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[REZENSION] Terry Brooks – Die Shannara-Chroniken: Elfensteine

Der Ellcrys, der heilige Baum der Elfen, stirbt. Mit ihm vergeht auch der Bann, der die Dämonen aus der Welt der Sterblichen fernhält, und die ersten dieser Bestien haben die magische Grenze bereits überwunden. Amberle Elessedil, die Tochter des Königs der Elfen, ist die einzige, die einen neuen Ellcrys pflanzen kann. Um das letzte Samenkorn des Ellcrys zum Leben zu erwecken, begibt sie sich auf gefährliche Reise zum Wildewald. Denn die Dämonen wissen von ihrer Aufgabe und sie werden alles tun, um sie aufzuhalten. Zum Glück steht ihr der junge Heiler Wil zur Seite – und mit ihm die Elfensteine von Shannara.

Titel: Die Shannara-Chroniken – Elfensteine
Autor: Terry Brooks

Format: Taschenbuch
Seiten: 736
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 15. Februar 2016
Preis: € 9,99 [D] | € 10,30 [A]
Teil einer Reihe? Shannara-Zyklus

Bewertung: ✪ ✪ ✪ ✪

Vielen werden die Shannara-Chroniken seit der Serienverfilmung, die im Januar bei MTV und wenig später unter Amazons Demand-Dienst auch in Deutschland den Start ging, ein Begriff sein. Um ein wenig Ordnung in die Buchvorlagen zu bringen, gibt es vor der eigentlichen Rezension erst einmal einen kleinen Exkurs in die vielfältige Romanwelt von Shannara. Als Terry Brooks den ersten Roman aus seinem Shannara-Zyklus veröffentlichte („Das Schwert von Shannara“), schrieben wir gerade das Jahr 1977. Das, was uns heute als Fantasy-Genre bekannt ist, steckte noch in den Kinderschuhen und auch Brooks erste Gehversuche orientierten sich stark an den Fußstapfen, die Großmeister Tolkien hinterlassen hatte. Bis heute erschienen zahlreiche weitere Romane, die sich zu Trilogien und Reihen zusammen setzen, und um die Verwirrung komplett zu machen, wurden die deutschen Übersetzungen größtenteils noch einmal in weiter Einzelromane zerteilt. Nicht alles wurde ins Deutsche übersetzt und Blanvalet ließ jüngst verlauten, dass keine weiteren Übersetzungen geplant seien. Vielleicht überdenkt man dies noch einmal, je nachdem wie sehr das Interesse an den Romanen durch die Serienverfilmung zunimmt.

Der Auftakt der ursprünglichen Trilogie „Die Shannara-Chroniken: Das Schwert der Elfen“ (heutiger Ausgabentitel) hieß einst „Das Schwert von Shannara“ und unterteilte sich im Deutschen in die Einzelromane „Das Schwert von Shannara“, „Der Sohn von Shannara“ und „Das Erbe von Shannara“. Die Geschichte ist inhaltlich VOR der Serie angesiedelt und erzählt die Abenteuer von Wils Vater. Wem also an einem ersten Reinschnuppern gelegen ist oder wer sich ein Bild über die Buchvorlage zur Serie machen möchte, der greift direkt zu „Die Shannara-Chroniken: Elfensteine“ (bestehend aus „Die Elfensteine von Shannara“, „Der Druide von Shannara“ und „Die Dämonen von Shannara“). Komplettiert wird die ursprüngliche Trilogie durch „Das Zauberlied von Shannara“, die Bücher widmen sich den Nachkommen unserer Protagonisten aus Teil 2. Damit will ich es an dieser Stelle erst einmal gut sein lassen, eine Komplettlistung gibt es bei Wikipedia.

REZENSION

Da ich „Das Schwert der Elfen“ (noch) nicht gelesen habe, kann ich nichts dazu sagen, ob die Parallelen zu Tolkien tatsächlich so drastisch sind, wie immer beschrieben. Für „Elfensteine“ gilt vorneweg gesagt schlichtweg: Es handelt sich um eine grundsolide, gute Geschichte. Sie beinhaltet viele Motive, die typisch für das Fantasy-Genre sind: Wir haben den jungen Helden in der Außenseiterrolle, der durch einen Mentor auf eine bedeutende Reise geschickt wird. Des Weiteren eine Königstochter, die vor ihrer Bestimmung flieht und dann doch zur letzten Hoffnung für ihr vom Untergang bedrohtem Reich wird. Wir haben die weise Beraterfigur – ob man ihn nun Zauber oder Druide nennt, ist relativ unerheblich. Böse weltvernichtende Macht – check. Abenteuer und auch ein bisschen zarte Liebesbande – ebenfalls check. Nun muss sich Brooks aber deshalb nicht gleich mangelnde Kreativität vorwerfen lassen. Ganz im Gegenteil: Vieles, was uns als Fantasy-Leser heute „irgendwie bekannt“ vorkommt, war beim Erscheinen des Romans noch nicht einmal geschrieben. Vielmehr müssten sich eigentlich die Romane, mit denen wir heute vergleichen, an Brooks Geschichten messen und nicht umgekehrt. Inhaltlich hat mich die Geschichte jedenfalls voll und ganz überzeugt und bei der Skepsis, mit der ich zugegebenermaßen heran gegangen bin, auch eindeutig positiv überrascht.

Kleine Kritikpunke gibt es jedoch für die Ausgestaltung der Charaktere. Nun ist man ja fast schon froh, dass es überhaupt weibliche Charaktere mit tragender Rolle gibt (und nein, ich meine damit keinen Wäschekorb!). Aber für Amberle hätte man sich doch ein wenig mehr Selbstbewusstsein gewünscht. Steht sie Wil anfangs mit unverhohlener Skepsis gegenüber, besitzt sie bis dato wenigstens noch ein wenig Eigenständigkeit. Sobald sie Vertrauen zu Wil fasst, wird sie zum Anhängsel, das beschützt werden muss. Schade. Ein wenig anders verhält es sich bei Eretria. Sie hat zwar bedeutend weniger Raum, als man sich durch die Verfilmung erhofft, und macht sich zu Beginn von Wils Wohlwollen abhängig. Doch zumindest entwickelt sie sich gegen Ende zur Retterin in der Not, ohne die unsere anderen beiden Helden aufgeschmissen wären.

Eine weitere Sache, die mir in Sachen Charaktergestaltung sauer aufgestoßen ist: Manchmal mangelt es an einer konsequenten Umsetzung von Eigenschaften und Merkmalen auf sprachlicher Ebene. Vergleicht man Dialoge zwischen Wil und dem Druiden Allananon mit Dialogen zwischen Wil und Amberle wirkt unser Held einmal wie ein unzivilierter Bauerntrampel und dann wieder sehr eloquent. Auch der Stil, in dem Setting, Grundstimmung und Umgebung beschrieben werden, schwankt manchmal spürbar. Ein bisschen wirkt es, als wäre Brooks noch auf der Suche nach seinem eigenen Schreibstil gewesen.

Letzter Kritikpunkt ist die fehlende Karte. Eine Karte lässt das Herz jedes Fantasy-Lesers höher schlagen und für mich persönlich gehört das auch einfach bei einer fiktiven Welt, die man so eben nicht aus dem Atlas kennt, dazu. Ich habe schon deutsche Ausgaben mit einer Karte der Shannara-Welt gesehen. Schade, dass man in dieser Ausgabe leider darauf verzichtet hat.

Zum Abschluss noch einige Sätze zum obligatorischen Vergleich zwischen Serienverfilmung und Buchvorlage. Die Serie weicht erwartungsgemäß an vielen Stellen erheblich von der Vorlage ab. Die Umsetzung ist ein bisschen mehr als „nach Motiven aus“, aber reicht nicht für „eine Verfilmung von“. Es bewegt sich irgendwo dazwischen. Besonders Eretria-Fans dürften beim Lesen des Buches mehr von ihrer Heldin erwartet haben. Auch ihr Vater Cephelo hat in der Serie eine viel präsentere Rolle. Auf den zweiten Blick wurde jedoch auch einiges aus dem Buch übernommen, das man in der Serie aber in einen anderen Zusammenhang gesetzt hat. Stellvertretend dafür sollen einmal Himmelsreiter Perk und jene beiden Hexen stehen, die unseren Helden kurz vor Erreichen des Ziels noch einmal Steine in den Weg legen.

FAZIT

Inhaltlich haben mich die „Elfensteine“ wirklich positiv überrascht. Fantasy-Leser dürften die investierte Lesezeit nicht bereuen, Fans der Serie werden ebenfalls ihren Spaß haben, wenn sie keine all zu großen Parallelen erwarten. Auch wenn die Charaktergestaltung und der Schreibstil noch ausbaufähig sind, bin ich dennoch gespannt, welche weiteren Abenteuer die Welt von Shannara noch bereit hält und werde mich trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der wohl offensichtlichen Parallelen zu „Der Herrn der Ringe“ als nächstes dem „Schwert der Elfen“ widmen.

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8 thoughts on “[REZENSION] Terry Brooks – Die Shannara-Chroniken: Elfensteine”

  1. Hallo Christina,

    als ich gerade Deine Rezension zu dem Buch las, musste ich an mich selbst denken, als ich das Buch las. Mir erging es da nämlich ganz ähnlich.

    Liebe Grüße und weiterhin schöne Feiertage,

    Ira

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  2. Ich hatte die Serie mal angefangen, aber so nach 5/6 Folgen hab ich abgebrochen. Am Anfang fand ichs noch echt spannend, aber es hat mich einfach nicht gepackt, was echt schade ist. Denn die Grundidee ist toll 🙂
    Ob ich den Büchern ne Chance gebe, weiß ich noch nicht :/

    Liebe Grüße vom #litnetzwerk
    Andrea 🙂

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    1. Ich dachte, du fandest das gar nicht so schlimm xD Mach das, es liest sich wirklich besser lesen als erwartet. Und man muss es im Kontext sehen bzw. dass es eben schon seine Jahre aufm Buckel hat.
      Danke für deinen Kommi, Grüße

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