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[REZENSION] Eric Berg – Die Schattenbucht

Hallo liebe Bücherfreunde,

mal wieder Zeit für einen guten Krimi, dachte ich mir. Ein wenig muss ich dafür schon in Stimmung sein, dieses Genre geht bei mir nicht zu jeder Zeit. So traf es sich gut, dass meine Tante kürzlich Geburstag hatte und Eric Bergs neustes Werk auf dem Gabentisch stand. Eine Empfehlung war schnell ausgesprochen, ihr hat „Die Schattenbucht“ gut gefallen. Und dann auch noch ein Krimi von der Ostsee, jener Region, in der ich fast alles schon einmal persönlich besucht habe, den Urlauben in der Kindheit und Jugend sei Dank. Schon einmal gute Grundvoraussetzungen dafür, dass auch ich an diesem Krimi gefallen finde. Ob ich vergnügliche Lesestunde hatte? Lest selbst.

Wer einen Traum hat, ist zu allem fähig…

Ohne ersichtlichen Grund und ohne emotionale Regung springt Marlene Adamski vom Balkon ihres Hauses in die Tiefe. Sie überlebt, spricht seither jedoch kein Wort mehr. Psychologin Ina Bartholdy findet keine Erklärung für das Verhalten der 62-jährigen Bäckersfrau, doch der Fall lässt sie nicht los. Sie fährt ins mecklenburgische Prerow, um nach ihrer Patientin zu sehen.
Marlene wird scheinbar liebevoll umsorgt. Doch das Verhalten ihres Ehemanns macht Ina stutzig. Keine Sekunde lässt er sie mit Marlene allein, will offensichtlich verhindern, dass sie mit Ina spricht. Was hat dieser Mann zu verbergen? Und was hat er mit den merkwürdigen Vorfällen zu tun, die sich in Prerow häufen?

Eric Berg - Die Schattenbucht

Titel: Die Schattenbucht
Autor: Eric Berg

Format/Seiten: Broschiert/Flexibler Einband
Seiten: 416
Verlag: Limes
Erschienen: 22. Februar 2016
Preis: € 14,99 [D]
Teil einer Reihe? Nein

Bewertung: ✪ ✪ ✪ ✪

Eric Berg ist das Pseudonym des Autoren Eric Walz, der sich zu Beginn seiner Karriere einen Namen mit historischen Romane machte. 2013 veröffentlichte er als Eric Berg seinen ersten Krimi „Das Nebelhaus“, der auf der Insel Hiddensee spielt. Ein Jahr später folgte „Das Küstengrab“ auf der Insel Poel und nach den beiden Jugendthrillern „Schrei“ und „Kalt“ macht er nun mit „Die Schattenbucht“ Prerow, einen Ort auf dem Darßt, zum Schauplatz seines Romans. Die Kriminalromane sind zwar alle an der Ostsee angesiedelt, es gibt jedoch keine wiederkehrenden Figuren, sodass man hier nicht von einer Reihe oder Serie im engeren Sinne sprechen kann. Ich habe bisher leider noch keinen Roman von Eric Berg gelesen und war daher gespannt, wie mir das Ganze so gefällt.

Lässt man den Klappentext auf sich wirken, so hat man als Leser ja eine gewisse Erwartung an den Inhalt. Ich habe mir einen subtilen Aufbau der Handlung vorgestellt, eine beklemmende Stimmung durch das Schweigen der Patentin, Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen, alles in allem eben eine gewisse Athmosphäre. Ich wurde bereits nach wenigen Seiten eines besseren belehrt, denn die Fragen, die sich aus dem Klappentext ergeben, sind sehr schnell beanwortet und der Roman geht in eine Richtung, die zumindest ich niemals erwartet hätte und die zugegebenermaßen viel mehr in Richtung Kriminalfall als in Richtung Psychologieroman geht. Erst einmal ein kleiner Schock, doch ich hab mich weiter auf den Roman eingelassen und das war auch gut so. Es kommt heraus, dass es ein Ereignis in der Vergangenheit gab, bei dem alle Fäden zusammenlaufen, und fortan folgt man der Handlung einmal in der Gegenwart und einmal in Rückblenden aus der jüngeren Vergangenheit. Das mag ich bei Büchern immer sehr gern, da dies den Lesefluss enorm ankurbelt. „Ach, komm noch ein Kapitel. Und noch eins, was solls?“ dürfte wohl jedem von uns bekannt vorkommen.

Zum eigentlichen Inhalt, den der Klappentext verschweigt, will ich eigentlich nicht viele Worte verlieren und irgendetwas vorwegnehmen. Dies sollte jeder Leser für sich selbst entdecken. Mir ist es nur wichtig drauaf hinzuweisen, dass der Klappentext nur die Oberfläche ankratzt und im Prinzip nicht aussagefähig ist, was den eigentlichen Inhalt betrifft. Es soll sich niemand getäuscht fühlen und beim Lesen dann enttäuscht sein. Mir hat es letztlich gut gefallen, was Eric Berg am Ende aus der Ausgangssituation gemacht hat. Man muss jedoch auch anmerken, dass einiges konstruiert und in das Korsett der Handlung gepresst wirkt. Die Beziehungen der einzelnen Charaktere untereinander, die sich nach und nach offenbahren, sind zwar interessant, doch teilweise nicht ganz stimmig. Als Beispiel soll hier die Protagonistin dienen, die sich unbewusst enger in das Lügengeflecht der Beteiligten verwickelt als ihr lieb ist. Auch von der Tatsache, dass der Handlungsort an der Ostsee liegt merkt man nicht viel. Der Ort ist so gut wie gar nicht relevant für die Handlung, das Ganze hätte sich genauso auch im tiefsten Bayern oder im Ruhrpott abspielen können. Für mich persönlich ist das zwar ein bisschen enttäuschend, aber kein Grund dies dem Roman negativ anzukreiden.

Warum bei all diesen Kritikpunkten dann trotzdem 4 Sterne? Ganz einfach: Ich habe es sehr genossen, dass die handelnden Personen so „normal“ sind. Keine Schizophrenen oder Psychopathen, von denen es im Krimi- bzw. Thriller-Genre inzwischen wimmelt. Kein traumatisierten Missbrauchsopfer und auch keine Superbrains oder Übercharaktere ohne Fehl und Tadel, sondern Menschen, wie du und ich. Sie machen Fehler, begehen Dummheiten und lassen sich von ihren Gefühlen zu Dingen hinreißen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Sie werden angetrieben von vermeintlichem Gerechtigkeitssinn, der sich gepaart mit einer gesunden Brise Egoismus schließlich in Gier verwandelt – woran die verschworene Gemeinschaft und ihr Lügengeflecht letztlich auch zerbrechen. Gerade diese „Normalität“ der Figuren macht die Auflösung der Handlung auch relativ erschreckend. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, welche Leichen der Nachbar tatsächlich im Keller hat…?

FAZIT

Der Inhalt war nicht das, was ich erwartet hatte, doch nachdem der Schock überwunden war, konnte mich der Roman dennoch durch seine Authentizät versöhnen. Man bekommt gute Krimilektüre – etwas das nicht all zu lange nachwirkt, aber beim Lesen trotzdem unterhält.

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2 thoughts on “[REZENSION] Eric Berg – Die Schattenbucht”

    1. Hallo Caroline,
      danke für dein Lob. Es krankt ein wenig an der Zeit, man möchte sich eigentlich schon intensiver um den Blog kümmern können, aber „the woman’s gotta make a living, too“ xD
      Ich bin leider bisher nicht zum Lesen der anderen Krimis von ihm gekommen, aber sie stehen auf der Agenda.
      Freue mich, wenn du noch mal wieder vorbeischaust und ein paar nette Worte da lässt.

      Buchige Grüße

      Gefällt mir

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