Books, Rezension

[REZENSION] Walter Moers & Florian Biege – Die Stadt der träumenden Bücher: Band 2 – Die Katakomben

Liebe Bücherwürmer,

zur Abwechslung gibt es heute einmal eine Rezension aus dem Bereich „Comic & Graphic Novel“. Nachdem mich Band 1 der graphischen Umsetzung von Walter Moers Roman „Die Stadt der träumenden Bücher“ im letzten Herbst ausnahmslos begeistert hat, habe ich natürlich auf die Veröffentlichung des zweiten Teils im Januar hingefiebert. Warum „Die Katakomben“ für mich nicht ganz so gelungen sind, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Viel Spaß beim Lesen!

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Der Bestseller jetzt als prächtiger Comic
Buchhaim ist die „Stadt der Träumenden Bücher“, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Walter Moers` fantastische Abenteuergeschichte um den jungen Dichter Hildegunst von Mythenmetz, der das Geheimnis eines makellosen Manuskriptes ergründet, hat weltweit die Leser begeistert. Nun gibt es diese Geschichte aus dem Abenteuerreich der Literatur als prächtige Graphic Novel. In jahrelanger Arbeit hat Walter Moers seinen Romantext auf die Bedürfnisse einer Graphic Novel umgearbeitet und in Form eines Szenarios Hunderte von Bildern skizziert, die Florian Biege in enger Zusammenarbeit mit dem Autor kongenial in einen brillanten Comic von plastischer Farbigkeit verwandelt hat. Herausgekommen sind zwei staunenswerte Bände, eine filmische Neuerzählung des Romans, angereichert mit einem Glossar und einer Panorama-Klapptafel (Band 1) und einem „Making of“ (Band 2).

Band 2, „Die Katakomben“, erzählt, wie Hildegunst aus der Gemeinschaft der Buchlinge vor den bösartigen Bücherjägern fliehen muss, anschließend dem Schattenkönig begegnet und den Rückweg an die Oberfläche Zamoniens antritt.

 

Walter Moers & Florian Biege - Die Stadt der träumenden Bücher: Band 2 - Die Katakomben

Titel: Die Stadt der träumenden Bücher – Band 2: Die Katakomben
Autor: Walter Moers & Florian Biege
Originaltitel:
Format/Seiten: Gebundenes Buch, Pappband
Seiten: 128
Verlag: Albrecht Knaus Verlag
Erschienen: 9. Januar 2018
Preis: € 25,00 [D]
Teil einer Reihe? Die Stadt der träumenden Bücher

Bewertung: ✪ ✪ ✪ ✪

Nahtlos knüpft die Handlung ans Ende von „Buchhaim“ an und der Leser wird mitgenommen auf eine wunderbare Reise durch die Wunder der ledernen Grotte, der Wohnstätte der gar nicht so schrecklichen Buchlinge. Hier ergeht sich Illustrator Florian Biege wieder voll in seinem Ideenreichtum und seiner Liebe zum Detail, ich habe wirklich selten eine so wunderbar und detailverliebte graphische Adaptione eines Romans gelesen. Besonders die Panorama-Zeichnungen sind echte Kunstwerke, man könnte fast sagen Gemälde. Man entdeckt immer wieder neue Dinge, das Anschauen macht einfach Spaß und man möchte als Leser am liebsten sofort die Koffer packen und sein Zelt in der unterirdischen Manifestion aller Buchträume aufschlagen. Ich bin froh, dass diese Liebeserklärung ans geschriebene Wort so viel Raum bekommt (mit knapp 30 Seiten ca. ein Viertel des Comics), denn wie es natürlich kommen muss, bleibt der Friede nicht lang ungestört und die Geschichte schlägt einen deutlich düsteren Weg ein. Dichterdrache Hildegunst begegnet mit dem Schattenkönig einer sehr spannenden und fast tragischen Figur. Die Hintergrundgeschichte fügt sich wunderbar in die Fragen ein, die der erste Teil des Comics aufgeworfen hat, und es bildet sich langsam ein Gesamtbild heraus. In manchen Rezensionen wurde kritisiert, dass besonders der Schattenkönig und seine Gespräche mit Hildegunst zu kurz kommen und dass sich in diesem Teil die Kürzungen besonders bemerkbar machen. Als Nichtkenner der Buchvorlage muss ich aber sagen, dass das Erzähltempo hier durchaus stimmig ist. Im Zweifelsfall macht diese vermeintliche Lücke nur noch mehr Lust den Roman auch lesen zu wollen ;)

Kommen wir nun zum Teil des Comics, der mir das Lesevergnügen sehr geschmälert hat. Ich muss zugeben, dass ich mit anderen Erwartungen an die Geschichte und deren Ende herangegangen bin. Hätte ich das Buch vorher gelesen, wäre ich besser auf das vorbereitet gewesen, das mich erwartete. So saß ich da und dachte stattdessen „WTF?“ und hatte am Ende sehr, sehr schlechte Laune, nicht nur weil mich der Comic mit einem „Denn hier hört die Geschichte auf.“ regelrecht herauswarf, sondern weil das Ende der Geschichte auch noch dermaßen deprimierend war, ohne an dieser Stelle zu verraten, warum.

Obwohl bis dato in Teil 1 und 2 subtile Hinweise auf ein kämpferisches Finale Furioso versteckt waren, immer mal wieder ein dunklerer Ton durchklang und das grausame Experiment, das den Schattenkönig zu dem machte, was er war, rückblickend nur ein Intro für noch mehr Schreckliches ist, hat mich das, was folgte, ein wenig überfahren: Das Gemetzel unter den Buchjägern. Nun sind sie ja zuvor nie als zimperliche Zeitgenossen dargestellt worden und oben habe ich die detailverliebte Darstellung des Comics sehr gelobt. Hier hätte aber ein bisschen weniger Blut, ein bisschen weniger szenenkompositorisches „Draufhalten“ und ein paar Seiten weniger echte Wunder gewirkt – und das Ganze sicherlich genauso gut erzählen können. Den Ausschlag gibt hier der – sicherlich auch gewollte – Kontrast zu der heilen Welt der Bücher, der süßen Buchlinge, der Liebeserklärung ans Buch. Da passt für mich eine Metzelei diesen Ausmaßes von der Geschichte her gesehen schon nicht so gut. Dafür kann der Comic  zugegebenermaßen erst einmal nichts, aber man hätte sich zeichnerisch sicher ein bisschen zurücknehmen können. Zumal ich die Comicadaptionen bisher stets als All-Ager eingestuft habe und das Marketing sich tatsächlich nicht nur an erwachsenes Publikum, sondern auch an Kinder und Jugendliche richtet.

FAZIT

Halten wir also fest, dass mir der Handlungsverlauf der Geschichte im letzten Drittel nicht gefallen hat und ich manche Darstellung in ihrer graphischen Umsetzung zu detailliert empfand, sodass Band 2 „Die Katakomben“ bei mir nicht so gut ankam wie Teil 1 „Buchhaim“. Trotzdem handelt es sich bei beiden Teilen von „Die Stadt der träumenden Bücher“ um eine großartige, mit viel Liebe und Können gestaltete Comic-Adaption, die ihres gleichen sucht. Ich wartet nun geduldig auf den Moment, in dem ich die Romanvorlage in der Bibliothek endlich ergattern kann ;)

Und das sagen andere Blogger dazu:

Buntes Tintenfässchen // Der Büchernarr // Leselust // Sternenbrise // Bellas Wonderworld // Märchenbücher

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2 Gedanken zu „[REZENSION] Walter Moers & Florian Biege – Die Stadt der träumenden Bücher: Band 2 – Die Katakomben“

  1. Huhu, ohne groß deine Rezension gelesen zu haben (mögliche Überraschungseffekte und so) und obwohl ich das Buch auch schon gelesen habe … Bin den Comics neulich im Laden begegnet und habe mich kurz Schockverliebt! Die Grafiken sind so *hach* und oooh <3
    Finde es nur etwas komisch, dass das Buch in zwei(?) Comics aufgeteilt wurde. Allerdings gibt es eine Menge in Zamonien zu entdecken. Freue mich schon darauf, die Bände irgendwann selbst im Regal stehen zu haben ^.^

    Knuddelgrüße
    Ich, Jaci

    1. Hallo Jaci,
      schön, dass du vorbeigeschneist.
      Ja, mit dem zweiten Band ist die Adaption abgeschlossen. Fand die Aufteilung gut, so hat die Geschichte genügend Raum und die tollen Panoramaseiten werden erst möglich. Die sind ja wirklich die Highlights beider Bände. Ich hoffe, sie adaptieren auch noch andere Geschichten aus Zamonien bzw. um Hildegunst.

      Du hast ja auch iwann mal Geburtstag ;) oder frag doch mal beim Verlag nach.

      Wir sehen uns nächste Woche.
      Grüße Christina

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