – Fury Road
  • The Revenant

Bester Schnitt

  • The Big Short
  • Mad Max – Fury Road
  • The Revenant
  • Spotlight
  • Star Wars – Das Erwachen der Macht

Bestes Make-up

  • Mad Max – Fury Road
  • Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
  • The Revenant

Beste Filmmusik

  • Thomas Newman für Bridge of Spies
  • Carter Burwell für Carol
  • Ennio Morricone für The Hateful 8
  • Jóhann Jóhannsson für Sicario
  • John Williams für Star Wars – Das Erwachen der Macht

Bester Filmsong

  • „Earned It“ aus Fifty Shades of Grey
  • „Manta Ray“ aus Racing Extinction
  • „Simple Song #3“ aus Ewige Jugend
  • „Til It Happens to You“ aus The Hunting Ground
  • „Writing’s on the Wall“ aus Spectre

Bester Ton

  • Bridge of Spies
  • Mad Max – Fury Road
  • Der Marsianer
  • The Revenant
  • Star Wars – Das Erwachen der Macht

Bester Tonschnitt

  • Mad Max – Fury Road
  • Der Marsianer
  • The Revenant
  • Sicario
  • Star Wars – Das Erwachen der Macht

Beste Spezialeffekte

  • Ex Machina
  • Mad Max – Fury Road
  • Der Marsianer
  • The Revenant
  • Star Wars – Das Erwachen der Macht
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